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Eishockey Bad Nauheim Gebrochenes Herz

Die Entlassung von Meistertrainer Frank Carnevale beim Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim hat nicht nur sportliche Gründe.

30.12.2013 10:02
Sebastian Rieth
Nicht mehr in Bad Nauheim: Frank Carnevale. Foto: Pressefotografie Storch, Bad Hg.

Es gab Zeiten, da hatte man das Gefühl, die gesamte Wetterau liege ihm zu Füßen. Da schien es nichts zu geben, was dieser außergewöhnlichen Beziehung zwischen Frank Carnevale und dem EC Bad Nauheim auch nur das Geringste anhaben könnte: Im Kurpark regiert der kleine König aus Kanada. Mit eigenwilligen Methoden – und großem Erfolg. In nur einem Jahr hatte der extrovertierte Trainer das geschafft, woran vorher fast jeder seiner Vorgänger gescheitert war, er hatte die Roten Teufel mit der Meisterschaft in der Eishockey-Oberliga zurück in die zweite Liga geführt. Eine lange Sehnsucht war gestillt.

Doch schon acht Monate später ist Frank Carnevale nicht mehr da. Am Freitagnachmittag haben ihn die Gesellschafter des EC Bad Nauheim vor die Tür gesetzt und mitgeteilt, dass dafür nicht nur sportliche Gründe ausschlaggebend waren. Wenn ein Verein das so offensiv in einer Pressemitteilung tut, dann lässt das tief blicken, dann zeigt das, wie viel im zwischenmenschlichen Bereich in den vergangenen Wochen zu Bruch gegangen ist – wenn es denn überhaupt einmal heil war.

Schon im Sommer hatte es Kontroversen um die Fortsetzung der Arbeit Carnevales gegeben, da der Spielbetrieb auf eine neue GmbH mit verändertem Personal und eigenen Ideen übertragen worden war. Man raufte sich zusammen, mit Daniel Heinrizi wurde allerdings ein Sportlicher Leiter installiert. Auch wenn Carnevale die Kompetenz über den Kader behielt, schien ihm das nicht gepasst zu haben. Schon bei der Festlegung des Saisonziels gab es den ersten Krach. Heinrizi setzte sich durch, verkündete auf der Saisoneröffnung des Aufsteigers die Playoffs als Fixpunkt. Ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Carnevale fehlte bei der Veranstaltung wegen eines Hexenschusses.

Zwischen den Extremen

Der 54-Jährige ist jemand, der stets zwischen den Extremen pendelt. Seine Sprache ist mal derb, mal philosophisch, mal trifft Carnevale genau den richtigen Ton, mal schießt er über das Ziel hinaus. Der impulsive Nordamerikaner provoziert und polarisiert. Von den eigenen Anhängern wird er geliebt und bewundert, von den Gegnern gehasst. Nach seiner Demission in Bad Nauheim sprach er von einem Schock und einem gebrochenen Herzen. Schon einmal, Ende der 90er-Jahre, hatte Carnevale bei den Roten Teufeln erfolgreich begonnen und war dann entlassen worden.

Geschäftsführer Andreas Ortwein begründete, dass ihm aus dem Team heraus unmissverständlich klar gemacht worden sei, dass sich etwas ändern müsse, sofern man die Talfahrt nach fünf Pleiten und dem Abrutschen auf Rang neun stoppen wolle. „Wenn das Vertrauensverhältnis zum Großteil der Mannschaft verloren geht, ist das keine Basis mehr“, sagte Ortwein der FR. Augenscheinlich wirft man Carnevale vor, in der kritischen Situation, in der viele Leistungsträger verletzt ausfielen und andere aus ihrem Formtief nicht herauskamen, nicht die richtigen Entscheidungen und den falschen Ton getroffen zu haben. Schnell wurden Stimmen laut, Carnevale hätte seinen Sohn Taylor, zweifelsfrei einer der Besten im Team, bevorzugt.

Vorerst hat Daniel Heinrizi das Amt übernommen. Vielleicht auch für länger. Zum Einstand gab es am Samstag eine 1:3-Heimpleite gegen Dresden. Nur am Trainer kann es also nicht gelegen haben.

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