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Pokalsieg der Eintracht Das Wunder von Berlin

Mit Leidenschaft und Mentalität zwingt Eintracht Frankfurt übermächtig scheinende Bayern in die Knie und wird erstmals seit 30 Jahren wieder deutscher Pokalsieger.

Pokalsieg der Eintracht
Da muss er durch: Niko Kovac unter der Bierdusche. Foto: TOBIAS SCHWARZ (AFP)

Ganz spät am Abend, fast schon am frühen Morgen, ist dann auch noch Philipp Lahm zur Frankfurter Feiergesellschaft am Brandenburger Tor geeilt. Der EM-Botschafter des Deutschen Fußballbundes (DFB), der selbst den Pokal schon x-Mal in die Höhe hat stemmen dürfen, hatte es sich nicht nehmen lassen, dem Sensationssieger der 75. Auflage dieses DFB-Pokalfinales in Berlin, Eintracht Frankfurt, seine ganz persönliche Aufwartung zu machen. Der ehemalige Profi der Münchner Bayern weiß nur zu genau, wie süß solche Siege im gleißenden Rampenlicht schmecken. Und er erlebte auch einen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, der diese Frankfurter Mannschaft von oberster Stelle adelte: „Sie haben den Erfolg von Anfang an mehr gewollt. Sie haben mit ihrer Leidenschaft und Einsatzbereitschaft aus einem Sieg einen verdienten Sieg gemacht.“

Dann und nach einem kurzen Imbiss am opulenten Büfett im vornehmen Etablissement einer befreundeten Bank, entschwanden die Helden für einen Tag in die Berliner Nacht. „Heute geben wir Gas ohne Ende“, hatte Kevin-Prince Boateng schon kurz nach dem Abpfiff und dem ersten von vielen Kaltgetränken das Motto ausgegeben. Und anderntags enterten die Helden den Balkon auf dem Frankfurter Römer.

Es hat in der langen Geschichte des DFB-Pokalfinales lange keine Mannschaft gegeben, die so sehr in der ihrer Außenseiterrolle gefangen schien wie Eintracht Frankfurt. Wer sollte diesen übermächtig scheinenden FC Bayern schon in Gefahr bringen? Noch dazu, da er sich nicht für das am kommenden Samstag stattfindende Champions League-Finale in Kiew hatten qualifizieren können? Es ging für viele im Grunde nur darum, die Niederlage halbwegs in Grenzen zu halten und den neuen Bayern-Trainer Niko Kovac nicht schon vor seinem ersten Arbeitstag in München im Sommer zu beschädigen.

Und dann bekommt Mijat Gacinovic in den letzten Sekunden dieser packenden, dramatischen Partie nach einer Kopfballabwehr von Jetro Willems, gut 30 Meter in der eigenen Hälfte, den Ball. Er legt ihn an Kingsley Coman vorbei und hat freie Bahn, das Bayern-Tor ist verwaist, weil Schlussmann Sven Ulreich mit in den Frankfurter Strafraum gekommen war. Und Gacinovic, dem so viel in dieser Saison missraten ist, läuft. Er läuft und läuft. Und läuft.

Spätestens ab der Mittellinie steht die komplette Frankfurter Bank, sie sind längst aufgesprungen, die Ersatzspieler, die Physios, die Trainer. Und Gacinovic läuft weiter. Und schiebt den Ball dann endlich ins leere Tor – zu 3:1. Das halbe Stadion explodiert in diesem Moment. Gacivonovic läuft immer weiter, in die Fankurve, und wenn er dort nicht gebremst worden wäre, er wäre bis Warschau weitergelaufen. Sekunden später pfeift Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) an seinem Geburtstag die Partie ab – Eintracht Frankfurt ist durch einen sensationellen 3:1 (1:0)-Erfolg über den FC Bayern München Pokalsieger. Erstmals wieder seit 1988, erstmals seit jenem 1:0-Sieg über den VfL Bochum. Und dann brachen alle Dämme.

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