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Vor dem Bayern-Spiel Und dann Oberhausen...

Die Eintracht gegen die Bayern ? die Begegnungen sind alles andere als normale Fußballspiele, weiß Karl-Heinz Körbel. Die Frankfurter wuchsen bislang in diesen Partien über sich hinaus.

22.04.2011 21:59
Heimspiel: Eintracht Frankfurt gegen Bayern München (Archivbild vom 20.3.2010) Foto: REUTERS

Karl-Heinz Körbel, die Legende, kann sich noch gut erinnern. Er, den die ganze Welt nur Charly nennt, weiß, wovon er spricht. Er kennt diese Spiele, diese ganz besonderen Duelle gegen die überlebensgroßen, mächtigen Bayern. „Die“, sagt Körbel, „hatten doch schon die Hosen voll, wenn sie wussten, sie müssen nach Frankfurt. Hier gab es für die nix zu holen. Da sind wir alle über uns hinausgewachsen, da wollten wir immer zeigen, dass wir genauso gut Fußball spielen können.“ Körbel meint sich in zweiter Linie, er war ja eher einer fürs Grobe, der die Mittelstürmer an die Kette legte, nein, er sprach von den Strategen, den Starkickern mit dem Gefühl im Fuß: Grabowski, Hölzenbein, Nickel. Die sind zu Hochform aufgelaufen, sie wollten zeigen, was in ihnen steckt, dass sie keinen Deut schlechter sind als die ruhmreichen Bayern. Da fühlten sie sich an ihrer Ehre gepackt. „Wir hatten viele kleine Diven“, bemerkt Körbel. Und die wollten es wissen an jenen Tagen, wenn die Bayern sich ankündigten.

„Damals haben wir uns gesagt: Die Bayern, die kriegen hier sowieso eine Klatsche“, erinnert sich Bernd Hölzenbein, der heutige Scout der Eintracht und frühere Weltmeister von 1974. Die Münchner gingen in Frankfurt meist leer aus. „Ich habe gegen die Bayern 18 Jahre kein Heimspiel verloren, erst Augenthaler hat diese Serie mit seinem Tor von der Mittellinie gegen Uli Stein durchbrochen. Vorher haben die Bayern hier ja nicht nur verloren, sie sind auseinandergenommen worden. Das waren richtige Klatschen“, sagt Körbel. So sah das auch Franz Beckenbauer damals: „Die Fahrt nach Frankfurt können wir uns eigentlich schenken.“

Für die stolzen Frankfurter Spieler, „die ganzen Häuptlinge“ (Norbert Nachtweih, der für beide gespielt hat), waren diese Partien Festspiele, da wuchsen sie über sich hinaus, nur um dann eine Woche später beim Schlusslicht die Punkte herzuschenken. „So fing ja meine Karriere an“, sagt Körbel und denkt an sein erstes von 602 Bundesligaspielen, natürlich gegen die Münchner: „Sieg gegen die Bayern, dann eine Niederlage in Oberhausen.“

Nickel kann’s von überall

Wer an die vielen Highlights denkt, kommt vor allen Dingen um dieses legendäre 6:0 im November 1975 nicht herum. Damals stand es zur Pause schon 5:0 (Tore: Wenzel, Nickel, Grabowski, Hölzenbein, Neuberger) und Jürgen Grabowski fragte beim Gang in die Kabine Bayern-Torwart Sepp Maier, ob er den Ball denn schon einmal vor der Linie in der Hand gehabt hätte. Im zweiten Abschnitt drehte Bernd Nickel dann noch einen Eckstoß direkt ins Tor. 6:0! Die Demontage war perfekt.

Der schussgewaltige Nickel, Dr. Hammer, hat im Übrigen das Kunststück geschafft, aus allen vier Ecken im Waldstadion Eckbälle direkt zu verwandeln. „Auswärts ist mir das in 426 Bundesligaspielen nie gelungen“, erinnert er sich. „Dabei war es im Waldstadion gar nicht mal so einfach, weil du von der Aschenbahn aus anlaufen und einen Zwischenschritt auf den Rasen machen musst. So war es auch beim Treffer zum 6:0. Solche Ecken mit Außenrist kannst du nur schlagen, wenn du schon eine Stellung in der Mannschaft hast, so dass die Mitspieler nicht gleich meckern, wenn es mal schiefgeht. Na ja, jedenfalls konnte Sepp Maier den Ball nicht halten, der Ball drehte im vorderen Viertel des Tores um den Pfosten direkt ins Netz“, sagt der Mann, der 1971 fast bei den Bayern gelandet wäre. „Wenn wir damals abgestiegen wären, wäre ich zu den Bayern nach München gegangen, mit Udo Lattek war schon alles klar.“ Doch die Eintracht hielt die Klasse und Nickel blieb. Für immer. ( dur)

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