Lade Inhalte...

Wolfsburg - Frankfurt Die unheimliche Auswärtsmacht

Mit einem souveränen 3:1 (2:0)-Erfolg beim VfL Wolfsburg hat die Frankfurter Eintracht erneut ihre erstaunliche Auswärtsstärke unter Beweis gestellt. Erstmals in dieser Saison gewinnen die Hessen mit mehr als einem Tor Unterschied, erstmals erzielen sie drei Tore.

VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt
Nico Kovac bejubelt das dritte Tor der Eintracht. Foto: dpa

Es hat dann doch noch bis zur 85. Minute gedauert, ehe Eintracht Frankfurt den Sack endgültig zugemacht hat. Eine gefühlvolle Hereingabe von Kevin-Prince Boateng köpfte Sebastien Haller vor die Füße des kurz zuvor eingewechselten Luka Jovic und die Leihgabe von Benfica Lissabon hatte keine Mühe mehr, zum 3:1-Endstand zu erhöhen. Die Partie war damit gelaufen, Eintracht Frankfurt der hochverdiente Sieger. Und darüber gab es an diesem trüben Nachmittag in der mit 24500 Zuschauern nur mäßig gefüllten Wolfsburger Arena nun wirklich keine zwei Meinungen. Erstmals in dieser Saison gewannen die Hessen mit mehr als einem Tor Unterschied, erstmals in dieser Saison erzielten sie gar drei Tore.

„Die erste Halbzeit war sehr gut, die zweite Halbzeit gut“, fasste Eintracht-Trainer Niko Kovac die sehr sehenswerten 90 Minuten zusammen. Im Grunde war nur zu bemängeln, dass die Frankfurter wieder ohne Not ein bisschen zittern mussten um den Erfolg. Nach dem schönen Anschlusstreffer von Maximilian Arnold (65.), der einen Freistoß von der Strafraumgrenze ins Tordreieck knallte, war die Eintracht ein wenig ins Schleudern geraten. „Da haben wir es ein bisschen schleifen gelassen und wieder spannend gemacht“, sagte Eintracht-Vorstand Fredi Bobic. Völlig unnötigerweise, denn in der Stunde davor hatte sie die Partie komplett unter Kontrolle. Erst die Gelb-Rote Karte für den Wolfsburger Nany Dimata (68.) spielte den Gästen in die Karten.

Ballstafetten dank Rückkehrer Mascarell

Bis zu diesem Zeitpunkt hätte die Begegnung längst zugunsten der Hessen entschieden sein müssen. Die Eintracht hätte viel mehr Kapital aus ihrer spielerischen Überlegenheit schlagen müssen. Gerade in den ersten 45 Minuten präsentierten sich die Frankfurter bärenstark, ja sie spielten die mit Abstand beste erste Hälfte in dieser Saison. Der Ball lief wie am Schnürchen, lange nicht mehr gesehenen Ballstafetten nahmen den Wolfsburgern die Lust am Spielen, die Eintracht war Herr im fremden Haus. „Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur laufen und kämpfen, sondern auch Fußball spielen können“, freute sich Kovac. Das hatte natürlich viel mit Omar Mascarell zu tun, mit Boateng und dem auf dem rechten Flügel überragenden Marius Wolf, die eine spielerische Qualität in die Partie brachten, die man lange Zeit vermisste. „Omar hat die Fähigkeit, den Platz zu scannen, das macht er außerordentlich gut”, lobte Kovac den zurückgekehrten Mascarell.

Entscheidender Mann in der ersten Halbzeit war aber Wolf, der die beiden ersten Tore jeweils vorbereitet hatte. Das erste erzielte mal wieder Sebastien Haller (18.) mit einem fulminanten Drehschuss und zwar mit solch einer Härte und Geschwindigkeit, dass Torwart Koen Casteels überhaupt nicht mehr reagieren konnte. „Ehrlich gesagt, habe ich gar nicht genau gewusst, wo das Tor steht, ich habe einfach geschossen. Das ist es, was ein Stürmer tun muss“, sagte der Franzose nach seinem Volltreffer. Es war bereits der achte Treffer des kantigen Mittelstürmers. Das 2:0 (22.) legte ebenfalls Wolf vor, der nach einem Hackentrick von Ante Rebic Linksverteidiger Timothy Chandler mustergültig in Szene gesetzt hatte, Chandler verwandelte mit links zu seinem ersten Saisontor. „Die beiden Tore waren überragend herausgespielt“, hob Eintracht-Vorstand Bobic sehr zufrieden den Daumen. „Wir haben das Spiel total im Griff gehabt, haben so gut wie nichts zugelassen und super Aktionen nach vorne gehabt.“

Ein 3:0 oder gar 4:0 zur Pause wäre leicht möglich gewesen. Ante Rebic hätte fast das Kunststück fertig gebracht, von kurz hinter der Mittellinie ein Traumtor zu erzielen. Doch sein Schuss aus gut und gerne 50 Metern senkte sich über den zu weit vor seinem Gehäuse postierten Torhüter Casteels aufs Tordach. Und Marius Wolf hätte drei Minuten vor dem Wechsel couragiert aufs Tor schießen müssen statt noch einmal abzugeben. Dessen ungeachtet erntete der 22-Jährige großes Lob von Kovac: „Er hat eine Entwicklung genommen, die einzigartig ist. Mit ihm haben wir einen guten Fang gemacht.“

Nach dem Spiel war der Frankfurter Fußballlehrer richtig aufgekratzt: Er sprach von einem „sehr, sehr ansprechendem Spiel“. Seine Mannschaft habe „fantastisch umgesetzt, was wir uns in der Woche erarbeitet haben.“ Und diesen Mal hat die Eintracht ihre Überlegenheit auch in die entsprechenden Tore umgemünzt. „Die Art und Weise, wie wir gespielt und die Treffer herausgespielt hat, stimmt mich froh.“

Hinterher ist Kovac nach dem Geheimnis der erstaunlichen Auswärtsstärke gefragt worden. Die Eintracht ist knapp hinter den Bayern (22 Zähler) zweitstärkstes Team der Branche, 21 ihrer 30 Punkte hat sie in der Fremde geholt. Ohnehin haben die Frankfurter von nun zehn Auswärtsspielen lediglich ein einziges verloren, 1:2 gegen RB Leipzig, und seinerzeit wurde ein astreines Tor vor Jovic aberkannt. Kovac also wusste auch nicht so recht wie ihm geschieht: „Ich kann das auch nicht erklären. Im letzten Jahr war es noch umgekehrt. Fußball ist schon merkwürdig.“ Spiele auf fremden Terrain lägen der Mannschaft einfach mehr, „da tun wir uns viel leichter“, da könne man kompakt stehen und schneller umschalten. Eintracht Frankfurt ist das Team in der Bundesliga, das die meisten Tore nach Ballgewinn erzielt hat. Acht Treffer erzielten die Frankfurter schon in den ersten zehn Sekunden nach einem ergatterten Ball. Das 2:0 durch Chandler steht symptomatisch für diese Qualität.

Dummerweise muss Eintracht Frankfurt nächste Woche wieder vor eigenem Publikum antreten. Borussia Mönchengladbach kommt am Freitagabend in den Stadtwald. Das sieht nach einem schwierigen Unterfangen aus.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum