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Europa League Mehr als nur Alpenderby

In der Europa League trifft heute der FC Basel auf RB Salzburg. Beide Klubs bestimmen das Geschehen in ihrer jeweiligen Liga klar.

13.03.2014 07:51
Planer des Salzburger Erfolgs: Sportdirektor Rangnick. Foto: imago

So ein bisschen Folklore kann bei einem derartigen Fußballspiel nicht schaden. Also setzen die PR-Strategen des österreichischen Getränkegiganten Red Bull heute am Bahnhof Salzburg-Europapark einen speziellen Sonderzug mit einer gebrandeten Lok auf die Schienen, um 400 Anhänger nach Basel zu bringen. Dort im St. Jakob-Park steigt ein Europa-League-Achtelfinale, das es in dieser Konstellation noch nicht gegeben hat: Der Schweizer Serienmeister FC Basel erwartet um 19 Uhr den österreichischen Branchenführer RB Salzburg.
Die einen sind ihrer Super League so weit entrückt, dass sie nur noch Opfer ihres eigenen Erfolgs werden können, die anderen haben in der heimischen Bundesliga 25 Punkte zwischen sich und die Konkurrenz gelegt. „Beide Klubs bestimmen das Geschehen in einer sehr kleinen Liga“ sagt Ralf Rangnick, der für die Fußball-Standorte Salzburg und Leipzig zuständige Sportdirektor. Der 55-Jährige spricht jetzt vom „Alpenderby“, in dem es wegen der Uefa-Fünfjahreswertung um viel gehe. „Wenn wir gegen Basel weiterkommen, kann Österreich die Schweiz überholen und der österreichische Meister könnte sich im übernächsten Jahr direkt für die Champions League qualifizieren“, rechnet Rangnick vor. „Das wäre natürlich ein Meilenstein.“
Basel sei das beste Beispiel, nicht nur national zu dominieren, sondern auch international zu reüssieren. „Ich bewundere die dortige Arbeit“, lobt der zwischen seinem Heimatort Backnang, Leipzig und Salzburg pendelnde Rangnick in Richtung der in den letzten sechs Jahren mit drei Champions-League-Teilnahmen verwöhnten Eidgenossen, die zudem im Vorjahr das Halbfinale der Europa League erreichten. Die Mozartstadt scheiterte hingegen selbst mit renommierten Fußballlehrern wie Giovanni Trapattoni oder Huub Stevens daran, die Champions-League-Qualifikation zu überstehen. Der Höhepunkt dieser Pleiten-Serie ereignete sich allerdings im Juli 2012, als F 91 Düdelingen aus Luxemburg die Bullen auf die Hörner nahm – schlechter hätte die Amtszeit des aus Paderborn verpflichten Trainers Roger Schmidt und des just aus der Schaffenspause befreiten Rangnick nicht beginnen können.

Fußball vom Reißbrett

Doch in dem Aus lag auch etwas Gutes: Schnell machte sich die sportliche Leitungsebene daran, die vielen Altstars durch willige, wenn auch nicht ganz billige Talente ersetzten. Die damals investierte Summe – geschätzte 17 Millionen Euro – hat sich mehr als amortisiert. „Dieser körperliche Fußball mit hoher läuferischer Leistung und deutlich mehr Geschwindigkeit lässt sich eben besser mit jüngeren Kräften spielen“, erzählt Rangnick und erklärt, dass Spieler wie Kevin Kampl oder Stefan Ilsanker mittlerweile hohe Marktwerte hätten. Das seitdem im Durchschnittsalter um vier Jahre verjüngte Salzburger Ensemble stürmte in dieser Saison durch die Europa-League-Gruppenphase und eliminierte in der Zwischenrunde Ajax Amsterdam gleich mit 3:0 und 3:1, wobei jene reißbrettartigen Schachzüge zur Anwendung kamen, die Rangnick ein Jahr zuvor bei einer Düsseldorfer Sportbusinessmesse als Ideal im Video vorgeführt hatte. „Ajax hatte trotz 60 Prozent Ballbesitz eigentlich nie eine Chance gegen uns“, urteilt der Projektleiter, der Salzburg dauerhaft in der Königsklasse verankern und dabei attraktive Unterhaltung bieten will.

Rangnick sieht Heimvorteil

Die Warnung ist bei Basels Trainer Murat Yakin angekommen. „Salzburg spielt bisher eine sehr überzeugende Saison, bei der das Pressing besonders zu beachten ist“, sagt der ehemalige Bundesligaspieler, der auf die Erfahrung von Akteuren wie dem ehemaligen Stuttgarter Marco Streller setzt. Rangnick hält mit dem Heimvorteil in einer Woche dagegen: „Was mich gegen Ajax noch mehr beeindruckt hat, war die besondere Atmosphäre im Stadion, die – wie ich mir habe sagen lassen – in Salzburg noch nie so gut war. Das geht nicht nur mit einem klaren Plan, sondern mit Teamspirit, Lust und Leidenschaft, der auch die Fans begeistert.“
Die These lässt sich zumindest damit unterfüttern, dass es keine fünf Stunden dauerten, da waren die knapp 30 000 Karten für das Rückspiel in der „Red Bull Arena“ weg. Im „Joggeli“ zu Basel dürften hingegen heute etliche Plätze frei bleiben: Der Hausherr rechnet lediglich mit 14 000 Besuchern – die Gäste vom Salzburger Sonderzug mitgerechnet.

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