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Veh bleibt Eine Lanze für Armin Veh

Entgegen anderer Meldungen steht Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen zu Trainer Armin Veh. Der Trainer möchte seinen Vertrag erfüllen. Dass Veh im Sommer von einem Kollegen aus der Bundesliga abgelöst wird, dementiert der Klubchef.

Bleibt weiterhin in Amt und Würden: Dem angeschlagenen Trainer Armin Veh hat Klubchef Heribert Bruchhagen das Vertrauen ausgesprochen. Foto: imago

Es ist in diesen schweren Zeiten wahrlich kein Zuckerschlecken, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt zu sein. „Die Sorgen“, sagte dieser Tag der Klubchef des in große Abstiegsgefahr geratenen Bundesligisten, „begleiten mich von morgens bis abends,“ beim Bäcker, in der U-Bahn, beim Stammtisch werde er auf die mehr und mehr schwächelnde Eintracht angesprochen. „Das ist kein reines Vergnügen.“ Doch es gibt ein paar wenige Momente des Tages, die kann der 67-Jährige immer noch genießen. „Morgens, wenn ich mit dem Auto am Main entlang fahre – das ist schon mal motivierend.“ Das Tagesgeschäft hingegen, das dann im Stadtwald beginnt, „ist erschwerend“. Doch Heribert Bruchhagen will kein Mitleid, „niemand hat mich gezwungen, Fußball zu machen. Das mache ich gerne.“

Aber die Sorgen und Probleme sind auch am Mittwoch nicht geringer geworden und es wird in den Zeiten der Krise auch kaum ein Tag vergehen, ohne dass auf Nebenschauplätze reagiert werden muss. Im aktuellen Fall war es die „Sportbild“, die in ihrer jüngsten Ausgabe darüber berichtet hatte, dass Trainer Armin Veh und die Eintracht spätestens am Ende der Saison getrennte Wege gehen würden. Es wurde auch schon sein Nachfolger genannt: Ralph Hasenhüttl, derzeit noch beim deutlich erfolgreicheren Aufsteiger FC Ingolstadt tätig. Zudem könnte es auch zu einer schnelleren Trennung kommen. Bruchhagen verwies derlei Behauptungen erwartungsgemäß in den Bereich der „Spekulation“. Trainer Veh habe ihm mitgeteilt, dass er „seinen Vertrag erfüllen will und wird“. Eintracht Frankfurt sei der festen Überzeugung, dass „Armin, erstens, nicht so ein Ansinnen hat und, zweitens, wir unsere sportlichen Ziele erreichen werden“. Vor einem halben Jahr, so Bruchhagen weiter, habe es auch als sicher gegolten, dass Armin Veh „mein Nachfolger wird. Auch das hat sich nicht bestätigt.“

Trainer Veh selbst ist nach den neuerlich einsetzenden Diskussion um seine Zukunft sichtlich genervt. „Die Situation ist halt so, dass alles zusammenkommt. Jeden Tag fällt jemandem was anderes ein. Und ich soll es dann kommentieren? Das mache ich nicht.“ Fakt ist: Anders als vor zwei Jahren, als Veh seinen Abschied beschlossen und vertraute Spieler über seinen Schritt informiert hatte, hat er jetzt gegenüber seinen Profis nichts derartiges verlauten lassen. Auch die Spieler haben nicht das Gefühl, dass der Fußballlehrer aufzuhören gedenkt. Das wäre in der jetzigen Situation, die Bruchhagen „prekär“ nennt, auch fatal. Armin Veh als „lame duck“ – das wäre kontraproduktiv. Denn das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft ist intakt, das bestätigte gestern auch Klubchef Heribert Bruchhagen. „Ich bin nahe genug dabei, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie das Verhältnis ist und es ist in Ordnung.“

Heribert Bruchhagen, der im Sommer nach 13 Jahren als Vorstandsvorsitzender ausscheidet, stärkte dem angeschossenen Trainer Veh den Rücken. „Eintracht Frankfurt ist trainerstabil. Eintracht Frankfurt ist ein Verein, der seinen Trainern großes Vertrauen schenkt.“ Vor seiner Zeit hätten die Hessen in elf Jahren 14 Trainer verschlissen. Er sehe weiterhin keine Notwendigkeit „einer Fensterrede" pro Armin Veh. „Ich marschiere nicht in die Kabine. Die Autorität des Trainers ist das höchste Gut. Ich habe großes Vertrauen in Armin Veh.“

Aber natürlich gehört es auch zur Pflicht des Vorstandsvorsitzenden, die Entwicklung der nächsten Spiele sehr genau zu beobachten und zu analysieren. Ob er ein worst-case-Szenario durchgespielt habe, ist der Klubchef gefragt worden. „Damit beschäftige ich mich nicht“, sagte er mit Inbrunst. Er sagte aber im nächsten Satz: „Sie können fest davon überzeugt sein, dass ich ein hohes Maß an Verantwortung für Eintracht Frankfurt trage und dieser Verantwortung gerecht werde.“

Das bedeutet, dass Heribert Bruchhagen seinen Klub nicht sehenden Auges in den Abgrund manövrieren wird. Er wird bei anhaltendem Misserfolg, ausbleibenden Punkten und einer Leistungsstagnation auf niedrigem Niveau nicht davor zurückschrecken, den Trainer, den er über die Maßen schätzt, von seinen Aufgaben zu entbinden. „Wir lassen es nicht einfach laufen.“

Auch ein freiwilliger Abschied des Trainers nach Saisonende ist trotz aller Vertrauensbekundungen selbst bei einem Klassenverbleib nicht ganz auszuschließen. Die Anfeindungen der Fans sind dem 55 Jahre alten Fußballlehrer schon nahe gegangen, zudem würde er mit einer großen Hypothek in die neue Saison gehen. Bei jeder Niederlage würden die alten Ressentiments neu aufflammen. Sicher ist aber, dass Ingolstadts Trainer Hasenhüttl in den Überlegungen der Frankfurter keine Rolle spielt. „Da ist nichts dran“, sagt Heribert Bruchhagen.

Dessen ungeachtet sei die gesamte Gemengelage aus sportlichem Misserfolg, Anti-Veh-Stimmung, verärgerten Fans und allgemeiner Verunsicherung „nicht gut für Eintracht Frankfurt. Wir stehen für Stabilität und Kontinuität – die müssen wir verteidigen“, sagte Bruchhagen. Er spüre in Frankfurt sehr wohl „eine Gier, eine große Sehnsucht danach, eine bessere Eintracht zu sehen. Das ist aber in der Bundesliga kaum kompatibel.“

Die Pfiffe gegen Mannschaft und Veh seien aus seiner Sicht „ein Ausdruck der Angst“ vor dem sportlichen Abstieg. Bruchhagen deckelte aber auch seinen Coach in Maßen: „Die Aussagen haben uns nicht gefallen, das waren unbedachte Äußerungen.“ Er gab auch zu bedenken: Unmittelbar nach Schlusspfiff stehe ein Trainer unter „Höchstanspannung“, da sollte man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Darüber hinaus sieht der Klubchef momentan Parallelen zum letzten Jahr in der Ära Friedhelm Funkel. Auch da seien „ultimative Forderungen erhoben worden“. Grundsätzlich ist auch Bruchhagen ein Stück weit überrascht worden von dem Niedergang: „Noch im September habe ich mir nicht vorstellen können, in solch eine Situation zu kommen.“

Derzeit empfinde er die Stimmung ähnlich schlecht wie vor dem Bremen-Spiel, dem letzten in der Hinrunde. Nach wie vor zeige die Mannschaft „zwei Gesichter“. Immerhin zeige das Team Einsatzwillen. Bei aller berechtigter Kritik, etwa an Spielanlage oder außer Form geratenen Leistungsträger, betonte Bruchhagen eines: „Dass sich die Mannschaft nicht gewehrt hätte, dafür gibt es keinerlei Indizien.“

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