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Niederlage in Berlin Eintracht taumelt am Abgrund

Die Hessen verlieren erwartungsgemäß auch in Berlin und rutschen erstmals auf den Relegationsrang. Nach dem Abpfiff ertönen „Veh-raus"-Rufe.

Flugshow: Herthas Torschütze Mitchell Weiser wird von den Frankfurtern Marc Stendera (rechts) und Abraham bearbeitet. Foto: AFP

Langsam wird es zappenduster für Eintracht Frankfurt. Nach der nicht ganz unerwarteten 0:2 (0:0)-Niederlage bei Hertha BSC und den Siegen der unmittelbaren Konkurrenz von Werder Bremen und der TSG Hoffenheim sind die Hessen erstmals in dieser Saison auf den Relegationsplatz abgerutscht. Der Vorsprung auf den Tabellen-17., der TSG Hoffenheim, ist auf zwei mickrige Punkte geschmolzen.

In dieser Verfassung ist Eintracht Frankfurt nicht bundesligatauglich. Wenn sich nichts Gravierendes ändert, wird der Klub im Sommer den Gang in die zweite Liga antreten müssen, zum fünften Mal und genau 20 Jahre nach dem allerersten Abstieg. Auch für Trainer Armin Veh wird die Luft nun sehr dünn. Er macht sich vor allen Dingen durch seine Personalentscheidungen angreifbar. Kein Mensch versteht mehr, weshalb er etwa den völlig überforderten und nicht bundesligatauglichen Szabolcs Huszti immer wieder aufstellt. Es kommt zudem auch kein Impuls von außen mehr, es spielt fast immer dieselbe Elf. Da regiert nur noch das Prinzip Hoffnung. Doch das ist meistens auf Sand gebaut. Nach dem Abpfiff gellten „Armin raus“-Rufe durchs Oval.

„Die Angst geht um“, sagte Marco Russ. „Auch bei uns Spielern.“ Jeder könne sehen, dass die Mannschaft verängstigt sei. „Es geht nur zusammen, es bringt jetzt nichts, auf die Mannschaft einzuhämmern.“ Trainer Veh sah indes „ein Spiel auf Augenhöhe. Der Druck ist größer geworden, aber wir dürfen nicht verkrampfen.“

Keiner hat eine Idee

Schwerfällig und ohne Tempo schleppten sich die Hessen über das Feld. Da war keiner, der eine Idee hätte, der für etwas Esprit hätte sorgen können. Dazu entwickelten die Frankfurter mittlerweile so viel Torgefahr wie ein süßer Plüschhase. Seit fünf Stunden haben die Hessen nicht mehr getroffen, in diesem Jahr haben sie von sieben Spielen nur eines gewonnen. Von 24 Spielen blieben sie zehnmal ohne eigenes Tor. Das erinnert frappierend an die Saison 2011, als sie acht Spiele lang kein einzigen Treffer landete. Diese Mannschaft ist in dieser Verfassung dem Abstieg geweiht.

Dazu kommt: Hertha BSC, das den ersten Heimsieg in 2016 feierte, hatte gestern auch nicht gerade die Sterne vom Himmel gespielt. Den Berlinern reichte eine mäßige Leistung, um ohne großes Aufhebens zum Erfolg zu kommen. Selbst Hertha-Manager Michael Preetz sprach hinterher davon, dass „wir nicht gut gespielt haben. Es war eine zähe Angelegenheit.“

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Hinterher reklamierten die Frankfurter nicht ganz zu Unrecht eine Entscheidung des Schiedsrichters Knut Kircher (Rottenberg), der nach vier Minuten eine Rote Karte für Vladimir Darida hätten geben müssen, er hatte den allein durchgebrochenen Marco Fabian zu Fall gebracht. Klare Notbremse.

Der Frankfurter Trainer Armin Veh hatte dann tatsächlich den zuletzt so formschwachen Szabolcs Huszti im Team gelassen, allenthalben war erwartet worden, dass der Ungar eine Pause bekommen würden. Für den wegen Kniebeschwerden fehlenden Alexander Meier kam Stefan Aigner ins Team, Marco Fabian übernahm die Rolle des besten Torschützen im offensiven Mittelfeld. Und der Mexikaner war rasch im Fokus. Der Berliner Vladimir Darida hatte, 20, 25 Meter vor dem eigenen Tor, den Ball nicht unter Kontrolle bekommen können. Fabian spritzte dazwischen, holte sich die Kugel und wollte aufs Tor zu streben, doch der Tscheche hielt ihn am Trikot fest. Es war die Vereitelung einer Torchance, Fabian wäre durch gewesen, die beiden Berliner Außenverteidiger waren viel zu weit weg, um noch entscheidend eingreifen zu können. Doch Schiedsrichter Kircher beließ es nach einer kurzen Phase des Nachdenkens bei einer Gelben Karte. TV-Schiedsrichter Markus Merk urteilte klar: Rote Karte.

Zumindest der Einsatz stimmt

Es sollte lange Zeit die einzig aufregende Szene in einer vor allem in den ersten 45 Minuten sterbenslangweiligen Partie bleiben. Den Frankfurtern konnte man zumindest in puncto Einsatzwillen wenig vorwerfen. Sie zogen sich in der ersten Halbzeit gut aus der Affäre, wirkten bissig, störten früh und ließen den Tabellendritten nicht zur Geltung kommen. Torwart Lukas Hradecky hatte allenfalls Routinearbeit zu erledigen.

Die Eintracht machte das taktisch ganz geschickt, doch das Spiel nach vorne war geprägt von ziemlicher Harmlosigkeit. Bezeichnend waren die beiden Freistöße der Frankfurter aus recht vielversprechende Entfernung, die Huszti unmotiviert in die Mauer schoss. Ansonsten war es eher dünn, was die Eintracht in der Offensive zeigte. Huszti war ein Totalausfall, Aigner wirkungslos. Zudem sah er in der zweiten Halbzeit seine fünfte Gelbe Karte und wird deshalb am Samstag gegen den FC Ingolstadt nicht spielen können.

Doch je länger die Partie dauerte, desto besser kamen die bis dato total enttäuschende Hertha ins Spiel. Gerade erst kratzte Lukas Hradecky noch einen Kopfball von Niklas Stark aus dem Eck (61.), da gingen die Gastgeber in Führung. Marco Russ hatte einen Ball nicht unter Kontrolle bringen können, von seinem Schienbein prallte die Kugel zu dem knapp im Abseits stehenden Salomon Kalou, der flach auf Mitchell Weiser passte. Und der drosch die Kugel mit links unter die Latte. Es war ein Treffer, der so typisch war für diese so miese Saison. Es war eine Mischung aus Slapstick, Pech und mangelnder Klasse.

Immerhin reagierte Trainer Veh, nahm endlich den matten Huszti vom Feld und brachte Sonny Kittel. Keine 60 Sekunden später wäre dem Jungen fast der Ausgleich gelungen, sein Kopfball strich knapp am Tor vorbei (71.). Doch auch das war nur ein Strohfeuer. In der 79. Minute spazierte Kalou am linken Flügel entlang, Zambrano ging bestenfalls halbherzig zur Sache, ein Wackler und der Ivorer war so frei, mit links das 2:0 zu erzielen. Die Hertha hat gute Chancen, in der nächsten Saison europäisch zu spielen. Die Eintracht muss vielleicht nach Berlin-Köpenick reisen – zu Zweitligist Union Berlin.

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