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EM im ZDF Langeweile mit Bela Rethy

Eine Stunde kann lang werden, so ganz allein mit Bela Rethy. Bei der Regenunterbrechung des Spiels Ukraine - Frankreich zeigt Chef-Fußball-Live-Reporter des ZDF sich von seiner humorfreien Seite. Auch das ZDF-Team auf Usedom enttäuscht.

15.06.2012 21:16
Von Christoph Albrecht-Heider
Bela Rethy (l-r), Katrin Müller-Hohenstein, Oliver Kahn: Nicht eine Minute sendefähiges Material. Foto: dpa

Blitze zerschneiden die Nacht über dem Stadion von Donezk. Aus dem Himmel fällt Wasser wie aus Eimern. Der Ball ruht, die vorderen Tribünenreihen lichten sich. Nur das Wetter passiert, sonst nichts. Ukraine gegen Frankreich ist fürs Erste gestrichen.

Béla Réthy und Martin Schneider sitzen tapfer unter durchsichtigen Capes auf ihren durchnässten Kommentatorenplätzen. Sie fliehen nicht, sie müssen da durch. Réthy ist nicht allein, wenn er überträgt, das lernen wir im Wolkenbruch.

Wir sind bescheiden

Er hat einen Assistenten, das „dritte und vierte Auge für taktische Dinge“ (Réthy). Martin Schneider, er ist das dritte und vierte Auge, liefert auch Stichworte über „Land und Leute“. Weder das eine noch das andere ist jetzt gefragt, sondern nur Plauderei mit ein wenig Sinn für skurrile Situationen. Nur ein wenig, wir sind bescheiden.

Für einen Fernsehmann, dessen ganzes Berufsleben durch ein 90-Minuten-Format definiert ist, kann der Eintritt des Unerwarteten der Horror sein. Improvisation ist nicht jedermanns Sache. Günter Jauch und Marcel Reif haben sich mal einen Fernseh-Preis zusammengequatscht, als sie beim Champions-League-Halbfinale 1998 zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund 78 Minuten ohne Ball auskommen mussten. Ein Tor hatte den Geist aufgegeben.

Jauch und Reif haben aus nichts viel gemacht. Wenn die Angaben stimmen, lag die Quote in der Zeit der Leere damals doppelt so hoch wie im Spiel.

Humorfrei und wenig überraschend

Man hat schon immer vermutet, dass Réthy, der Chef-Fußball-Live-Reporter des ZDF, relativ humorfrei ist. Er klammert sich an die Bilder, die wir alle sehen. Den Rest, das wissen wir jetzt, steuert ungehört Schneider bei.

Réthys nüchternen Sätzen fehlt alles Überraschende, Schräge, alles Unterhaltsame. Das ist bei diesem Sender insofern frappierend, weil doch das ZDF die Unterhaltung im Sport so betont. Sportstudio mit Zuschauern! Und Torwand! EM-Studio am Strand! Lauter Brüller.

Was kommt Réthy in den Kopf, während die Pfützen auf dem Rasen wachsen? Der Zettel mit seinen Aufzeichnungen ist nass, da kann er jetzt für die genaue Zahl der Länderspiele der Spieler keine Gewähr mehr übernehmen. Noch was? Michel Platini verlässt die Tribüne, Réthy vermutet einen Abgang in die Loge, vielleicht zu Champagner? Es klingt nach Neid.

Wahrscheinlich hat Réthy jetzt ein Regentrauma

Wenigstens ein paar Brocken aus dem Kalauerkurs für Anfänger? „Blitztabelle“, sagt Réthy einmal. Mehr ist nicht.

Kurze Schalte nach Usedom. Auch dort nur Bedenkenträger am denkwürdigen Abend. Schiri-Experte Urs Meier referiert Uefa-Regeln für den Ausnahmezustand. Oliver Kahn denkt an die Muskeln und macht sich Gedanken übers Warmmachen der Spieler nach dem Guss. Katrin Müller-Hohenstein denkt ganzheitlich und sagt: „Das andere ist der Kopf.“

In Donezk sind jetzt die Muskeln warm, die Köpfe noch dran. Es kann losgehen mit Ukraine gegen Frankreich. Der Ball rollt, Réthy ist erleichtert. Endlich wieder Fußball. Er streut sogar später Länderspielstatistik ein. Vielleicht sind die Zettel wieder trocken. Oder Schneider kann die Zahlen auswendig. Kein Wort mehr zum Wetter. Wahrscheinlich hat Réthy jetzt ein Regentrauma.

In der Pause fliegen wir wieder von Donezk nach Usedom. Jetzt greift das ZDF tief in die vorbereitete Unterhaltungskiste. Es spielen fünf – Müller-Hohenstein kann es kaum fassen und zeigt es mit den Fingern: fünf! - Musiker aus Ibbenbüren.

Der Wettergott hat ein Einsehen

Eine gute Stunde hat das ZDF-Team Zeit gehabt, aus einer ungewöhnlichen Situation eine ungewöhnliche Sendung zu machen, Überbrückungsfernsehen sozusagen. Nicht eine Minute sendefähiges Material ist dabei rausgekommen.

Eine Stunde kann lang werden, so ganz allein mit Béla Réthy. Der Wettergott hat ein Einsehen gehabt und den Regen abgestellt.

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