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Eishockey Haie am Ende

Köln ist trotz des Siegs nach Penaltyschießen in Straubing Tabellenletzter. Noch hält Geschäftsführer Eichin zu Trainer Stewart.

04.10.2010 18:43
Christian Oeynhausen

Die Auswärts-Tour nach Straubing ist für die westdeutschen Eishockey-Klubs stets eine Tortur. Die Kölner Haie erreichten ihr Trainingszentrum nach dem Spiel am Sonntag erst um fünf Uhr morgens am Montag. Die Stimmung beim achtmaligen Eishockey-Meister stand in klarem Gegensatz zur Entwicklung in der Tabelle: Nach der Partie in Straubing sind die Kölner Letzter der Deutschen Eishockey-Liga.

Aber die Haie hatten die Schlacht mit fast 150 Strafminuten für beide Seiten 4:3 nach Penaltyschießen gewonnen. Ein Comeback nach zwei Toren Rückstand unter dem Eindruck der absoluten Verunsicherung und Erfolglosigkeit der ersten Saisonwochen und angesichts der Hektik im Straubinger Stadion – das gilt den Haien vorerst als Beweis, dass ihre Mannschaft doch etwas taugt. „Zu sehen, wie die Mannschaft sich zurückkämpft, das war sehr belohnend für uns Trainer“, sagte Bill Stewart, der kanadische Coach und Manager, dessen radikales Personalkonzept in Köln mit ebenso viel Erwartungen wie Skepsis begleitet wird. Erst ein Heimsieg (5:2 gegen Iserlohn), das ist zu wenig. Geschäftsführer Thomas Eichin sagt aber, die Partie in Straubing sei noch kein Schicksalsspiel für Stewart gewesen. „Ich werde noch nicht nervös. Ich bin nach wie vor von Bill überzeugt“, so Eichin, „er braucht noch Zeit. Wir haben 16 Neuzugänge. Ich hoffe, dass wir die Geduld aufbringen, der Verein, die Mannschaft und unsere Fans“.

Der Kanadier hatte das Team in größter Not im Dezember 2009 als Trainer übernommen. Stewart hatte selbst verkündet, im Misserfolgsfall könne man ihn „grillen“. Der Kölner Express hatte nach dem 2:6 in Hannover am Freitag schon mal die Trainerfrage gestellt, im Internet kursierte ein Aufruf von Fans zu einem Stimmungsboykott, der allerdings wenig Fürsprecher fand.

So bleibt die Lage in Köln angespannt. Nach zwei Fast-Insolvenzen und zwei Jahren ohne Viertelfinal-Teilnahme, aber mit vier Trainerwechseln, sollte beim erfolgsverwöhnten KEC alles besser werden: Neue Investoren und mehr als ein Dutzend neuer Spieler kamen. Trotzdem hängt der Klub mit drei Siegen und sechs Niederlagen schon wieder im Keller. Die Zuschauerzahlen waren bisher schwach.

Lüdemann brutal gecheckt

Einer von vielen Gründen für die Misserfolge waren die schwachen Torwartleistungen. Neuzugang Adam Dennis, von Stewart erst geholt und dann schon vor der Saison in Frage gestellt („er ist ein Fragezeichen“) kam nicht auf DEL-Niveau. Der neue Mann, Wade Dubielewicz, sozusagen das lebende Eingeständnis eines Planungsfehlers auf der wichtigsten Position, lieferte nach einem vom Jetlag beeinflussten mäßigen Debüt beim 2:6 in Hannover nun in Straubing ein ordentliches Spiel – ein Hoffnungsschimmer. „Bisher haben wir immer einen Weg gefunden zu verlieren. Jetzt fängt es an, sich zu drehen“, sagte Stewart, „aber wir haben noch einen langen Weg vor uns.“

Das Spiel am Sonntag wird ein Nachspiel vor dem DEL-Sportgericht haben. Geschäftsführer Eichin beantragte ein Ermittlungsverfahren gegen den Straubinger Karl Stewart. Der Kanadier hatte Kölns Verteidiger Mirko Lüdemann mit einem Check derart getroffen, dass der Kölner Veteran bewusstlos zusammenbrach und seine Zunge verschluckte. Lüdemann musste ins Krankenhaus gebracht werden, wo er über Nacht blieb. Diagnostiziert wurde eine Gehirnerschütterung und eine Schulterverletzung. Schiedsrichter Ramin Yazdi hatte das Spiel weiterlaufen lassen. „Er trifft ihn mit 30 Meilen pro Stunde von hinten an der Schulter und am Kopf. Lüdemann sieht den Mann nicht kommen. Was, wenn er gestorben wäre?,“ empörte sich Stewart und forderte eine Rekordstrafe von 20 Spiele Sperre für den Straubinger: „Ich weiß nicht, ob Lüdemann in diesem Jahr noch einmal spielen kann.“

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