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Niederlage gegen Bremen Happy End verpasst

In Unterzahl schlägt sich Eintracht Frankfurt lange Zeit wacker, muss in letzter Sekunde aber den Bremer Führungstreffer hinnehmen.

01.09.18: Bundesliga Eintracht - Werder 1:2
Schmerzhafter Zusammenprall mit Folgen - Jiri Pavlenko (re.) muss ins Krankenhaus, die Eintracht kam zum Ausgleich per Strafstoß. Foto: Stefan Krieger

Mitte der zweiten Halbzeit kam Carlos Salcedo wieder zurück, an zwei Krücken hinkte der eisenharte Verteidiger zur Ersatzbank, Daumen wollte er drücken, kicken konnte er ja nicht mehr. Nach nur zehn Minuten war ihm der Bremer Davy Klaassen zwar brachial, aber ungestraft in die Parade gefahren, mit Verdacht auf Bänder- oder Syndesmosebandriss im Sprunggelenk - eine genaue Diagnose ist erst heute möglich - war der Mexikaner ausgewechselt worden. Er sollte nicht der Einzige in diesem „rasanten und aufregenden Spiel“ (Bremens Trainer Florian Kohfeldt) bleiben, der gezwungenermaßen vorzeitig vom Feld musste. Es traf nacheinander noch Jetro Willems (Frankfurt, Rote Karte, 32.), Jiri Pavlenka (Bremen, Gehirnerschütterung, 54.) und Mijat Gacinovic (Frankfurt, Fußprellung einhergehend mit der Absage für die serbische Nationalmannschaft in dieser Woche, 68.), die die Partie nicht auf dem Rasen beenden durften. Es war also jede Menge los in diesem Spiel, wenn auch nicht ausschließlich sportlich, es gab zudem einen richtigen Einsatz des Videoassistenten, und dann schnurrte sich diese intensive, leidenschaftlich geführte Begegnung doch auf einen einzigen Moment zusammen, der über Sieg oder Niederlage entschied. 

Bruno Hübner verärgert

Sechs Minuten der siebenminütigen Nachspielzeit hatte Eintracht Frankfurt schon ungeschoren überstanden, ein allerletzter Freistoß noch, und dann zappelte der Ball nach feinem Kunstschuss des eingewechselten Milot Rashica zum 2:1 im Netz. Bitterer kann man kaum verlieren. Als „total ärgerlich“ empfand Sportdirektor Bruno Hübner den Genickschlag in allerletzter Sekunde, der seine über eine Stunde in Unterzahl spielende Mannschaft für „Herz und Leidenschaft“ überschwänglich lobte. „Kompliment an die Mannschaft.“

Es gab keinen im Umfeld von Eintracht Frankfurt, der nicht Moral, Einsatzwillen und aufopferungsvollen Kampfgeist des Teams gewürdigt hätte. Trainer Adi Hütter sprach gar davon, die Elf habe „heroisch gekämpft“, es sei schade und „sehr, sehr unglücklich“, dass man „das Unentschieden nicht hatte festhalten“ können, ergänzte der Coach. „Dieser Wille hat mir imponiert.“

Tatsächlich legte die Eintracht eine beeindruckende Einstellung an der Tag, mit allen Mitteln, hohem läuferischen Einsatz und kaum erlahmenden Willen versuchte sie, die Eselei von Linksverteidiger Jetro Willems zu kompensieren, der sich zu einer Tätlichkeit hatte hinreißen lassen. Wie sie das anstellte, war aller Ehren wert. „Darauf können wir aufbauen“, sagte Hübner. Physisch sei die Mannschaft „in einem guten Zustand“, mit zehn Mann spulten die Hessen beinahe so viele Kilometer ab wie Bremen mit elf, sie gewannen mehr Zweikämpfe. Umso bitterer, dass der Aufwand nicht mit einem Remis belohnt wurde, „ein Punkt wäre gut für die Moral gewesen“, sagte hinterher auch Rückkehrer Kevin Trapp. Der Punkt hätte sich wie ein Sieg angefühlt“, sagte Hütter, der Daichi Kamada am Freitag zum belgischen Erstligisten St. Truiden ziehen ließ. 

Eintracht Frankfurt hat sich, trotz unübersehbarer spielerischer Defizite, so teuer wie möglich verkauft. Gerade die 15, 20 Minuten nach der Pause, als die Gastgeber durch einen verwandelten Foulelfmeter durch Sebastien Haller (54.) zum Ausgleich gekommen waren, waren beachtlich; zeitweise hatten die zehn Frankfurter elf Bremer im Schwitzkasten. Sie machten ordentlich Druck, aber im Kern kamen sie viel zu selten gefährlich vor das nach Pavlenkas Auswechslung vom 18-jährigen Luca Plogmann gehüteten Tor. Die Statistik vermerkte fünf Frankfurter Torschüsse, das ist nicht viel für ein Heimspiel. Torchancen waren zudem rar gesät, außer dem Elfmeter hatte Haller noch zwei halbe Gelegenheiten. Immerhin gehörte sein Auftritt zu den positiven Aspekten dieses unerfreulichen Nachmittags. Wie schon in Freiburg traf der Franzose nicht nur ins Tor, sondern er hielt viele Bälle, machte ein gutes Spiel. 

Probleme in der Abwehr

Zu den Aktivposten gehörten ohne Zweifel erneut der junge Evan Ndicka, der von der Bank für Salcedo kam und erneut so spielte als habe er schon zig Bundesligaspiele auf dem Buckel. Auch Filip Kostic steigerte sich im zweiten Abschnitt enorm, schaufelte sieben Flanken in den Strafraum. Nur seine (zu flachen) Ecken waren ein Ärgernis. Ohnehin machten die Hessen viel zu wenig aus ihren Standards, acht Ecken verpufften weitgehend im Nirgendwo. Gerade wenn fußballerisch nicht sonderlich viel geht, sollte man den ruhenden Bällen mehr Aufmerksamkeit widmen. Zumal ausreichend kopfballstarke Spieler (Torro, Haller, Abraham, Ndicka) zur Verfügung stehen. 

Noch nicht sattelfest steht die Abwehr - trotz eines Nationaltorhüters Kevin Trapp im Kasten. Kapitän David Abraham wackelte zumindest im ersten Abschnitt ganz bedenklich, vor dem Führungstor der Bremer durch Yuya Osako (20.) verpasste er mit langem Bein den Ball, auch sonst wirkte er unsicher. Immerhin steigerte er sich in Halbzeit zwei, rettete einmal per Kopf auf der Linie (77.). Insgesamt lassen die Frankfurter zu viele Möglichkeiten des Gegners zu, neun Gegentore aus den ersten vier Pflichtspielen sind zu viel.

An der Viererkette will Trainer Hütter vorerst nichts ändern. „Die Viererkette gefällt mit“, sagte er. Salcedo zumindest wird ihm eine Weile fehlen. Ob Hütter dann wieder auf Makoto Hasebe zurückgreifen wird? Am Samstag fand sich für den Japaner, der das Spiel lesen kann, kein Platz im 18-Mann-Kader. Er habe nicht „drei Verteidiger“ auf die Ersatzbank setzen wollen, erklärte Hütter. Allerdings hätte Hasebe auch im defensiven Mittelfeld Verwendung finden können - so viele Strategen hat die Eintracht auch wieder nicht in ihren Reihen.

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