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FC St. Pauli Ein Frankfurter erobert St. Pauli

Der FC St. Pauli ist in der Zweiten Liga auf dem Weg nach oben. Als Interimstrainer sammelt Trainer Roland Vrabec unschlagbare Argumente für seine Weiterbeschäftigung.

18.12.2013 09:42
Hat gut lachen: Roland Vrabec. Foto: dpa

Als Fin Bartels den nächsten Sieg des Zweitligisten FC St. Pauli perfekt gemacht hatte, gab es auf der Hamburger Bank kein Halten mehr. Der Kiezklub war nach dem 2:0 (1:0) bei 1860 München und dem Sprung auf den Relegationsplatz drei aus dem Häuschen. An der Spitze der Jubeltraube stand Interimstrainer und Erfolgsgarant Roland Vrabec, an dessen Beförderung nun niemand mehr zweifelt.

Der nach der Beurlaubung von Michael Frontzeck als Übergangslösung eingesetzte Coach ist längst mehr als nur ein Platzhalter. Dem gebürtigen Frankfurter winkt in der Winterpause mit großer Wahrscheinlichkeit die Festanstellung. Damit würde für den 39-Jährigen eine Art Märchen wahr werden: Vor 13 Jahren hatte Vrabec seine aktive Karriere bei Croatia Frankfurt in der Oberliga Hessen beendet, weil „ich keine Lust mehr hatte“, wie er damals sagte. „Als Spieler hatte ich nie den Ehrgeiz, unbedingt Profi werden zu wollen.“

Als Trainer ist das offenbar anders: Vrabec, der am Millerntor keine längeren Einzelinterviews geben will, so lange er Interimscoach ist, wird als teamorientiert und kommunikativ beschrieben. Seine Art und sein Auftreten sind mit unaufgeregt gut gekennzeichnet. Und vor allem: Er liefert positive Ergebnisse am laufenden Band ab. Seit der Entlassung Frontzecks haben die Hamburger vier von fünf Partien gewonnen – und alle Siege ohne Gegentor errungen.

„Er hat schon sehr, sehr viele Argumente, dass es so weitergeht“, sagte Paulis Sportdirektor Rachid Azzouzi nach der Partie in München. „Ich weiß auch, welchen Anteil Roland und das Trainerteam am derzeitigen Erfolg haben.“ Laut Vrabec habe es zwar noch keine Gespräche gegeben, doch der „No-Name-Trainer“ („Hamburger Morgenpost“) hat sich einen Namen gemacht. „Wir haben einen Zeitplan, der für alle okay ist. Wir werden das nach dem Spiel gegen den Karlsruher SC entscheiden“, sagte Azzouzi. Vrabec ergänzte mit Gelassenheit: „Wir werden uns schon irgendwann hinsetzen“.

Kluger Taktiker

Vrabec studierte am Institut für Psychologie und Sportwissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt, wo auch Jürgen Klopp seine Wurzeln hat. Kaum verwunderlich, dass Klopp dann Vrabec einst zum Nachwuchs des FSV Mainz 05 lotste. Später arbeitete er beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Juniorenbereich mit Christian Ziege und Horst Hrubesch.

Er wäre zum einen die kostengünstigste Lösung für den klammen Kiez-Klub, bei dem Frontzeck noch bis Sommer 2014 auf der Gehaltsliste steht. Zum anderen überzeugte er als kluger Taktiker, der auch mit der ein oder anderen kleinen Umstellung im Team die personellen Ressourcen gewinnbringend nutzte. Mit dem souveränen Sieg bei den zuvor bärenstarken „Löwen“, den Christopher Nöthe (43.) und der in den Sturm beorderte Fin Bartels (81.) mit feinen Toren herausschossen, lieferte Vrabec nun der Vereinsspitze und Sportchef das nächste Argument zum Vollzug. „Ein besseres Bewerbungsschreiben kannst du als Trainer nicht abliefern“, sagte der Ex-Fürther Nöthe.

Die Spieler haben viel Freude an der neuen Spielweise. „Wir zeigen guten, offensiven Fußball. Jeder kämpft für den anderen, das macht einfach nur Spaß“, fügte Nöthe noch an. Auch Azzouzi lobte: „Wir sind sehr zufrieden wie die Mannschaft auftritt. Wir spielen mutig, offensiv, wir trauen uns etwas zu – das ist sehr positiv“.

Rang drei ist beim FC St. Pauli dennoch nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme. „Ich wäre ja blöd, wenn ich nicht auf die Tabelle schauen würde“, sagte Azzouzi. Aber wichtiger sei, dass man Punkte hole. „Das Ziel bleibt das obere Drittel. Wir drehen jetzt nicht durch“. Vor allem der Interimstrainer nicht. „Ich bin froh, dass es geklappt hat, weiter Anschluss nach oben zu schaffen.“ (dpa/sid/hel)

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