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SGE-Mitgliederversammlung Fischer legt gegen AfD nach

Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, erteilt Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung eine klare Abfuhr und ernet dafür stehende Ovationen von den Mitgliedern.

Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt
Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, hat seine Kritik an Rechtspopulisten erneuert - und dafür stehende Ovationen von den Vereinsmitgliedern bekommen. Foto: dpa

Die Wiederwahl von Peter Fischer zum Präsidenten von Eintracht Frankfurt war an diesem langen Tag am Riederwald in den Hintergrund gerückt. Dass er nach 18 Jahren für weitere vier Jahre den Verein repräsentieren würde, war kein großes Thema, es gab keinen Gegenkandidaten, mit 98,3 Prozent (643 Ja-Stimmen von 654 Stimmberechtigten), hat er ein hervorragendes  Ergebnis geholt.

Viel spannender war aber, wie er sich zu der seit Wochen schwelenden, von ihm im FAZ-Interview losgetretenen Debatte über AfD-Anhänger bei Eintracht Frankfurt äußern würde. Peter Fischer wählte am Sonntagmorgen vor knapp 800 Mitgliedern deutliche, klare Worte: „Ich nehme nichts von meinen Aussagen zurück oder relativiere sie“, sagte er unter lautstarkem Beifall. Der 61-Jährige bekräftigte eindringlich, keine Mitglieder der rechtspopulistischen Partei „Alternative für Deutschland“ in seinem Verein haben zu wollen. Wie, fragte Fischer, „soll es zusammenpassen, auf der einen Seite ein Willensbekenntnis zu unserer Satzung abzugeben und gleichzeitig eins zu der von den AfD-Funktionären propagierten Gesinnung? Das ist unvereinbar!“ Dafür bekam Fischer  stehend dargebrachte Ovationen.

„Wehret den Anfängen!“

Der Klub werde die politische Gesinnung und das Wahlverhalten seiner Mitglieder nicht überprüfen. „Wir erwarten aber, dass sich jeder dieser kritischen Selbstprüfung unterzieht“, sagte er. Er zählte die rassistischen Ausfälle in der AfD einzeln auf. Etwa die „Nachbar-Affäre“ von AfD-Bundessprecher Alexander Gauland gegen Nationalspieler Jerome Boateng, Halbbruder von Eintracht-Profi Kevin-Prince Boateng. Es gebe an der Stoßrichtung dieser Partie keine Zweifel, es spiele keine Rolle, was im Parteiprogramm stehe, „wenn Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung derart befeuert werden“, sagte Fischer: „Unsere Satzung sagt: Wehret den Anfängen! Wir müssen uns für die Verteidigung der Werte unserer Gesellschaft ohne Zweifel engagieren. Die sind viel stärker in Gefahr, als wir das wahrnehmen.“

Niemand werde gezwungen, Mitglied bei der Eintracht zu werden. „Wer aber beitritt, gibt eine Selbstverpflichtung ab, unsere Werte zu beachten“, sagte Fischer, dazu gehöre „das friedliche, diskriminierungsfreie Zusammenleben aller Menschen.“ Der Sport in diesem Verein sei „nicht unpolitisch. Die weltanschauliche Haltung einer Partei muss in Einklang mit unserer Satzung stehen.“ Die Gremien der Eintracht, aber auch viele Redner unterstützten Peter Fischer ausdrücklich, lobten seine Zivilcourage und seinen Mut.

Von Seiten der AfD gab es, obwohl etwa der ehrenamtliche Wiesbadener Stadtrat Michael Goebel anwesend war, keinen Redebeitrag.

Lebenslang Kovac

Zuvor ist Trainer Niko Kovac für 1899 Euro eine lebenslange Mitglied bei der Eintracht eingegangen. „Ich habe mich dafür entschieden, weil das hier meine erste Trainerstation in der Bundesliga ist. Das ist für mich eine Ehre. Ich möchte meine Zusammengehörigkeit mit der Eintracht demonstrieren. Irgendwann werde ich nicht mehr leben, aber bis dahin werde ich den Adler in der Brust tragen“, sagte er sichtlich bewegt.

Wirtschaftlich habe der Vereine „einen Satz gemacht wie einst Bob Beamon“, sagte Schatzmeister Thomas Förster. Die Einnahmen beliefen sich auf 10,5 Millionen Euro, der Überschuss beträgt knapp 475.000 Euro, der Verein habe Schulden in Höhe von einer Million Euro abbauen können.

Klub hat mittlerweile 50.000 Mitglieder

Auch die Eintracht Fußball AG, für die Vorstand Axel Hellmann sprach, habe „einen Boom und ein Wachstum“ erfahren, wie „ihn Eintracht Frankfurt noch nie erlebt hat“. In allen Bereichen habe „es solide Zuwächse“ gegeben. Mittlerweile hat der Klub 50.000 Mitglieder, Rekordumsätze im Merchandising und Ticketing folgten auf eine Vollauslastung aller Logen und den Businessplätze.

Hellmann plädierte dafür, das Stadion auf 60.000 Plätze auszubauen. „Es ist zu klein. Wir brauchen mehr Stehplätze.“ Hellmann sprach sich zudem gegen Groß-Investoren aus, „wir wollen unsere Unabhängigkeit behalten und unser Schicksal selbst bestimmen“. Zudem ist für ihn die Debatte um die Montagsspiele in der Bundesliga nicht abgeschlossen. „Unserer Ansicht nach sollten wir relativ schnell die Klubs, die es betrifft, zusammenholen und uns eine Meinung bilden, wie es weitergeht.“ Die Eintracht spielt am 19. Februar gegen RB Leipzig, es ist das erste von fünf Montagsspielen in dieser Saison. „Wollen wir die Montage? Wollen wir sie nicht, sind wir auch bereit, auf Geld zu verzichten? In welchem Maße?“, fragte Hellmann.

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