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Niko Kovac Kovac zieht die Zügel an

Der Eintracht-Trainer will nichts mehr von Europa hören, seine Mannschaft wieder unbequemer sehen ? und das Thema Huszti abhaken.

Will sein Team wieder zurück zu den Basics führen: Eintracht-Trainer Niko Kovac.
Will sein Team wieder zurück zu den Basics führen: Eintracht-Trainer Niko Kovac. Foto: Jan Hübner

Gegen Ende des Gesprächs war es Niko Kovac ein dringendes Bedürfnis, noch einmal ein Thema aufzugreifen und es sodann auch ganz zu beenden, das die ganze Zeit so ein bisschen köchelte, aus aktuellem Anlass aber erneut aufgekocht war: Szabolcs Huszti.

Der Eintracht-Trainer hatte sich ein wenig daran gestört, dass vereinzelte Medien, darunter auch die FR, nach der Niederlage gegen Ingolstadt die Frage gestellt hatten, ob es wirklich so eine gute Idee war, den Ungarn nach China ziehen zu lassen, schließlich war er ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, die in der Hinrunde zu einem beachtlichen Höhenflug angesetzt hatte. Das lag irgendwie auf der Hand, weil im kommenden Bundesligaspiel am Samstag in Berlin der defensive Mittelfeldmann Omar Mascarell mal wieder gesperrt ist.

Kovac verteidigt die Entscheidung. Warum solle er, fragte er also, einen 33 Jahre alten Spieler zwingen, in Frankfurt zu bleiben und ihm „die Chance auf den besten Vertrag seines Lebens“ verbauen? „Er ist mit dem Kopf dann nicht mehr hier.“

Im Übrigen könnte Huszti der Mannschaft momentan sowieso nicht helfen, selbst wenn er noch bei der Eintracht unter Vertrag stünde. „Er würde nicht spielen, weil er immer noch verletzt ist. Er trainiert jetzt in China auch nur abgespeckt.“ Und Ersatz sei auf die Schnelle für den Routinier nicht zu bekommen gewesen.

Natürlich gebe es in der Bundesliga zwei, drei interessante Spieler, die er gerne in seinen Kader aufgenommen hätte. Doch dann rieb der Coach den Zeigefinger an den Daumen, klares Zeichen: keine Kohle vorhanden. So muss er also mit dem Personal auskommen, das er zur Verfügung hat. „Huszti ist nicht mehr da, und wir haben auch ohne ihn Spiele gewonnen.“

Das aktuelle Aufgebot soll das Beste herausholen und sich nach Kräften wehren, und vielleicht ist es ja auch in der Lage, einen Rang zu verteidigen, der am Ende einen Startplatz im Europapokal garantiert, auch wenn der Trend, die momentane Verfassung und die Ausfälle einiger Leistungsträger nicht unbedingt dafür sprechen. Kovac ist da auch eher skeptisch. Er wirbt und bittet inständig darum, in der Einschätzung realistisch zu bleiben. „Man sollte dieses Internationale einfach weglassen“, befand er. Natürlich sei „dieser Wunsch von jedem da“, doch es sei niemandem geholfen, wenn Erwartungen geschürt würden, um Sehnsüchte zu stillen. „Man muss die Fähigkeiten objektiv einschätzen“, betonte er. „Es tut keinem gut, sich Illusionen hinzugeben.“

Niederlagen sind kein Zufall

Er bleibe aus Überzeugung dabei, dass die Eintracht noch keine Elf beisammen habe, die sich auf Dauer weit oben im Klassement halten könne. „Spitzenmannschaften besiegen Teams, die im Keller sind“, schlussfolgerte er. Das sei der Eintracht in der Vergangenheit nicht immer gelungen. Darmstadt, Augsburg, Wolfsburg, Ingolstadt, zählte er auf. Dort seien wichtig Punkte liegengelassen worden. Kein Zufall.

Der Trainer, der auf den vom DFB für zwei Bundesligaspiele gesperrten David Abraham verzichten muss und mit diesem Urteil ganz gut leben kann, wolle seine Mannschaft den jüngsten Rückschlägen zum Trotz stets weiterentwickeln. Doch vielleicht, das steht unausgesprochen im Raum, habe man dem Team auch zu viel zugemutet, es schon weiter gewähnt, als es in Wahrheit ist. „Man stellt sich die Frage: Können wir schon den nächsten Schritt machen oder sind wir noch nicht so weit?“ Momentan würde sich der Coach die Frage so beantworten: sind noch nicht so weit. „Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei Schritte nach vorne zu kommen.“

Was das bedeutet, ist ebenfalls klar: Eintracht Frankfurt will zu den Basics zurückkehren. Eine andere Herangehensweise, ein dominanteres, selbstbewussteres, mutigeres Selbstbild soll erst einmal hintan gestellt werden, genauso wie die spielerische Weiterentwicklung. „Stabilität ist erst mal wichtig“, sagte Kovac. „Ich denke, dass die Mannschaft eine gewisse Sicherheit hat, aber die darf nicht in Nachlässigkeit münden.“ Dieses Gefühl hat der 45-Jährige aber ein wenig. „Wir haben bis jetzt eine gute Saison gespielt, aber das geht nicht von alleine. Wer glaubt, wir könnten alles mit links schaukeln, der irrt. Locker geht gar nichts in der Bundesliga.“

Schon im ersten Training der neuen Woche habe das seine Mannschaft auf dem Platz erlebt, da ging es um Kompaktheit, „verschieben, rausschieben, rüberschieben“, nannte es der Trainer. Die Intensität, die Präsenz und die Struktur auf dem Platz habe sein Ensemble nach oben geführt. Das alles sei zuletzt nicht mehr so vorhanden gewesen, er macht das auch an den vielen Torchancen fest, die die Eintracht den Gegnern zuletzt gestattet habe. „Vorher haben wir manchmal nur eine Chance zugelassen“, mittlerweile sind es deutlich mehr. „Das sind kleinen Punkte, in denen es nach unten geht.“

Die Eintracht sei immer unbequem zu bespielen gewesen, „das hat sich ins Negative verändert“. Das soll sich wieder umkehren. „Die Mannschaft hat schon im Training wahrgenommen, dass wir so nicht mehr auftreten können und ein anderes Gesicht zeigen müssen.“ Dann sei auch in Berlin trotz des personellen Engpasses etwas drin. „Aber nur mit einer ganz anderen Einstellung und Entschlossenheit.“

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