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Reaktion auf FR-Interview Skibbe stellt Amanatidis kalt

Beim Eintracht-Trainer Michael Skibbe spielt der kritische Angreifer „vorerst“ keine Rolle mehr. Vom Verein bekam Amanatidis einen Maulkorb verpasst. Der Grieche reagiert gelassen. (mit Skibbes Aussage in der FR-Videokolumne "Waldstadion").

"Ich habe damit nicht angefangen, ich habe nur reagiert", sagt Ioannis Amanatidis. Foto: Alex Kraus

Beim Eintracht-Trainer Michael Skibbe spielt der kritische Angreifer „vorerst“ keine Rolle mehr. Vom Verein bekam Amanatidis einen Maulkorb verpasst. Der Grieche reagiert gelassen. (mit Skibbes Aussage in der FR-Videokolumne "Waldstadion").

Auf dem Weg von der Kabine zum Trainingsplatz sind die Profis von Eintracht Frankfurt am Donnerstag von einer Überraschung in die nächste gefallen. „Was? Echt. Wann?“ stotterte Stürmer Martin Fenin. „Das höre ich zum ersten Mal“, sagte Torhüter Oka Nikolov. Patrick Ochs, der Kapitän, wollte auch nichts sagen. „Ich muss mir erst eine Meinung bilden“, sagte er dann und stapfte aufs Feld.

Später, kurz vor dem mit zehnminütiger Verspätung beginnenden Nachmittagstraining, erfuhr die Mannschaft dann, was Trainer Michael Skibbe zuvor bei der obligatorischen Pressekonferenz schon den Reportern gesagt hatte: „Ioannis Amanatidis spielt keine Rolle mehr bei Michael Skibbe“.

Ein paar Sätze später wiederholte der Fußball-Lehrer: „Er spielt keine Rolle mehr in der Planung.“ Amanatidis dürfe noch mit der Mannschaft trainieren. Im Kader für die Bundesliga-Partie am Samstag gegen Bayer Leverkusen ? bei der auch der Einsatz von Pirmin Schwegler fraglich ist, der sich im Länderspiel verletzt hat ? werde er sicher nicht stehen. Skibbe hatte Amanatidis in der Kabine „kurz mitgeteilt“, dass er nicht mehr mit ihm plane.

Am späten Nachmittag schwächte die Eintracht Skibbes Darstellung per Pressemitteilung dann ab. Wahrscheinlich hat der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen interveniert. „Amanatidis spielt vorerst keine Rolle“, hieß es nun offiziell. Und weiter: „Michael Skibbe schloss jedoch nicht aus, dass der Eintracht-Stürmer bei veränderter Situation wieder Mitglied der Mannschaft werden könne.“ Was unter einer „veränderten Situation“ zu verstehen sei, wurde nicht näher erläutert. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass sich Ioannis Amanatidis von seinen Aussagen distanziert.

„Ich bin gelassen“

In der Pressemitteilung hieß es zudem, Skibbe und Bruchhagen hätten sich telefonisch „mit der Situation von Stürmer Ioannis Amanatidis abgestimmt“. Allerdings erst, nachdem Skibbe in der Pressekonferenz die Aussortierung ausgesprochen hatte. Amanatidis wurde von der Eintracht zudem aufgefordert, „jegliche Äußerung in der Öffentlichkeit zu seiner sportlichen Situation und über seinen Vorgesetzten Michael Skibbe zu unterlassen“.

Die Entscheidung, Amanatidis nicht mehr zu berücksichtigen, hatte Skibbe zunächst vor der Pressekonferenz nicht mit dem Vorstandsvorsitzenden Bruchhagen abgestimmt. Der Klubchef erfuhr davon erst durch einen Anruf eines Journalisten. Eine Begründung für diese Maßnahme gab Skibbe nicht. „Gibt es noch andere Themen? Sonst gehe ich jetzt zum Training“, sagte der 45-Jährige sichtlich angefressen. Alle weiteren Fragen zum griechischen Ex-Nationalspieler blockte Skibbe vehement ab.
Nach dem Training sagte Amanatidis, sichtlich entspannt: „Ich war in meinen ganzen Leben nicht so gelassen wie in der aktuellen Situation. Ich habe damit nicht angefangen, ich habe nur reagiert. Es ist mein Recht, über mich zu sprechen, wir leben ja in einem freien Land.“ Ansonsten akzeptiere er die Entscheidung des Trainers, er sei ja der sportliche Leiter. „Er hat eine andere Auffassung als ich.“

Amanatidis hatte zuletzt wiederholt mehr Einsatzzeiten gefordert und sich über mangelnde Wertschätzung und Dankbarkeit beklagt. In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau konterte er öffentlich auf Aussagen Skibbes. „Er hat gesagt, ich sei nicht fit und nicht mehr schnell genug und dass ich abbaue und nicht alle Trainingseinheiten absolvieren könne. Und da muss ich einfach reagieren. Das muss ich mir nicht gefallen lassen. Denn seine Aussagen sind schlichtweg falsch“, so der erboste Grieche.

Die Beziehung zwischen Trainer und Spieler hatte früh erste Risse bekommen, als Skibbe den 29-Jährigen vor eineinhalb Jahren als Kapitän abgesetzt. In der vergangenen Saison war der Grieche lange wegen eines Knorpelschadens ausgefallen. In dieser Runde stand der Angreifer, der bei den Fans hohes Ansehen genießt und als Identifikationsfigur in Frankfurt gilt, nur 345 Minuten auf dem Platz, davon nur viermal von Anfang an. Bereits im November hatte er das „fehlende Leistungsprinzip“ bei der Eintracht angeprangert.

Machtkampf

Amanatidis hatte bei seiner Kritik immer betont, dass es ihm nicht um einen Vereinswechsel gehe oder darum, an der Vormachtstellung seines erfolgreichen Landsmann Theofanis Gekas (14 Tore) zu rütteln. Der gut dotierte Vertrag des einstigen Torjägers läuft noch bis Sommer 2012. Dass er den Machtkampf mit Skibbe nicht fürchtet, hatte er schon vor seinem Rausschmiss angedeutet: „Mir kann hier keiner ans Bein pinkeln. Das prallt alles von mir ab“, sagte er der FR.

Bereits Ende November hatte Amanatidis in einem Interview mit der FR ähnlich kritische Aussagen über seinen Klub gemacht und „vom fehlenden Leistungsprinzip“ gesprochen. Damals wurde der 29-Jährige, der seit 2005 in Frankfurt spielt, 118 Spiele absolviert und dabei 36 Tore erzielte, sanft gedeckelt.

Die Entwicklung der Meinungsverschiedenheit zwischen Amanatidis und Skibbe, in den vergangenen Tagen und im vergangenen Herbst, können Sie in den folgenden Archiv-Artikeln nachlesen.

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