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EM Gruppe D Ergebnisse Frankreich setzt auf Cabaye

Wie sein Vorbild Xavi stellt er die Weichen für den Torerfolg. Doch das ist es nicht allein, was Yohan Cabaye bei den Franzosen zur Symbolfigur macht.

Box-to-Box-Spieler: Yohan Cabaye. Foto: Getty

Demba Ba, der ehemalige Hoffenheimer Stürmer, hat 16 Tore für Newcastle United in der abgelaufenen Premier-League-Saison geschossen, Papiss Demba Cissé, der ehemalige Freiburger, traf 13-mal in einer halben Saison, seit er im Januar in den Norden Englands umzog. Sollte sich jemand fragen, wie so etwas möglich war, abgesehen davon, dass beide exzeptionelle Stürmer sind, gibt es eine einfache Antwort: Yohan Cabaye.

Der Franzose ist das, was die Engländer einen „Box-to-Box-Player“ nennen. Einer, der aus dem defensiven Mittelfeld heraus das Spiel nach vorne trägt, in der gegnerischen Hälfte die wichtigen Pässe spielt und bei Bedarf auch gern im gegnerischen Strafraum auftaucht und dort selbst Tore schießt.

So wie er es beim 2:0 der Franzosen gegen die Ukraine am vergangenen Freitag praktizierte, als er resolut den zweiten Treffer für die Équipe Tricolore erzielte. Ähnliches erhofft sich Frankreichs Trainer Laurent Blanc von dem 26-Jährigen auch heute beim Match gegen Schweden, wenn den Franzosen ein Remis zum Erreichen des Viertelfinales genügt.

Cabaye, der vietnamesische Vorfahren großmütterlicherseits hat, war im vergangenen Sommer nach Newcastle gekommen, nachdem er maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass der OSC Lille, der ihn ungern ziehen ließ, sensationell französischer Meister und Pokalsieger geworden war. Die Zeit für ihn sei nun reif, sich auf höchster Ebene durchzusetzen, sagte er, und die Entscheidung trug Früchte.

Cabaye gehört nicht zur "Generation '87"

In Newcastle war er sofort ein wichtiger Baustein einer guten Saison mit einem fünften Platz am Ende. Sein Anteil am Offensivvortrag war jedenfalls größer, als es seine vier Tore und sechs Vorlagen ahnen lassen. Sehr häufig ist Cabaye derjenige Spieler, der den drittletzten Pass liefert, der eigentlich genauso in die Statistik einfließen sollte wie beim Eishockey. Oft ist es genau dieser Ball, der die Weichen für den Torerfolg stellt.

Cabaye wurde wie die meisten Nationalspieler in der berühmten Sportakademie von Clairefontaine ausgebildet, und er durchlief die französischen Jugendmannschaften. Mit der U18 wurde er 2005 Europameister, wobei er im Halbfinale das entscheidende Tor zum 3:2 gegen Deutschland schoss. Kurioserweise ist er ein Jahr älter als die gefeierte „Generation 1987“ der Franzosen mit Samir Nasri, Karim Benzema, Hatem Ben Arfa und Jérémy Ménez. Ins Nationalteam kam er jedoch, ähnlich wie Ménez, der andere Torschütze gegen die Ukraine, erst viel später als die drei Protagonisten der 87er, die bei Blancs Vorgänger Raymond Domenech aber auch nur Randfiguren blieben.

Blanc berief ihn gleich nach der desaströsen WM 2010 in Südafrika in das Team, Domenechs letzter Amtshandlung, von der letztlich nur acht Akteure übrig geblieben sind. Damit ist Cabaye eines der wichtigsten Gesichter des Umbruchs und eines der 14 Greenhorns, was große Turniere angeht. Cabayes Vorbild ist der Spanier Xavi. „Er sieht voraus, was kommt, und spielt die Pässe aus den kompliziertesten Winkeln“, schwärmt der Franzose und berichtet, Blanc beklage öfter, dass man keinen Xavi im Team habe. „Damit hat er recht“, sagt Cabaye, lässt aber keinen Zweifel, dass er emsig daran arbeitet, diese Lücke zu füllen.

Ähnlich wie Joachim Löw schwebt Blanc ein Spiel mit schnellen, kurzen Pässen und raschen Vorstößen in die Tiefe nach spanischem Vorbild vor. Und wie der Bundestrainer hat er die geeigneten Spieler dafür. „Wir lieben es, den Ball zu haben“, sagte Cabaye in Donezk, „und der Trainer liebt es auch.“

In Frankreich steigen die Erwartungen

Die ungute Serie von acht sieglosen Spielen in sechs Jahren bei großen Turnieren, die mit dem verlorenen WM-Finale 2006 begann, haben die Franzosen gegen die Ukraine endlich beendet. Nun können sie ihr Augenmerk darauf richten, eine andere Serie fortzusetzen, die sich weit angenehmer anfühlt. Seit 23 Partien sind sie ungeschlagen, nachdem die Ära Blanc noch mit einem 1:2 in Norwegen begonnen hatte.

War Südafrika der endgültige Untergang einer Mannschaft, die 1998 mit dem Titelgewinn bei der WM im eigenen Land die Bühne betreten hatte und danach ein Jahrzehnt lang Europas Fußball auf Nationalmannschaftsebene, aber auch im Klubfußball prägte, so könnte die Turnier in Polen und in der Ukraine die Geburt eines Teams sein, das seine Zukunft noch vor sich hat. Im Moment sind die Erwartungen in der Heimat und beim Team nach dem Sieg gegen die Ukraine zwar gestiegen, aber noch überschaubar. „Es ist angenehm, ein Turnier zu bestreiten, bei dem man nicht zu den Favoriten zählt“, findet jedenfalls Cabaye. Eine Situation, die er so ähnlich aus Lille und aus Newcastle bestens kennt.

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