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EM im TV ARD Mehr Mehmet!

Mehmet Scholl bringt frischen Wind ins TV. Der EM-Experte der ARD pariert nicht nur locker Beckmanns Floskeln, sondern gibt auch mal den Spielverderber. Im Kampf gegen die Multischauerei gebührt Scholl damit eine entscheidende Rolle.

10.06.2012 17:47
Von Sarah Mühlberger
Mehmet Scholl (l) und Moderator Reinhold Beckmann. Foto: dpa

Es hilft ja nichts, die Sache totzuschweigen. Genaue Zahlen liegen nicht vor, aber eines ist klar: es werden immer mehr. Immer mehr Zuschauer nutzen mehrere Bildschirme, wenn sie Fußballspiele verfolgen. Ob zu Hause oder beim Public Viewing, diese Menschen verlassen den Uefa-genehmigten, sicheren Bildausschnitt und nutzen parallel ihr Smartphone oder ihren Computer. Die sogenannten Multischauer suchen nach Informationen, lesen und schreiben Tweets zum Spiel oder, und das ist der wirkliche Skandal, vertreiben sich einfach die Zeit. Während Fußball läuft!

Auch am Samstagabend – ja, als Deutschland spielte – sollen sich wieder unzählige Zuschauer auf Parallelplattformen vergnügt haben.

Modetipps von Welterklärer Becker

Zugegeben: ihr frevelhaftes Benehmen ist auch dem zähen Spielverlauf anzulasten, der den Multischauern zu viel Zeit zum Nachdenken ließ. Etwa über das eigentümliche EM-Logo, mit dem auch „die Tier- und Pflanzenwelt der Region gewürdigt werden soll“, wie die Uefa 2009 offiziell erklärte.

Oder über die Genauigkeit des Begriffs „Nachmittagsspiel“, wenn wegen der Zeitverschiebung in der Ukraine erst um 19 Uhr Ortszeit Anpfiff ist. Oder über die Modetipps von Welterklärer und Twitterprofi Boris Becker: „Scholli ist 1Traumtyp aber bitte OHNE Pulli .....mindestens Sakko!?“

All diese Gedanken sind bei einem wichtigen Fußballspiel natürlich völlig fehl am Platz, das wissen auch die Multischauer, sie sind ja selbst nicht glücklich mit ihrem Verhalten. Aber das Spiel gegen Portugal machte ihnen das Dranbleiben schwer. „Mein Gott, das war ein bisschen kalorienarm“, beschwerte sich Reinhold Beckmann zur Halbzeit, „davon kann man bislang nicht satt werden.“

Eben!, riefen die Multischauer und fühlten sich bestätigt. Auch in der zweiten Hälfte schoss ihr Anteil am Gesamtpublikum weiter in die Höhe – bis zur 73. Spielminute. „Genau zum richtigen Zeitpunkt!“, bejubelte Gerd Gottlob das Tor von Gomez. Viele Multischauer mutierten in diesem Moment normalen zu Zuschauern zurück.

Bitte einmal den Gomez wenden!

Sie blieben es auch lange über die Spielzeit hinaus, und das war einmal mehr das Verdienst von Mehmet Scholl. Ob er Beckmanns Floskeln pariert, in die Gomez-Dankbarkeit hinein den Spielverderber gibt oder einfach ungerührt geradeaus blickt: der ARD-Experte kann sich der Aufmerksamkeit der Zuschauer sicher sein. Natürlich polarisiert einer wie er. „Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss“, formulierte Scholl seine Kritik an Gomez.

Das war einigen zu hart, das Protokoll sieht nach einem Sieg der deutschen Mannschaft Jubel vor, mindestens für den Torschützen. Andere lieben Scholl genau für seine Andersartigkeit.

Und weil es dem Fernsehen nur noch selten gelingt, seine Zuschauer zu bannen und weil selbst der Fußball seine schwachen Momente hat, gebührt Mehmet Scholl im Kampf gegen die Multischauerei die entscheidende Rolle: Mehmet statt Multi!

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