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Frankfurt City Triathlon „Mir kommen die Tränen“

Steffen Justus gewinnt den Frankfurt City Triathlon und ärgert sich über seinen geplatzten Olympia-Traum.

07.08.2016 17:05
Strahlender Sieger in Frankfurt: Steffen Justus, einstiger deutscher Olympia-Starter. Foto: Kutsche

Nein, Jürgen Zäck konnte nicht einfach dem sonnenüberfluteten Zielkanal entkommen. Es kreischten zwar keine aufgeregten Teenager am Absperrgitter, aber Triathlon-Fans älteren Semesters entließen den Altmeister nach der 7. Auflage des Frankfurter City Triathlon nicht ohne ein Selfie geschossen zu haben. Klar, dass der Koblenzer solche Wünsche einen Tag vor seinem 51. Geburtstag bereitwillig erfüllte. Der Oldie hatte bei einem gut besetzten Rennen über 1,5 Kilometer Schwimmen, 45 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen einen akzeptablen 21. Platz (2:16:02 Stunden) belegt, „aber wenn die Jüngeren richtig Gas geben, komme ich halt nicht mehr hinterher“, räumte die Ironman-Legende ein.

Tatsächlich war Steffen Justus mehr als 20 Minuten vor dem immer noch bestens gestylten Hawaii-Heroen durchs Zieltor gehuscht: Der Sieger finishte nach 1:55:23 Stunden auf dem roten Teppich an der Hauptwache. Der Spezialist von der olympischen Distanz war seiner Favoritenrolle gerecht geworden. „Ein stressfreies Rennen: Schwimmen gut, Radfahren gut – und Laufen war dann echter Spaß“, sagte der in Saarbrücken beheimatete Sportler so entspannt, als habe er einen Trimmtrab hingelegt.

Locker parierte der 34-Jährige auf dem Innenstadt-Laufkurs die Radattacke des Überraschungszweiten Gregor Schreiner (1:58:44) und lobte die Veranstaltung, die bei den Frauen abermals von der Frankfurterin Natascha Schmitt (2:09:12) gewonnen wurde. „Die Location ist wunderbar. Ich würde mir wünschen, dass hier mal ein internationales ITU-Rennen stattfinde“

Für den mit 2000 Euro Preisgeld belohnten Justus war der Frankfurt-Abstecher die Einstimmung auf seine Premiere beim Ironman 70.3 Wiesbaden kommenden Sonntag. Der Umstieg erfolgt wohlüberlegt. „Ich freue mich auch darauf, alte Weggefährten wie Nils Frommhold wiederzutreffen.“ Gleichwohl: Viel lieber wäre er ja beim olympischen Triathlon in Rio de Janeiro geschwommen, geradelt und gelaufen. Am 18. August wird im Fort Copacabana, einer Militärbasis, das Männer-Rennen gestartet – darauf hatte Justus die letzten drei Jahre hingearbeitet. „Mir kommen die Tränen, wenn ich jetzt die Starterliste bei Olympia sehe“, sagte Justus der FR. Sein Ärger auf das, was sich im Zuge der Nominierung mit der Deutschen Triathlon-Union (DTU) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) abspielte, ist immer noch nicht verraucht.

Rückblende: Zunächst verlangte sein Fachverband eine Platzierung unter den ersten Acht vor einem Jahr in Rio, dann galt im Frühjahr dasselbe für Rennen in Abu Dhabi oder Yokohama. Kein deutscher Mann schaffte die Vorgabe. Justus kam verletzungsbedingt erst spät ins Rollen – und landete am 12. Juni beim WM-Rennen in Leeds auf Rang neun. „Ich habe nachgewiesen, dass ich die geforderte Top-Ten-Platzierung hätte bringen können.“

Peinlich fürs Frodeno-Land

Letztlich stand sein Name zwar auf einer möglichen Nachrückerliste – genützt hat es nichts. Als Unding empfand er eine wochenlange Hängepartie. Seinen Heimtrainer, Bundestrainer Dan Lorang, habe er gefragt: „Wofür trainieren wir denn heute: Rio oder Wiesbaden?“ Seiner Meinung blieb er in einem schwer durchschaubaren Geflecht aus Paragraphenreiterei und Sturheit hängen. „Andere Sportler sind in ähnlichen Fällen extra eingeladen worden.“ Sein Unverständnis, den olympischen Triathlon just in dem Jahr nicht mit einem männlichen Teilnehmer zu besetzen, wo der ehemalige Olympiasieger Jan Frodeno sogar Sportler des Jahres geworden ist, nagt an seinem Grundverständnis. „Für mich ist das Thema Olympia durch“, sagte der London-Starter frustriert.

Eine Klage anzustrengen wie seine ehemalige Lebensgefährtin Rebecca Robisch kam für ihn nicht infrage: „Gegen was hätte ich denn klagen sollen? Letztlich habe ich die Kriterien nicht erfüllt.“ Er will nun eben bei der Europameisterschaft Ironman 70.3 am nächsten Wochenende einen Leistungsnachweis erbringen, der aufhorchen lässt. „Vielleicht sage ich schon in einer Woche: Das war ein würdiger Ersatz.“

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