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Trainer der Eintracht-U-23 "Dann hat er in der Mannschaft nichts verloren"

U23-Coach Oscar Corrochano äußert sich im FR-Interview über Profis in der Regionalliga, seine Ziele, die Trainerausbildung und Superstars wie Effenberg und Scholl

20.10.2011 14:39
Will mal Trainer einer Profimannschaft werden, am liebsten bei der Eintracht: U23-Coach Oscar Corrochano. Foto: Heiko Rhode

U23-Coach Oscar Corrochano äußert sich im FR-Interview über Profis in der Regionalliga, seine Ziele, die Trainerausbildung und Superstars wie Effenberg und Scholl

Oscar Corrochano trainiert seit Februar 2010 die U23 der Eintracht, zuvor leitete der 35-Jährige zwei Jahre die A-Jugend an. Der Spanier, einst als Spieler unter anderem in Frankfurt, Darmstadt und Offenbach, absolviert seit Juni in Köln die Ausbildung zum Fußballlehrer. Drei Tage in der Woche vertritt ihn daher der frühere Profi und heutige Eintracht-Amateurspieler Daniyel Cimen als Coach auf dem Trainingsplatz. „Zu ihm habe ich blindes Vertrauen“, sagt Corrochano.

Herr Corrochano, seit Juni drücken Sie wieder die Schulbank. Mit prominenten Mitstreitern: Effenberg, Scholl und einige Hochkaräter mehr. Hat man da anfangs Berührungsängste

Berührungsängste gibt es keine, da ich als Spieler schon mit Nationalspielern zusammengespielt habe. Aber selbstverständlich hat man Respekt vor den großen Spielerpersönlichkeiten.

Was sind das für Typen, Effenberg und Scholl? Abgehobene Superstars?

Zu den sogenannten Superstars sind viele Vorurteile im Spiel, die ich nach meiner eigenen Erfahrung nicht teilen kann. Im Gegenteil, gerade Effenberg und Scholl sind gute Typen mit verschiedenen positiven Charakteren.

Werden Sie während der Ausbildung auch psychologisch geschult?Oder im Umgang mit den Medien?

Beides bekommen wir vermittelt. Sportpsychologie ist neben Fußballlehre, Sportbiologie und Konditionslehre eines von vier Hauptfächern. Auch der Umgang mit den Medien wird geschult, ein Rhetorikkurs mit Medienvertretern haben wir schon absolviert.

Im Hauptberuf sind Sie Trainer der U23 der Eintracht, wie bekommt man diese Doppelbelastung unter einen Hut?

Anfangs war es sehr intensiv und stressig, wir sind aber gut organisiert im Leistungszentrum. Mit der Zeit gewöhnt man sich an bestimmte Belastungen, ich habe es mir ja selbst ausgesucht. Ich empfinde es als positiven Stress.

Oscar Corrochano, heißt es, habe als Spieler schon gedacht wie ein Trainer. Stimmt das?

Ja, das kann man so sagen, aber ich habe nie laut gedacht (lacht).

Sie gelten als großes Trainertalent, es ist ohnehin viel die Rede von einer neuen Trainergeneration. Können Sie mit Schlagwörtern wie jung, modern, innovativ etwas anfangen? Oder dem berühmten Matchplan?

Natürlich kommen diese Schlagwörter vor. Wissen Sie, als Trainer braucht man einen Plan und eine Methodik. Man muss den Spielern seine Philosophie vermitteln. Es ist wichtig, die Tugenden, die früher im Vordergrund standen, nicht zu vernachlässigen: Einsatzwillen und die Bereitschaft, für den Mitspieler zu laufen.

Ist es nicht problematisch, dass von den Profis immer wieder Spieler abgestellt werden, die bei Ihnen spielen müssen und einen Einsatz bei der „Zweiten“ nicht selten als Degradierung empfinden?

Es ist die Aufgabe einer zweiten Mannschaft eines Profi-Klubs nicht nur Talenten, sondern auch Profis die Möglichkeit zu geben, über Spielpraxis sich wieder in den Kader zu kämpfen. Wenn ein junger Spieler das als Degradierung empfindet, hat er eine falsche Berufseinstellung. Dann hat er in der Mannschaft nichts verloren, denn es gibt hinten dran Spieler, die spielen wollen.

Gibt es auch andere Fälle? Stefan Bell sagte, er habe gerne Spielpraxis gesammelt bei der U23.

Das stimmt. Stefan Bell hat es im positiven Sinne vorgemacht und sich vorbildlich verhalten.

Was auffällt: Die Durchlässigkeit vom Regionalliga-Team zu den Profis ist nicht gewährleistet. Entweder schaffen die Talente den Sprung von der A-Jugend oder gar nicht. Weshalb?

Es ist sicherlich richtig, dass man heute aufgrund der besseren Ausbildung bereits in der U17 und U19 erkennen kann, ob ein junges Talent die Voraussetzungen mitbringt, im Profifußball Fuß zu fassen. Allerdings braucht jedes Talent Spielpraxis, um sich zu entwickeln. Da dient die U23 als wichtige Plattform und hat Bindegliedfunktion.

Dennoch: Yannick Stark etwa wurde von der AG übersehen, spielt jetzt beim FSV. Haben Sie da keinen Einfluss?

Eintracht Frankfurt hatte in der Zeit ein Überangebot an defensiven Mittelfeldspielern, ich war bei Yannick und seine Eltern noch zu Hause und wollte ihn zu einem weiteren U23-Jahr überreden. Im Nachhinein hat Yannick alles richtig gemacht, das freut mich für ihn, denn er hat sich immer korrekt verhalten.

Wie steht es mit Anthony Jung? Ihm trauen viele den Sprung zu.

Er hatte sich letzte Saison schon in den Vordergrund gespielt, vor kurzem bekam er eine Einladung zur U-20-Nationalmannschaft. Er muss aber weiter an sich arbeiten und seine Leistungen bestätigen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Armin Veh? Sie haben ja sogar eines der geforderten Praktika bei ihm absolviert.

Es ist ein Privileg, bei so einem erfahrenen Trainer sein Praktikum absolvieren zu dürfen. Wir sind in ständigem Kontakt mit dem Trainerteam, mit Reiner Geyer bin ich regelmäßig im Austausch.

Was ist Ihr persönliches Ziel? Wollen Sie Profitrainer werden?

Mittelfristig sehe ich mich im Leistungszentrum, der nächste Schritt im Profibereich wäre in einem Trainerteam als Assistenztrainer zu arbeiten. Profitrainer zu werden, ist langfristig mein Ziel.

Wäre es ein Traum, bei der Eintracht Cheftrainer zu werden?

Ich bin seit 1992 mit einigen Unterbrechungen hier. Deshalb habe ich eine enge Verbundenheit mit der Eintracht. Damit, denke ich, ist Ihre Frage beantwortet.

Das Gespräch führte Ingo Durstewitz

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