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Saison-Aus Eingestürzter Pfeiler

Für den Frankfurter Innenverteidiger Jesus Vallejo ist die Saison nach schwerer Oberschenkelblessur beendet.

Jesus Vallejo
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Jesus Vallejo am Ball und im Trikot der Eintracht. Foto: imago

Am vergangenen Samstag in Dortmund war Jesus Vallejo der auffälligste Spieler der Frankfurter Eintracht. Er trug mehr als eine Stunde lang einen weißen Turban, war also immer prima zu sehen. Der Verband, der an den legendären Dieter Hoeneß aus dem Pokalfinale anno 1982 erinnerte, war erforderlich geworden, weil der eigene Mitspieler Mijat Gacinovic den Spanier bei einem Kopfballduell schwer getroffen hatte. Vallejo trug eine blutende Platzwunde am Kopf davon. Er hielt dennoch die 90 Minuten bravourös durch.

Nun spricht alles dafür, dass dies der letzte Einsatz des 20 Jahre alten Verteidigers für Eintracht Frankfurt gewesen ist. Im Laufe dieser Woche hat sich Vallejo verletzt. Laut einer Mitteilung des Klubs hat sich Vallejo eine Verletzung im Muskelsehnenübergang im linken Oberschenkel zugezogen. Die spanische Sportzeitung „AS“ schrieb gar, dass dem Innenverteidiger eine Sehne im Bereich des sogenannten Musculus semimembranosus gerissen sei, der liegt knapp über dem Knie. Jesus Vallejo wird wenigstens sechs Wochen ausfallen, für ihn ist die Saison nach 24 Bundesligaspielen und einem Einsatz im Pokal beendet. Der letzte Spieltag ist am 20. Mai.

Der 20-Jährige soll sich bereits auf dem Weg nach Madrid befinden. Dort wird er sich von Ärzten von Real behandeln lassen, dort soll auch darüber entschieden werden, ob eine Operation erforderlich ist. Leihspieler Jesus Vallejo besitzt noch einen Vertrag bei Real Madrid bis 2021. Bereits am Mittwoch klagte der Spieler über Schmerzen im Oberschenkel, deswegen schickte ihn der Klub sofort zum Arzt. Eigentlich hatte Vallejo am Mittwoch einen Termin mit der Presse, dieser Termin wurde kurzfristig abgesagt.

„Für uns ist diese Nachricht in dieser so wichtigen Endphase der Saison ein erneuter Rückschlag. Jesus ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft und eine Stammkraft in unserer Abwehr. Natürlich ist es schwer, Jesus zu ersetzen, wir sind aber davon überzeugt, dass die Mannschaft dies auch wegsteckt“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner in einer ersten Reaktion. Er wünsche sich sehnlichst, Vallejo „nochmals im Eintracht-Trikot zu sehen“.

Das wird schwer. Am Ende der Saison hätte Vallejo ohnehin zu Real zurückkehren müssen. Laut spanischen Zeitungen habe Real geplant, Vallejo in den Kader für die Saison 2017/2018 aufzunehmen. Sicher war das jedoch nicht. „Für Jesus“, hatte sich Hübner in der vergangenen Woche zitieren lassen, „würden wir auch bis August warten“. Die Hessen hätten nichts dagegen gehabt, wenn Vallejo die Saisonvorbereitung bei Real absolviert hätte, um ihn dann kurz vor Transferschluss erneut für ein Jahr nach Frankfurt auszuleihen. Was jetzt mit dem Profi passiert, steht noch in den Sternen.

Der Ausfall des Stoppers, der vor allem in der Hinserie überragende Leistungen gebracht hat und einer der Gründe für den erstaunlichen Höhenflug der Eintracht war, ist natürlich für Trainer Niko Kovac ein Schlag ins Kontor. Gerade jetzt, da Eintracht Frankfurt vor zwei wegweisenden Begegnungen steht, erst am Samstag im Spiel gegen den FC Augsburg, in dem der Klassenerhalt klar gemacht werden soll, dann am Dienstag im Pokal-Halbfinale bei Borussia Mönchengladbach. Jesus Vallejo war ein entscheidender Pfeiler in einer über viele, viele Spiele sehr sattelfesten Hintermannschaft.

Allerdings fand auch er nach der Winterpause nicht mehr zu jener Form, die ihn in den ersten Monaten ausgezeichnet hatte. „Er ist eine Maschine“, hatte da Trainer Kovac voller Respekt über den zuvor weitgehend unbekannten Mann aus Saragossa gesagt. „Für sein Alter ist er unglaublich klar im Kopf.“ In der Rückserie war der Spanier ohnehin wegen eines Muskelfaserrisses und Problemen in der Wade für fünf Spiele ausgefallen. Auch die Sommervorbereitung hatte der 20-Jährige wegen muskulärer Probleme nicht komplett bestreiten können.

Nun wird Kovac erneut improvisieren müssen. Leicht wird das nicht. Im Grunde verfügt Eintracht Frankfurt aktuell über einen starken, bundesligatauglichen Innenverteidiger, David Abraham. Andersson Ordonez, im Winter aus Ecuador gekommen, hat Anpassungsschwierigkeiten an Tempo und Härte in der Liga. Dazu ist Marco Russ nach seiner Krankheit eigentlich noch nicht so weit, um eine adäquate Alternative zu sein. Er trainiert zwar seit der Winterpause regelmäßig mit, kam dennoch erst zu drei Einsätzen in der Rückrunde, nie über 90 Minuten. Bliebe noch Michael Hector, der Jamaikaner, der zwar anfangs 18 Spiele machte, zuletzt aber bei Kovac in Ungnade fiel und in den Spielen gegen Köln und Dortmund nicht in den Kader aufgenommen wurde. Nun wird Kovac wieder auf den 24-Jährigen zurückgreifen müssen, will er nicht Linksverteidiger Bastian Oczipka in die zentrale Deckung ziehen. Stabiler dürfte die Abwehr ohne Vallejo ganz sicher nicht werden.

Eintracht Frankfurt fehlen im Endspurt also bis auf weiteres drei absolute Leistungsträger, neben Vallejo stehen Makoto Hasebe (Knie-OP)und Alexander Meier nicht zur Verfügung (neben den Dauerverletzten Varela, Medojevic, Regäsel und Anderson). Immerhin sieht Meier, der an einer Fersenreizung leidet, etwas Licht am Horizont. Dem Fuß gehe es langsam besser, ob er für die letzten zwei, drei Spiele noch einmal zur Verfügung steht, ist offen, aber möglich. Ohnehin ist die Eintracht trotz aufgestockter medizinischer Abteilung und eingehender Prophylaxe vor Verletzungspech nicht verschont geblieben. Marco Fabian fehlte lange wegen Rückenbeschwerden, auch Ordonez, Danny Blum, Shani Tarashaj oder Tawatha kamen nicht ohne langwierige Blessuren oder Krankheit durch die Saison.

Aktuell hat auch der defensive Mittelfeldspieler Omar Mascarell Probleme mit seiner schmerzenden Achillessehne. Er konnte in dieser Woche nur individuell trainieren. Ein weiterer Ausfall eines Defensiven kann sich die Eintracht in ihrer momentanen Lage fast nicht mehr leisten.

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