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Remis gegen Ingolstadt Veh auf der Kippe

Der erhoffte Befreiungsschlag gegen Ingolstadt ist ausgeblieben, Eintracht Frankfurt tritt auf der Stelle und kommt nur zu einem dünnen 1:1. Es wird eng für Trainer Armin Veh.

Darf er bleiben, muss er gehen? Die wichtigste Frage an diesem Abend. Foto: dpa

Richtig spannend wurde es erst nach den 90 Minuten. Da herrschte im Bauch des Stadions hektische Betriebsamkeit. Vorstand Axel Hellmann eilte von seinem VIP-Platz auf der Haupttribüne hinunter ans Flatterband, nur um schmallippig mitzuteilen, dass er nichts zu sagen habe und nichts sagen werde. Daran hielt er sich eisern. Nur die sportliche Leitung solle sich in der jetzigen Situation äußern. Dann  stattete er der Spielerkabine von Eintracht Frankfurt einen Besuch ab, Präsident Peter Fischer war auch schon da, selbst Vorstand Oliver Frankenbach, für die Finanzen zuständig, ließ sich  im Spielerbereich blicken – das tut er sonst eher nicht.

Klubchef Heribert Bruchhagen, der Licht ins Dunkel hätte bringen können, war entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten nicht zu sehen. Die Gerüchteküche waberte, Spekulationen flogen hin und her. Wird Trainer Armin Veh diesen Abend überstehen?, lautete die große, die einzige Frage.

Sportdirektor Bruno Hübner, sichtlich angegriffen, eilte von einer Kamera zu nächsten: „Die Reaktion im Stadion ist natürlich kontraproduktiv. Das ist nicht hilfreich. Mir wäre es lieber, es wäre anders“, sagte der Manager. Hübner spielte damit auf die „Armin raus“-Rufe an, die während des Spiels schon durchs Stadion gellten und nach dem Abpfiff noch einmal besonders laut wurden. Schon vor dem Spiel wurde der Coach ausgepfiffen.

Zu Vehs Zukunft befragt, sagte Hübner: „Wir hinterfragen uns Woche für Woche. Wir lassen das jetzt erst mal sacken, verarbeiten und analysieren das. Und dann werden wir auch eine Entscheidung treffen.“  Interessantes Detail: Die Mannschaft wurde mit freundlichem  Beifall verabschiedet,  danach ertönten wieder laute „Armin-raus“-Rufe.

Russ stellt sich vor den Trainer

Armin Veh selbst blieb lange in seinem Trainerzimmer. Auf der obligatorischen Pressekonferenz wurde er natürlich auch zu seiner persönlichen Situation gefragt, was er glaube, was mit ihm geschehe. Die Antwort: „Weiß ich net. Keine Ahnung.“ Und die „Armin-raus-Rufe“? „Dazu will ich mich nicht äußern.“ Viel mehr sagte er nicht, er wirkte aber schon sichtlich angefasst. Dann stapfte er von dannen. Am Samstagabend war zudem noch nicht einmal klar, ob das sonntägliche Auslaufen nun um zehn oder um elf Uhr ist. Normalerweise steht der Trainingstermin fünf Minuten nach dem Schlusspfiff fest und wird vom Trainer kommuniziert. Veh stand auch dieses Mal nach der offiziellen Pressekonferenz für weitere Stellungnahmen nicht zur Verfügung.

Derweil stellte sich Kapitän Marco Russ vor den Trainer: „Ich hoffe, der Vorstand hört vor seiner Entscheidung die Mannschaft und fragt Spieler mit Erfahrung. Innerhalb der Mannschaft ist keiner gegen den Trainer.“ Und auf direkte Nachfrage sagte der Torschütze zum 1:1: „Die Mannschaft will den Trainer behalten. Wir schaffen es mit Trainer Veh da unten raus.“ Wer die Kabinenansprache gehört habe und danach gesehen habe, wie die Mannschaft gespielt habe, könne erkennen, dass das Verhältnis intakt sei.  

Und doch dürfte nach diesem enttäuschenden Remis gegen den Neuling FC Ingolstadt, der durch einen von David Abraham verschuldeten Handelfmeter durch Moritz Hartmann (8.) früh in Führung ging, gehöriger Redebedarf bestanden haben. Wie ist jetzt zu verfahren? Soll man Veh von seinen Aufgaben entbinden? Dafür spräche, dass die Eintracht weiterhin auf der Stelle tritt,  auch im siebten Spiel in Folge nicht gewinnen konnte und vor allem nach der Ingolstädter Führung komplett orientierungslos über den Platz stolperte. Und die Hessen haben zum vierten Mal hintereinander gegen einen schwachen Gegner nicht gewinnen können. Trainer Ralph Hasenhüttl sagte nach der Partie, die zu den schwächsten der Bayern gehörte, noch nie habe sein Team 21 Schüsse des Gegners zugelassen.

Für Veh spricht, dass die Eintracht nach seiner Kabinenansprache anders aufgetreten war und eine ansprechende Reaktion gezeigt hatte. Im zweiten Abschnitt erspielten sich die Frankfurter auch viele gute Möglichkeiten, von denen der eingewechselte und frischen Wind bringende Luca Waldschmidt die allerbeste aus elf Metern freistehend vergab (73.). Festzuhalten  bleibt aber auch: Ingolstadt hätte binnen 70, 80 Sekunden Minuten durch drei dicken Chancen davonziehen können, wenn nicht Torwart Lukas Hradecky erstaunlich gut pariert hätte.

Bei einer Niederlage, das war klar, wäre Armin Veh nicht mehr zu halten gewesen, bei einem Sieg hätte er weitermachen dürfen. Und bei diesem Remis? Nicht Fisch, nicht Fleisch. Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Vielleicht wird aber schon am Sonntag die Frage beantwortet, ob er bleiben darf oder gehen muss.  

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