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FC Bayern München DFB-Pokal Guardiolas Kaiserslautern-Trauma

Als Spieler erlebte der heutige Bayern-Trainer Pep Guardiola vor 23 Jahren, was Kampf und Leidenschaft bedeuten – es nahm ihn für den deutschen Fußball ein.

15.04.2014 19:00
Ronald Reng
Kaiserslautern ist ein Grund, warum Pep Guardiola heute als Trainer in Deutschland arbeitet. Foto: dpa

Eines der ersten deutschen Wörter, die sich Pep Guardiola merkte, war „Kaiserslautern“. Vor 23 Jahren gastierte er als schlaksiger Mittelfeldspieler mit dem FC Barcelona in der zweiten Runde der Champions League in einer deutschen Stadt, deren Namen er zunächst für unaussprechlich und nach der Partie für unvergesslich hielt. „Wenn Deutsche gedemütigt wurden, hält sie nichts mehr auf“, erinnerte er sich später einmal an jene Novembernacht 1991: „Ich weiß das. Ich war in Kaiserslautern. Damit bin ich genug bedient.“

Nach einem 2:0-Sieg im Hinspiel, lag Barca damals vor 23 Jahren nach 76 Minuten 0:3 in Kaiserslautern zurück. Furcht und Bewunderung bemächtigten sich Guardiolas: Dieser Gegner schien furios, enthemmt, mit jedem einzelnen der 30 000 Zuschauer anzurennen. Ein Tor von José Mari Bakero in letzter Minute rettete Barca – am Ende der Saison gewann der Klub erstmals die Champions League.

Seitdem symbolisiert „Kaiserslautern“ den Klubmythos, der besagt, dass Barça immer erst unendlich leiden muss, bevor es etwas gewinnt. „Kaiserslautern! Kaiserslautern! Kaiserslautern!“, schrie der katalanische Reporter des Radiosenders RAC1, als Barca, dann schon unter Trainer Pep Guardiola, 2009 gegen Chelsea wieder durch ein Tor in letzter Sekunde in ein Champions-League-Finale einzog.

An diesem Mittwochabend (20.30 Uhr, live in der ARD) begegnet Guardiola im Halbfinale des DFB-Pokals mit Bayern München seinem Kaiserslautern zum ersten Mal wieder. Es ist ein anderer Klub geworden, ein Zweitligist, Tabellenvierter mit vagen Aufstiegshoffnungen. Aber quasi pünktlich für Guardiola zeigte die Pfälzer Elf wieder etwas vom alten Geist des enthemmten Anrennens.

"Wo soll ich nach Barca noch hin?"

Kaiserslautern ist ein Grund, warum Pep Guardiola heute als Trainer in Deutschland arbeitet. Tief im Unterbewusstsein formen sich Menschen ihr Bild eines fremden Landes aufgrund einiger weniger Erfahrungen, und jene Nacht auf dem Betzenberg, als der 1. FC Kaiserslautern mit solch einem Glauben anrannte, half mit, Guardiolas positives Bild vom deutschen Fußball zu prägen. „Wo soll ich nach Barça noch hin?“, fragte er sich bereits 2011, zwei Jahre vor seinem Wechsel zu den Bayern, und nannte als erste Option Deutschland: „Mir gefällt die Bundesliga wegen des Landes, wegen der Stimmung in den Stadien.“

Er wird nicht wissen, dass für den Mann auf der anderen Seite, für den Kaiserslauterer Trainer Kosta Runjaic, Barcelona das ist, was für Guardiola Kaiserslautern ist: ein spezieller Ort, mit dem die eigene Karriere eng verbunden ist. Runjaic war ein Bezirksligatrainer in Rüsselsheim, Immobilienmakler von Beruf, als er versuchte, wider alle gewöhnlichen Karrierewege Profitrainer zu werden. Ein Freund vermittelte ihm im Herbst 2003 eine zweiwöchige Trainingsbeobachtung beim legendären FC Barcelona. Es war einer der ersten Momente, als Runjaic zumindest eine Art Nähe zur großen Fußballwelt spürte; ein Moment, der ihm half, die sieben Jahre durchzustehen, bis er 2010 in Darmstadt erstmals Cheftrainer im Profibereich wurde.

Der Freund vermittelte ihm auch einen einseitigen Gastbeitrag in Barcelonas einflussreicher Sportzeitung „El Mundo Deportivo“. Dort analysierte Kosta Runjaic aus Rüsselsheim die Arbeit von Barças damaligen Trainer Frank Rijkaard präziser, als dies Rijkaard wohl selbst gekonnt hätte. Runjaic war schon damals ein Trainertalent. Bloß wussten es nur drei oder vier Leute.

Wenn sich Guardiola, der als Trainer immer nur ganz oben war, und Runjaic, der sich aus den Tiefen des Amateursports hochgearbeitet hat, am Mittwochabend auf einer Ebene treffen, wird es ein sehr ungleiches Duell sein. Originelle Ideen wird sich Runjaic gegen die Münchner Weltklasseelf nicht erlauben können: Laufen, den Raum versperren, mehr laufen und dann furios, enthemmt in die Zweikämpfe gehen, wird die Grundidee sein. Pep Guardiola soll sich wenigstens erinnern, was das Wort „Kaiserslautern“ bedeutet.

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