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FC Bayern Rekordtransfer Javier Martinez - der Unbekannte

Der 40-Millionen-Euro-Spanier Martínez verstärkt nach dem Medizincheck den Kader des FC Bayern. Vorerst bleibt es allerdings bei einem Kurzbesuch in der Münchner Metropole.

30.08.2012 18:54
Maik Rosner
Ein schnelles Interview am Flughafen: Javier Martinez. Foto: dapd

Am Mittwoch konnte Trainer Jupp Heynckes gleich mehrere neue Gesichter an der Säbener Straße begrüßen. Zwei öffentliche Einheiten waren für die Profis des FC Bayern angesetzt, um 10 und um 16 Uhr. Und da noch die Ferienzeit läuft, waren wieder zahlreiche Schulkinder mit ihren Eltern angereist, um einmal die berühmten Kicker aus der Nähe zu erleben. Häufig tummeln sich zu solchen Anlässen mehrere tausend Menschen auf dem Vereinsgelände, nicht selten kommen sie von weit her. Manchmal müssen die Eltern die Sprösslinge über die Namen der nicht so prominenten Fußballer aufklären.

40 Millionen Euro per Scheck

Nach jenem Spieler, auf den sie seit Wochen beim FC Bayern warten, hielten die Zuschauer aber vergebens Ausschau. In einer Nacht-ohne-Nebel-Aktion war Javier Martínez aus Bilbao angereist, im Privatjet und zur medizinischen Untersuchung. Um kurz vor vier Uhr am Mittwochmorgen kam der defensive Mittelfeldspieler nach dreieinhalb Stunden aus dem Hinterausgang der Praxis von Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, er habe, so hieß es, ein „todo bien“, alles gut, zum Besten gegeben, und sei müde, aber vergnügt davon gebraust – nach Spanien, um beim Ligaverband den Vertrag mit Athletic aufzulösen. Wie mehrere spanische Medien übereinstimmend berichten, hinterlegte der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler am Mittwoch um kurz nach 15 Uhr im Beisein seines Beraters und eines Vertreters des FC Bayern bei der Liga einen Scheck in Höhe von 40 Millionen Euro.

Der Transfer des teuersten Profis in der Bundesliga-Geschichte, trotz seines angeblichen Verzichts auf einen Teil seiner jährlichen Millionengage, ist nach wochenlangem Gezerre seit gestern Nachmittag perfekt. Das gab der Rekordmeister in einer Mitteilung bekannt.

Daran änderte auch der Umstand nichts mehr, dass Martínez’ Kurzbesuch unerlaubt erfolgt ist. Weil er zudem das Training der Basken am Mittwochgeschwänzt hatte, kündigte der Verein Konsequenzen an. Trotzdem wird Martínez schon am Donnerstag wieder in München erwartet, der Vertrag bis 2017 jedenfalls soll bereits unterschriftsreif in der Schublade liegen – Martínez könnte sich schon am Sonntag im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart den Fans vorstellen.

Preis fernab des Marktwerts

Es passt zu diesem komplizierten Transfer, der längst Züge einer Seifenoper trägt, dass auch die letzten Akte ziemlich krude daherkamen. Vieles ist bereits zu vernehmen gewesen über den spanischen Nationalspieler, Einlassungen diverser Experten genauso wie Verweise auf seinen Nebenjob als Unterwäschemodel. Den spannendsten Fragen aber kann man sich nun wohl endlich zuwenden: wie dieser sagenumwobene Edelkicker eigentlich spielt, wie er sich unter der Last der Erwartungen einfindet und warum der Klub bereit ist, für ihn einen Preis fernab des Marktwerts zu zahlen. „Ich gebe ehrlich zu, ich kenne den Spieler nicht, habe ihn noch nie spielen gesehen. Aber ich gehe davon aus, wenn Bayern bereit ist, 40 Millionen zu zahlen, ist er ein Topspieler“, hat Toni Kroos dazu beigetragen. Und, auch da sei er „ganz ehrlich, einen Topspieler habe ich immer gern in meiner Mannschaft“.

Was dieser geheimnisvolle Señor X für den Rest des Kaders bedeutet, bleibt eine spannende Frage. Das gilt vor allem für die auch im defensiven Mittelfeld beheimateten Bastian Schweinsteiger, Luiz Gustavo und Anatoli Timoschtschuk. Letzterer, wird gemunkelt, könnte kurzfristig zu einem neuen Klub fliehen.

Es wird eng im Kader

Auch Kroos war zuletzt vorrangig im defensiven Mittelfeld eingesetzt worden. Vorsichtshalber hat er bereits an weitere Qualitäten erinnert. „Letztes Jahr war ich meist auf der Zehn, was auch jetzt wieder möglich ist“, sagte Kroos. Auch für Thomas Müller und Zugang Xherdan Shaqiri dürfte es durch Martínez enger werden.

Es könnte sich lohnen, nächste Woche wieder beim öffentlichen Training an der Säbener Straße vorbeizuschauen. Kommt der Transfer zustande, könnten die Besucher dann nicht nur den geheimnisvollen Señor X kennenlernen. Sie könnten sich gleich ein Bild machen, wie ehrlich die Freude der Konkurrenz über seine Ankunft ist. Bei Tageslicht.

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