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Eishockey Sparsamer Spitzenreiter

Trotz knapper Kasse überzeugt das junge Eishockeyteam der Düsseldorfer EG sportlich. In dieser Saison passte bislang alles. Doch die Zuschauer bleiben fern: 18 Prozent weniger Besucher gab es bisher im Vergleich zum Vorjahr.

13.12.2010 19:51
Matthias Kittmann
Für Evan Kaufmann und seine DEG läuft es richtig rund. Foto: Imago

Nicht auszudenken, wenn das Schule machen sollte. Vergangene Saison wurde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in den Hannover Scorpions ein Klub Meister, der vor Saisonbeginn seinen Spielern einen Gehaltsverzicht von 15 Prozent abgerungen hatte. Nun wird die Liga von einem Klub angeführt, der sein Budget vor der Spielzeit gleich um 1,5 Millionen Euro reduziert hatte: der Düsseldorfer EG. Nach sieben Siegen in Folge hat der Traditionsklub vom Rhein zum ersten Mal die Tabellenführung übernommen.

Die neue finanzielle Bescheidenheit ist allerdings keine freiwillige, weder in Hannover noch in Düsseldorf. Nach massiven Einbrüchen bei den Zuschauerzahlen ? statt kalkulierter 7000 kamen im Schnitt nur 5700 ? und entsprechenden Mindereinnahmen zogen die Gesellschafter der DEG die Notbremse und verdonnerten Manager Lance Nethery zu einem radikalen Sparkurs. Der gewiefte Kanadier, als Trainer mit Mannheim dreimal Meister, später als Manager Titelträger mit Frankfurt, wurde gleichzeitig auch Geschäftsführer. In dieser Doppelfunktion hat er den besten Einblick in die Finanzlage.

Statt auf NHL-erfahrene, aber mitunter satte Haudegen setzt Nethery nun auf jung und günstig. Dem 53-Jährigen kommt dabei zugute, dass er über sehr gute internationale und nationale Kontakte verfügt. Zwar ist auch er nicht vor Fehlgriffen gefeit, aber sein gutes Scouting schützt ihn vor gravierenden Flops.

In dieser Saison passt bislang alles: Kapitän Daniel Kreutzer geht als Topscorer des Teams (zehn Tore, 21 Vorlagen) mit bestem Beispiel voran. Neuzugang Tyler Beechey, den die DEG aus der Konkursmasse der Frankfurt Lions übernahm, ist mit zwölf Treffern bester Torschütze. „Die Mischung macht’s“, sagt Nethery.

Viel Vertrauen in den Trainer

Aber auch der Trainer, Jeff Tomlinson. Die Verpflichtung des 40-Jährigen galt als Risiko. Schließlich arbeitete der Kanadier bislang nur als Nachwuchs- und Assistenztrainer bei den Eisbären Berlin, Düsseldorf ist seine erste Cheftrainerposition in der DEL. Als es zu Saisonbeginn noch hakte, hielt sich der für wortgewaltige Kritik bekannte Nethery überraschend zurück: „Ich hatte von Beginn an großes Vertrauen in den Trainer.“ Es habe eben etwas gedauert, bis Spieler wie Zuschauer das ungewohnt aggressive System Tomlinsons verstanden hätten: „Wenn es nicht läuft, liegt es selten am System, sondern an den Spielern, die es nicht umsetzen können oder wollen.“ Tomlinson hat es offensichtlich geschafft, sein System allen zu vermitteln.

Dennoch bleibt Nethery vorsichtig: „Heute genießen wir die Tabellenführung, morgen bereiten wir uns auf das nächste Spiel vor. Unser Ziel bleibt das Erreichen der Playoffs, für Rang zehn braucht man 72 Punkte.“ Aktuell sind es 51. Sportlich muss sich Nethery also keine Sorgen machen, dafür gibt ihm der Blick in die Arena Rätsel auf. „Wir sind nicht nur sportlich Tabellenerster, sondern auch Spitzenreiter im Zuschauer-Minus“, kommentiert er einen weiteren Besucher-Einbruch um gleich 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Suche nach den Ursachen für die Verweigerungshaltung hinterlässt selbst den ausgebufften Manager ratlos.

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