Lade Inhalte...

Eiskunstlauf Zwischen Eis und Erdkunde

Bei den Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Zagreb will Nathalie Weinzierl in Kurzprogramm und Kür endlich mal fehlerlos bleiben.

25.01.2013 17:38
Ninja Priesterjahn
Nathalie Weinzierl - ambitioniert. Foto: dpa

Nathalie Weinzierl hat gerade ihre letzte schriftliche Abiturprüfung abgelegt, in Biologie. Für jeden Teenager wäre das ein Grund zum Feiern, ein Meilenstein, der geschafft ist. Doch die 18-jährige Eiskunstläuferin vom Mannheimer ERC hat für Festivitäten keine Zeit. Auf sie wartet schon die nächste Herausforderung: Von heute an vertritt Weinzierl Deutschland bei der Eiskunstlauf-Europameisterschaft in Zagreb, Kroatien. Sie ist gedanklich schon beim Wettkampfprogramm. (Freitag 10.45 Uhr Kurzprogramm, Sonnabend 18 Uhr Kür).

Wären die Prüfungen eine Woche später gewesen, hätte die Schülerin nicht an der EM teilnehmen können. Denn, auch wenn die Lehrer seit Jahren Rücksicht auf ihre Wettkampftermine nehmen, die Abiturprüfungen hätten ihretwegen nicht verschoben werden können. Ansonsten ordnet die ehemalige Skirennfahrerin, die seit ihrem sechsten Lebensjahr den Großteil ihrer Zeit auf zwei Kufen verbringt, ihre schulischen Aktivitäten komplett dem Eiskunstlaufen unter. Selbst ihre Leistungskurse Mathe, Englisch und Biologie wählte Weinzierl mit Kalkül. „Ich habe geschaut, in welcher Kombination ich möglichst wenig Stunden habe.“ Die braucht sie für ihr Training, vier bis fünf sind es pro Tag. Auch bei der mündlichen Prüfung setzt Weinzierl auf Effizienz: „Ich kann mich zwischen Erdkunde und Geschichte entscheiden. Ich glaube, ich nehme Erdkunde, da muss ich weniger auswendig lernen.“

"Nathalie hat jetzt ein höheres Niveau"

Keine schlechte Idee, denn fast zeitgleich zu ihrer mündlichen Abiturprüfung findet die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in London, Ontario statt (10. bis 17. März). Ob Weinzierl dort ebenfalls an den Start gehen darf, hängt jedoch von ihrer Platzierung bei der EM ab. Schafft sie es unter die ersten zehn, darf sie laut Entscheidung der Deutschen Eiskunstlauf-Union an der WM teilnehmen. Gelingt es ihr nicht, fährt ihre Mannheimer Trainingspartnerin Sarah Hecken. „Ich hoffe, dass ich auch zur WM kann“, sagt Weinzierl. Ein zehnter Platz ist allerdings sehr ambitioniert, im letzten Jahr kam die Abiturientin auf den 22. Rang. Sie startete aber auch unvorbereitet, da Sarah Hecken kurzfristig verletzt ausfiel. „Ich habe mich aber sehr verbessert“, sagt die ehrgeizige Sportlerin. „Nathalie hat jetzt ein höheres Niveau“, findet auch ihr Trainer Peter Sczypa. Seit einem Jahr trainiert Weinzierl gemeinsam mit Hecken bei dem ehemaligen Paarläufer, der schon Claudia Leistner an die Weltspitze führte, die 1989 Europameisterin war.

„Die Intensität der Programme ist bei ihm höher als bei meinen vorherigen Trainern“, findet Weinzierl. Dadurch bekomme sie die nötige Sicherheit für den Wettkampf. Dennoch: „Es wäre mir für diese Saison lieber, wenn Sarah zur WM fährt und Nathalie zur Junioren-WM“, sagt der 65-jährige Sczypa. „Sarah ist routinierter und hat eine gute Position bei den Preisrichtern.“

Warum dann Hecken, 19, Deutschland nicht auch bei der EM vertritt, ist dem neuen Qualifikationssystem geschuldet. Es zählt nicht, wie in den Vorjahren, einzig der Sieg bei den Deutschen Meisterschaften, die Hecken mit zwei Punkten Vorsprung vor ihrer Trainingspartnerin für sich entschied, sondern die Punkte der zwei besten Wettbewerbe in der Saison, wobei mindestens ein internationaler Wettkampf eingerechnet werden muss. Da war Weinzierl besser, auch weil Hecken wegen ihrer Verletzung erst verspätet in die Saison gestartet war. Reibereien gibt es deshalb aber nicht zwischen den beiden. „Wir sind alt genug, um die sportliche Auseinandersetzung nicht persönlich zu nehmen“, sagt Weinzierl.

Sollte ihr der zehnte Platz gelingen, holt sie damit für die nächste Europameisterschaft einen zweiten Startplatz für Deutschland. Dann könnten beide Athletinnen antreten, „das wäre ja auch für unseren Trainer ein toller Erfolg“, findet sie. Zunächst will die Mannheimerin aber nicht an die Platzierung denken. „Vor allem würde ich mich freuen, „wenn es mir endlich mal gelingen würde, beide Programme ohne irgendeinen kleinen Fehler zu laufen“, sagt Nathalie Weinzierl. Das würde sie dann auch gebührend feiern.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum