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Wechsel Der Fall Niko Kovac

Der spektakuläre Wechsel Kovacs nach München wirft Fragen auf und sorgt für Irritationen.

Kovac
Fühlt sich endlich richtig gewertschätzt: Niko Kovac. Foto: Huebner/Ulrich (Jan Huebner)

Seine Bayern, führte der Oberbayer aus, hätten sich sogar sehr professionell verhalten, weil „wir eine Lücke im Vertrag mit Niko Kovac ausgenutzt haben“. Gemeint ist die Ausstiegsklausel im Arbeitspapier des Frankfurter Cheftrainers in Höhe von 2,2 Millionen Euro, die sich der 46-Jährige bei seiner Vertragsverlängerung im Dezember 2016 hat einarbeiten lassen und die für europäische Topklubs gilt. Das bedeutete für die Bayern, dass sie die Notlösung Kovac ohne große Anstrengungen und ohne die Eintracht zu informieren, loseisen konnten. Weshalb die Eintracht-Verantwortlichen damals zustimmten, dem Trainer nach nur achtmonatiger Schaffenszeit in der Bundesliga diesen Passus einzuarbeiten, bleibt ihr Geheimnis. Besonders clever war das jedenfalls nicht, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt bestimmt nicht argwöhnten, ihren Coach auf diese Weise tatsächlich zu verlieren.

Beispielloses PR-Desaster

Hoeneß sagte weiter, im Bayern-Zirkel habe man lange überlegt, „wann wir es den Frankfurtern sagen sollen. Wir hätten es auch nach der Saison sagen können, aber wir haben es bewusst so früh wie möglich gesagt, damit sie eine Möglichkeit haben, sich eine Alternative zu besorgen. Wenn wir es erst in ein paar Wochen gesagt hätten, hätten wir Ruhe gehabt und die Frankfurter den Ärger“. Von den Bayern-Verantwortlichen sei bislang niemand direkt an Eintracht-Funktionäre herangetreten, weil Niko Kovac darum gebeten habe, seine Vorgesetzten Bobic und Manager Bruno Hübner selbst zu informieren. Das machte er am Donnerstagabend, kurz darauf fand die Meldung den Weg in die Presse. „Dazu haben wir nichts beigetragen“, rechtfertigte sich Hoeneß.

 

Die interessanteste Frage aber ist die, wann es den Kontakt zwischen den Bayern und der Kovac-Partei gab. Der Zeitpunkt und die merkwürdigen Aussagen Kovacs auf der Pressekonferenz am vergangenen Freitag sind es, die die Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit nähren und ihn ein Stück weit beschädigen. Nach der Darstellung des Fußballlehrers habe es vergangenen Donnerstag den ersten Kontakt und direkt seine Zusage gegeben. Eine Lesart, die ihm niemand zwischen Elbe und Isar abnimmt. Nach FR-Informationen haben die Bayern ihre Bemühungen intensiviert und sich auf Kovac festgelegt, als ihnen Thomas Tuchel abgesagt hatte.

Das ist rund drei Wochen her. Schon vorher, das berichtet die „Bild“, habe es Sondierungsgespräche gegeben, gar im Dezember schon habe es ein Treffen zwischen Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, Kovac-Berater Alen Augustincic und seinem Medienberater Markus Hörwick gegeben. Das ist nicht mal so unwahrscheinlich, würde es doch erklären, weshalb die Gespräche in Frankfurt über eine angedachte Vertragsverlängerung erst einmal auf Eis gelegt wurden. Damals sagte Manager Hübner plötzlich: „Niko will Fortschritte sehen, es ist legitim, dass er sagt, wir brauchen noch nicht über einen neuen Vertrag zu sprechen.“ Die Bayern umschifften Fragen nach der Kontaktaufnahme, als seien sie das heißeste Eisen überhaupt. Sportdirektor Hasan Salihamidzic sagte: „Wir haben uns am Donnerstag geeinigt. Alles andere wären zu viele Details.“ Immerhin räumte Salihamidzic ein, dass man sich schon länger mit Kovac beschäftige: „Ich habe vor Monaten ein Konzept vorgelegt und Niko vorgeschlagen.“ Nachdem die Bayern-Bosse ihre Zustimmung gaben, habe er sich um die Umsetzung gekümmert. Das Ganze endete in einem beispiellosen PR-Desaster, obwohl Kovac in Ex-Bayern-Pressechef Hörwick einen hochdekorierten Medienagenten an seiner Seite weiß.

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