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Eiskunstlauf Die Töchter Mannheims trumpfen auf

Bei der deutschen Meisterschaft im Eiskunstlauf zeigt der Generationswechsel im Frauenbereich Wirkung. Die erst 16-jährige Sarah Hecken verzaubert das Publikum und sichert sich ihren zweiten Titel. Von Doris Henkel

20.12.2009 00:12
Doris Henkel
Hat allen Grund zu strahlen: die deutsche Meisterin Sarah Hecken. Foto: getty

Es gab Eindrücke bei der Deutschen Meisterschaft der Eiskunstläufer in Mannheim, bei denen man sich nur verwundert die Augen reiben konnte. Ausverkauftes Haus in der Halle Süd der Mannheimer Arena und Menschen, die nach Hause geschickt werden mussten, weil der Platz nicht reichte; eine Eismaschine, die drei Versuche zur Präparierung der Fläche brauchte, begleitet von Beifall und Musik; eine junge Meisterin, die sich in der letzten Minute ihrer Kür wie beim Schaulaufen zum Klatschmarsch des Publikums dreht und dabei ansteckend entspannt und selbstbewusst wirkt.

Aber es war nicht nur Sarah Hecken, die dem Publikum beim Gewinn ihres zweiten Titels Freude machte; die Töchter Mannheims pusteten frischen Wind ins Prinzessinnenwesen des deutschen Eiskunstlaufs. In Abwesenheit von Titelverteidigerin Annette Dytrt, die auf den Start verzichtet hatte, standen Teenager auf dem Podium, die einen ganz anderen Typ Läuferin verkörpern als die in jeder Hinsicht fragile Vorgängerin: Sarah Hecken, 16 Jahre alt, Shira Willner, knapp 17, und Julia Pfrengle, 14, allesamt für den Mannheimer ERC laufend.

Und allesamt von zupackender Direktheit wie die kleine Pfrengle, die beim ersten Start in der Meisterklasse zur eigenen Überraschung und der ihrer nicht ganz unbekannten Eltern auf dem Podium landete; ziemlich stolz sahen die frühere Europameisterin und WM-Zweite Claudia Leistner und der ehemalige Paarlauf-Meister Stefan Pfrengle ihrer Tochter zu.

Sarah Hecken ist in der Entwicklung schon weiter - zwischen 14 und 16 entscheidet sich eine Menge im Eiskunstlauf. Mit Freude und Selbstverständlichkeit nahm sie die Herausforderung an, ihrem Mannheimer Publikum zu zeigen, dass sie die Beste im Lande ist.

Im internationalen Vergleich fehlt ihr noch eine größere Bandbreite bei den dreifachen Sprüngen und eine gewisse künstlerische Komponente, aber das weiß sie, und die realistische Einschätzung der eigenen Leistung gehört sicher zu ihren Stärken.

Trainer Peter Sczypa glaubt, Heckens Potenzial sei gut genug, um in zwei, drei Jahren zu den ersten Sechs der Welt zu gehören - was eine kühne Prognose des sonst eher bedächtigen Mannes ist. Aber dieser Winter bietet ein paar schöne Gelegenheiten, um das Terrain zu sichten, zunächst bei der Europameisterschaft in Tallinn Mitte Januar, dann bei den Olympischen Spielen in Vancouver und schließlich bei der Weltmeisterschaft in Turin Ende März.

In Vancouver werden auch die anderen Meister von Mannheim dabei sein: Maylin Hausch und Daniel Wende, die sich in Abwesenheit der Weltmeister Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy den Titel im Paarlauf sicherten, und die Eistänzer Christina und William Beier. Sie gewannen die Entscheidung gegen die Geschwister Carolina und Daniel Hermann klar, womit sich deren Protest gegen die ihrer Meinung nach unklar formulierten Nominierungskriterien der Deutschen Eislauf-Union für Olympia und die Entscheidung zugunsten der Konkurrenten erübrigt hat. Aber alle drei Paare - die Beiers, die Hermanns und Ziganschina/Gazsi, zeigten, dass sich im deutschen Eistanz unter der Leitung von Bundestrainer Martin Skotnicky einiges tut.

Die Meisterschaft erlebte befremdliche Momente, als der Eistänzer Sascha Rabe zum Originaltanz nicht antrat, weil sich DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf in der Halle aufhielt, der wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung am Rande eines Lehrgangs in einen Rechtsstreit mit dem Berliner Eistänzer verwickelt ist. Aber in Erinnerung wird vor allem die Art bleiben, wie der junge Peter Liebers mit der Niederlage im Kampf um den Titel und das Ticket zu den Olympischen Spielen gegen den Berliner Trainingskollegen Stefan Lindemann umging. Die Noten waren noch nicht erschienen, als er sich schon auf den Weg machte, um Lindemann zu gratulieren, und die Herzlichkeit, mit der er das tat, trieb nicht nur der gemeinsamen Trainerin Viola Striegler Tränen in die Augen. "Ich habe live miterlebt, wie Stefan schon abgeschrieben wurde", sagte Liebers, "und dass er jetzt als Meister hier steht, ist inspirierend für mich. Ich bin sehr froh, dass er zu uns nach Berlin gekommen ist und dass ich mit ihm trainieren durfte". Und kaum war die Entscheidung gefallen, hatten die beiden auch schon abgemacht, wie die Sache in den kommenden Monaten weiter gehen soll. Nach den Spielen in Vancouver wird Lindemann Liebers den Startplatz bei der Weltmeisterschaft in Turin überlassen. Ein starkes Stück der Söhne Berlins.

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