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Trainingslager Eintracht Frankfurt: Monster mit Biss

Die Eintracht hält auch im neuen Jahr wenig überraschend an ihrem offensiven Stil fest - nur ein Spieler plädiert für mehr Absicherung.

Luka Jovic
Bereitete im Test gegen Sao Paulo den Siegtreffer stark vor: der Frankfurter Angreifer Luka Jovic (l.). Foto: Jan Hübner

Timothy Chandler hatte in diesen Tagen im USA-Trainingslager nicht allzu viele Aufgaben. Klar, natürlich stand an oberster Stelle die Verbesserung seines Gesundheitszustands. Das Heranführen des eigenen Körpers an das Mannschaftstraining von Eintracht Frankfurt, was bis gestern noch nicht ganz geklappt hat. Noch immer trainiert der 28-Jährige abseits der großen Gruppe. Auch wurde der Deutsch-Amerikaner immer dann vorgeschickt, wenn ein TV-Sender aus Übersee etwas über die Mannschaft vom Main wissen wollte.

Den wichtigsten Job aber, den hatte Chandler für seine Teamkollegen zu erledigen – als Vorkoster. Nicht etwa des Essens, das war sowohl beim ersten Halt in Bradenton vorzüglich und ist es nun natürlich auch in Orlando, sondern der Achterbahnen der weltberühmten Universal Studios. Dort war Chandler Mitte der Woche bereits zu einem PR-Termin aufgeschlagen und hatte ein paar Runden auf der „Rockit“ und der „Revenge of the Mummy“ gedreht, gestern zogen die Mitspieler nach.

Eintracht Frankfurt trifft auf Flamengo

Der Achterbahn-Fahrten im jährlich von fast zehn Millionen Menschen besuchten Themenpark dienten den Berufskickern als willkommene Abwechslung vom schnöden Alltag eines Trainingslager. Und als Belohnung für den 2:1 (1:0)-Erfolg am Donnerstagabend im Florida Cup gegen den FC Sao Paulo. In Saint Petersburg hatten die Hessen vor nur 2000 Zuschauern eine ordentliche Partie, keineswegs aber ein herausragende abgeliefert. Trainer Adi Hütter setzte 21 Spieler ein, nur Branimir Hrgota durfte 90 Minuten durchkicken.

Ante Rebic, Makoto Hasebe standen nach ihren kleinen Wehwehchen zum Jahresende wieder auf dem Platz, Kapitän David Abraham feierte nach wochenlanger Pause ein gelungenes Comeback, auch Winterzugang Sebastian Rode lieferte einen ordentlichen 45-Minuten-Einsatz ab. „Ich finde, es war ein sehr guter Test gegen eine starke Mannschaft“, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter. Rebic hatte die Frankfurter per Elfmeter in Führung geschossen (9.), die Südamerikaner durch den 37-jährigen Nene ausgeglichen (55.), ehe sich Luka Jovic stark durchsetzte und so das siegbringende Eigentor von Igor Vinicius provozierte (64.). „Der Sieg war nicht gestohlen, aber es gibt natürlich ein paar Sachen, die wir noch besser machen können“, befand Hütter.

Unter den Augen der extra für die Spiele, am Samstag findet um 16 Uhr Ortszeit (22 Uhr deutscher Zeit) ja noch ein weiteres gegen Flamengo statt, angereisten Frankfurter Führungsetage um Marketingvorstand Axel Hellmann, Präsident Peter Fischer sowie den beiden Aufsichtsräten Philip Holzer und Stephen Orenstein, spielte die Eintracht so, wie sie es schon über weite Strecken der Hinrunde getan hatte.

Die Hessen gingen früh drauf, pressten den Gegner an deren Strafraum, erzwangen Fehler, spielten Stressfußball. Rebic, Jovic und Sebastien Haller waren vorne schwer zu halten, hinten verteidigten Evan Ndicka, Hasebe und Abraham robust. Und im Mittelfeld rannte Gelson Fernandes in Hälfte eins ebenso viel wie Rode nach dem Seitenwechsel. 

Ob die beiden Sechser nun Konkurrenten seien, wurde Fernandes später gefragt. Des Schweizers Antwort: „Wir sind keine Konkurrenten, wir sind Partner.“ Dann fügte er scherzhaft hinzu: „Wir spielen ja immer mit so vielen Stürmern, also können wir es eigentlich auch mal mit drei Sechsern probieren. Irgendwer muss ja verteidigen.“

Freilich, Fernandes weiß sehr wohl, dass sein Chef anders tickt. Für den Rückrundenstart am kommenden Samstag gegen den SC Freiburg wird Adi Hütter an den Grundzügen seines Systems natürlich nicht rütteln, er wird weiter den offensiven Stil wählen, der die Eintracht in der Hinrunde so erstaunlich erfolgreich machte.

Da der Serbe Mijat Gacinovic wegen seiner Oberschenkelverletzung noch keine Alternative sein wird, er ist in den USA mittlerweile immerhin schon ins Sprinttraining eingestiegen, dürfte das dreiköpfige Monster, so nannte die US-amerikanische Presse das Angriffstrio Rebic, Jovic und Haller, ziemlich sicher in voller Wucht aufgeboten werden. In die Karten lässt sich der Trainer eine Woche vor der Partie aber natürlich nicht blicken. Er sagte nur: „Wir müssen bis dahin taktisch noch ein bisschen arbeiten.“ Nun gut, sicher nicht falsch, schaden sollte ein bisschen Fleiß jedenfalls das nicht.

Im Ganzen betrachtet ist Hütter mit der Arbeit seiner Schützlinge aber zufrieden. Die Mannschaft habe vom ersten Tag an in Florida richtig mitgezogen, „eine tolle Einstellung, viel Engagement und Bissigkeit gezeigt“, so der Fußballlehrer aus Österreich. Diese Aggressivität verbunden mit Freude am Job ist für einen der Vorkämpfer des Teams, Gelson Fernandes, allerdings auch unabdingbar. „Wir müssen in den Trainingseinheiten und Spielen Vollgas geben. Das passt zu unserer Mannschaft. Etwas anderes können wir gar nicht, noch zumindest.“

Am Tag nach dem Auftritt gegen Sao Paulo nahmen die Frankfurter dagegen mal ein bisschen Tempo heraus. Da traf sich die Mannschaft nur zum morgendlichen Auslaufen auf dem Trainingsplatz, um nachmittags schließlich die Achterbahn-Tipps von Vorkoster Timothy Chandler auf die Probe zu stellen.

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