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Filmore Beck TV Langen „Es tut mir wirklich leid“

Filmore Beck ist von der Zweiten Basketball-Bundesliga mit einer Rekordsperre bis Juni 2018 belegt worden. Der 23-Jährige hatte im Trikot des TV Langen seinem Karlsruher Gegenspieler Paul Brotherson mit der Faust den Kiefer und das Jochbein gebrochen. Dem gebürtigen Frankfurter tut es leid und hofft, dass die Sperre noch verkürzt wird.

21.11.2014 15:08
Timur Tinç
Reumütig: Filmore Beck. Foto: Andreas Arnold

Filmore Beck geht die Szene nicht aus dem Kopf. „Ich wünsche, ich könnte sie rückgängig machen“, sagt der 23-Jährige. Beck sitzt in einem Café in der Frankfurter Innenstadt, auf seinem Handy trudeln ständig neue Nachrichten zu dem Vorfall in der Pro B – der dritthöchsten Basketball-Liga – vom vergangenen Samstag ein.

Beck hatte in der zehnten Spielminute in der Partie zwischen dem TV Langen und der BG Karlsruhe die Kontrolle über sich verloren. Der Karlsruher Paul Brotherson hatte Beck unsanft gefoult, die Schiedsrichter ein Foul gepfiffen. Filmore Beck stürmte auf seinen Gegenspieler zu und streckte ihn mit einem Faustschlag nieder. „Ich war hinterher über mich selbst erschrocken“, erzählt der gebürtige Frankfurter. Brotherson lag zehn Minuten auf dem Boden, ehe ein Notarzt kam und der Australier ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Diagnose: Doppelter Kieferbruch und Jochbeinbruch. Brotherson ist am Mittwoch operiert worden, Filmore Beck am Dienstag in Langen gekündigt worden.
„Es tut mir wirklich leid was passiert ist“, sagt Beck, der sich bei Brotherson, bei der BG Karlsruhe, bei der Liga sowie seinen Mitspielern und dem TV Langen mittlerweile entschuldigt hat.

"War über mich selbst erschrocken"

Die Zweite Bundesliga, zu der die Pro B gehört, hat Beck am Freitag zu einer Sperre bis zum 30. Juni 2018 sowie einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt. Es ist das härteste Urteil, das je im deutschen Basketball gesprochen wurde. „Aufgrund des Verstoßes gegen die Sportdisziplin, der Härte der Tätlichkeit und der Schwere der Verletzungen von Brotherson kommt die Spielleitung zur genannten Entscheidung“, schreibt die Liga in ihrer Begründung.
Beck will gegen die Strafe, die einem Berufsverbot gleichkommt, Berufung einlegen. Der Einspruch kostet den 23-Jährigen 2000 Euro. Eine Entscheidung soll in sieben bis zehn Tagen fallen.

Für den TV Langen und seinen Manager Jürgen Barth war die Kündigung für Beck „die richtige Konsequenz“. So etwas habe er in 35 Jahren Basketball noch nicht erlebt. Der Verein habe sich Talentförderung und Fairplay auf die Fahnen geschrieben. „Niemand hätte Verständnis für uns gehabt, wenn wir ihn weiter behalten hätten.“ Barth betonte jedoch, dass er Beck als Mensch nicht fallen lassen werde. „Ich wünsche ihm, dass er irgendwann woanders wieder zurückkommen kann.“ Sollte die Sperre von dreieinhalb Jahren jedoch aufrechterhalten bleiben, wird das so gut wie unmöglich sein. Ihm droht außerdem eine zivilrechtliche Klage von Brotherson.

Beck galt in seiner Jugend als großes Talent, er spielte in der U-20-Nationalmannschaft. Die FR bezeichnete ihn vor fünf Jahren „als Rohdiamanten.“ Zwischen 2009 und 2011 stand der 1,89 Meter große Shooting-Guard im Profikader der Frankfurt Skyliners und bekam sogar zwei Kurzeinsätze in der Bundesliga. Eine schwere Fußverletzung im Dezember 2011 warf ihn jedoch aus der Bahn. Er musste operiert werden und bekam im Sommer 2012 keinen Vertrag mehr. Beck schloss sich den Hanau White Whings in der Pro B an, ein Jahr später ging er zum Ligakonkurrenten nach Langen. Bis zum Spiel gegen Karlsruhe hatte er im Schnitt 14,7 Punkte erzielt.

Szene kursierte im Internet

Seinen Traum, als Basketballprofi sein Geld zu verdienen, muss Filmore Beck vorerst hintanstellen. „Ich mache jetzt meinen Realschulabschluss nach“, erzählt Beck. „Das habe ich in der Vergangenheit schleifen lassen.“ Finanziert hat er den Online-Kurs mit seinem Gehalt, das er vom TV Langen erhalten hat. Das Basketballspielen will Beck auf keinen Fall aufgeben und sucht sich jetzt eine Halle, um sich fitzuhalten kann – in der Hoffnung die Sperre wird reduziert.

Zumindest werden ihm Handynachrichten via Whatsapp, die ihm einen Link von der Szene zeigen, zukünftig erspart bleiben. Ein User hatte auf der Videoplattform Youtube einen 16-sekündigen Clip mit seinem Faustschlag hochgeladen. Dabei hatte er sich auf der Plattform der Zweiten Bundesliga eingeloggt, die eigentlich nur den Vereinen zugängig ist, die Szene mit dem Handy abgefilmt und online gestellt. Bis es am Donnerstag von Youtube nach erfolgreicher Beschwerde der Zweiten Bundesliga entfernt wurde, hatte das Video bereits 2500 Klicks.

Verfolgen wird die Szene Filmore Beck aber wohl noch eine sehr lange Zeit.

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