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Pokalfinale Das besondere Spiel

Wie Außenseiter Eintracht Frankfurt gegen den großen Favoriten Bayern München im Berliner Pokalfinale die Überraschung schaffen will.

Bayern-SGE
Das Objekt der Begierde im Blick: Jupp Heynckes (l.) und Niko Kovac vor dem Pokalfinale in Berlin Foto: afp

Natürlich ist der Frankfurter Trainer Niko Kovac auch gefragt worden, was denn alles zusammenkommen müsse, um am heutigen Samstag das Berliner Olympiastadion als Sieger zu verlassen. So furchtbar rosig sehen die Aussichten des krassen Außenseiters aus Frankfurt gegen schier übermächtige Bayern ja nicht aus. Jeder kennt die Zahlen, sie sind zum Endspiel noch einmal fein säuberlich aufgelistet: 22-mal im Pokalfinale, davon 18-mal den Pott gewonnen, keine Mannschaft in Deutschland hat das häufiger geschafft. Werder Bremen, das Team, das danach folgt, hat das Finale sechsmal für sich entschieden. Die Gemengelage ist klar: Als Eintracht Frankfurt hat man keine Chance, also nutze sie. „Wir müssen an unser Maximum herankommen, müssen alles abrufen, was uns stark gemacht hat“, sagte Niko Kovac dann, was sollte er auch anders sagen. „Und müssen hoffen, dass die Bayern keinen guten Tag erwischen. Dann können wir sie packen.“ 

Sollten die Überbayern in Normalform auftreten, „wird es sehr schwer für uns“. Dazu kommt: Die Münchner haben in dieser Pokalrunde die meisten Tore erzielt (20), dazu die Spitzenteams RB Leipzig, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen auf dem Weg ins 75. DFB-Pokalfinale ausgeschaltet. Eintracht Frankfurt weist dagegen immerhin die beste Defensive auf, nur einmal musste Lukas Hradecky in den fünf Pokalspielen hinter sich greifen, auf dem Weg nach Berlin hat der Finne, der ebenfalls sein letztes Spiel für die Hessen  bestreitet, stolze 93 Prozent aller Torschüsse abgewehrt. Auf ihn wird es ganz besonders ankommen. 

Einen Tag vor dem Anpfiff um 20 Uhr konnte man indes nicht den Eindruck gewinnen, der Rekordmeister und -Pokalsieger, anders als die Hessen erst am Freitagvormittag angereist, neige dazu, Eintracht Frankfurt zu unterschätzen. Mats Hummels, neben Jupp Heynckes auf dem Podium im Olympiastadion, adelte die Hessen gar als „eine sehr schwer zu bespielende Mannschaft“. Es sei dem FC Bayern bewusst, dass „eine schwierige Aufgabe“ auf ihn warte, dass „wir eine Top-Leistung abrufen müssen“. 

Auch Heynckes will die Eintracht nicht unterschätzen, sie habe trotz „einer Delle in den letzten drei, vier Spielen eine sehr gute Bundesliga-Runde gespielt“. Dazu sei es aller Ehren wert, bereits zum zweiten Mal hintereinander ein Finale „im deutschen Wembley“ erreicht zu haben. Höflich ist der Grandseigneur auch noch.

Dieses Spiel vor 74.000 Menschen wird weiter überwölbt von zwei außergewöhnlichen Personalien. Zum einen wird Nationaltorhüter Manuel Neuer nach achtmonatiger Absenz und dreifachem Fußbruch erstmals wieder im Aufgebot der Bayern stehen, aber nicht von Anfang an im Tor, wie Heynckes sagte (siehe nebenstehenden Bericht). Dann ist ja noch die „wunderbare Konstellation für die Medien“ (Heynckes), dass der alte Bayern-Trainer gegen den neuen Bayern-Trainer spielt. Heynckes selbst sieht das „alles sehr relaxed“. Für ihn ist es das letzte Spiel als Coach, ehe er in den Ruhestand zurückkehrt. „Mein Karriereende war ja 2013 mit dem Gewinn des Triple“, sagte der 73-Jährige. Dass die Partie heute Abend noch einmal emotional werden wird, steht für ihn außer Frage. „Ich weiß nicht, was passieren wird.“ 

Niko Kovac, ab Sommer der Neue an der Säbener Straße, wollte diesen besonderen Umstand ganz gerne kleinreden. „Das Jetzt ist entscheidend“, man habe „eine Aufgabe“, die wolle man bewältigen. Unübersehbar aber war, dass der 46 Jahre alte Fußballlehrer enorm angespannt wirkte, ja richtig schlecht aussah. Mit wächsernem Gesicht folgte er der Pressekonferenz, die ganze Situation schien ihm nahe zu gehen, schien ihm zuzusetzen. Da war kein bisschen Lockerheit zu spüren, keine Vorfreude auf die Partie. Man spürte förmlich den Druck, der auf ihm lastet.

Dazu bildete ausgerechnet Heynckes das komplette Kontrastprogramm. Heynckes, der einst in der Saison 1994/95 die Eintracht trainierte und mit der Suspendierung der Stars Tony Yeboah, Maurizio Gaudino und Jay-Jay Okocha verbrannte Erde hinterlassen hat, gab sich locker, entspannt und punktete gut gelaunt mit einem Spruch, als er gefragt wurde, warum Kapitän Thomas Müller nicht auf dem Podium saß: „Sie wissen ja, dass Thomas Müller gerne redet. Deshalb habe ich ihn direkt zum Hotel geschickt, damit wir zügiger vorankommen.“ 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Pokalfinale

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