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Ernährung Es geht um die Wurst

Die "Nationale Verzehrstudie" zeigt, wie Bildung und Geschlecht die Essgewohnheiten der Deutschen beeinflussen.

29.05.2008 00:05
MICHAEL BERGIUS
Grill-Meisterschaften in Riesa
Männer stehen öfter auf heiß und fettig. Foto: ddp

Berlin. Deutsche Männer essen mehr Fleisch und weniger Gemüse als Frauen. Wer überdies schon immer ahnte, dass Bildung und Geldbeutel eine wichtige Rolle beim Ernährungsverhalten der Bundesbürger spielen, bekommt jetzt dafür wissenschaftliche Belege: durch die Nationale Verzehrstudie (NVS), deren zweiten Teil das Max-Rubner-Institut am Donnerstag in Berlin präsentierte. Sie basiert auf Befragungen von 15 000 Testpersonen.

Nach den Erkenntnissen der Karlsruher Ernährungsexperten verzehren Männer doppelt so viel Fleisch und Wursterzeugnisse wie Frauen, nämlich täglich etwa 100 Gramm. Der Konsum variiert jedoch: Befragte aus der "Oberschicht" sind zurückhaltender und vertilgen im Durchschnitt rund 20 Prozent weniger Steak, Braten oder Mortadella als Angehörige der Unterschicht.

Bei den Frauen ergibt sich ein ähnliches Verhalten, wenn es um Obst und Gemüse geht. Generell speisen sie ohnehin mehr Grünzeug bzw. Rohkost, als es Männer tun. Frauen mit mehr Einkommen haben jedoch einen um zehn bis 20 Prozent höheren Verbrauch an Äpfeln, Birnen, Tomaten oder Kohl als weniger gut situierte Bürgerinnen. Auch bei den nichtalkoholischen Getränken lässt sich feststellen: Wasser - was als besonders gesund gilt - wird besonders von Wohlhabenden/Gebildeten getrunken. Ein Mann mit geringem Einkommen greift dagegen fast viermal so häufig zur Limo wie ein Besserverdiener - und konsumiert pro Tag auch 0,3 Liter mehr Bier.

Die Vitaminzufuhr der Deutschen lässt zu wünschen übrig. Obwohl ganzjährig ein breites Sortiment an Obst und Gemüse zur Verfügung steht, bleiben immer noch 59 Prozent aller Bundesbürger unter der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Richtmenge von 250 Gramm pro Tag.

Das meiste Obst essen die Befragten übrigens nicht etwa im Sommer, sondern zwischen November und Januar. 27 Prozent gaben an, ihre Mineralstoff- oder Vitaminzufuhr durch diverse Ergänzungspräparate aufzustocken.

Gibt es noch Unterschiede zwischen Ost und West? In den neuen Ländern wird mehr Brot und Wurst gegessen als in den alten - und damit auch mehr Butter oder Margarine. Spitzenreiter beim Verzehr von Streichfetten ist bei den Frauen Brandenburg (mit 31 Gramm pro Tag), bei den Männern Mecklenburg-Vorpommern (52 Gramm).Wo wird das meiste Bier getrunken? Bei Männern in Sachsen (385 Gramm täglich), bei Frauen - auf deutlich niedrigerem Niveau - in Thüringen. Beim Wein-Genuss liegt dagegen der Westen vorn (Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bei den Männern). Bei den Frauen führt das Saarland vor - wer hätte es gedacht: Bremen. Wein und Sekt seien jedoch weiterhin "elitäre Getränke", betont die Studie. Und: bei "härteren" Drinks hängen Männer mit einem drei- bis sechsfachen Verbrauch Frauen deutlich ab.

Ende Januar hatte der erste Teil der Verzehrstudie bereits zahlreiche Geheimnisse gelüftet: Etwa jede(r) fünfte Deutsche ist zu dick, wobei Jugendliche und über 60-Jährige heute mehr auf die Waage bringen als noch vor zehn Jahren. In Stadtstaaten wie Hamburg und Bremen wird mehr auf die Linie geachtet als in Thüringen, Sachsen und im Saarland. Je höher der Bildungsstand, desto kleiner der Bauch; Singles achten mehr auf ihre Linie als Liierte, und nicht nur Gutverdiener, sondern auch weniger Betuchte kaufen Bio-Produkte.

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