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Neuzugang bei der Eintracht Heiko Butscher will Frankfurt rocken

Eintracht-Neuzugang Heiko Butscher über seine Liebe zum Schlagzeugspielen, zur Rockmusik im allgemeinen und seinen sportlichen Führungsqualitäten.

04.02.2012 06:00
Heiko Butscher greift an. Foto: Heiko Rhode

Eintracht-Neuzugang Heiko Butscher über seine Liebe zum Schlagzeugspielen, zur Rockmusik im allgemeinen und seinen sportlichen Führungsqualitäten.

Herr Butscher, haben Sie schon Ihr Schlagzeug mit nach Frankfurt gebracht?

Nein, noch nicht. Wir haben ja noch keine Wohnung gefunden. Aber das kommt dann auf jeden Fall mit. Ich kann aber alle Vermieter beruhigen. Ich habe ein E-Schlagzeug, es ist quasi lautlos.

Wir haben Sie ja sogar auf Youtube Schlagzeug spielen sehen. Respekt.

Das war in Freiburg im Jazzhaus. Die Session ist aufgezeichnet worden und irgendwie bei Youtube gelandet. War eine lustige Geschichte. Noch lieber spiele ich Vibraphon, das liebe ich.

Wie kommt man als Kind auf die Idee, Schlagzeug zu spielen?

Ich komme aus einem kleinen Dorf mit einem Musikverein. Und da sucht man sich kein Instrument aus, sondern spielt das, was noch fehlt. Ich habe aber gesagt, wenn ich mitmache, dann am Schlagzeug. Schlagzeug fand ich immer cool. Da war ich zehn. Ich habe dann intensiv gespielt bis 19. Es ist ja sehr zeitintensiv: „Jugend musiziert“, Auftritte mit der Band“ ? parallel noch drei-, viermal Training. Irgendwann musste ich mich entscheiden zwischen der Musik und dem Fußball.

Also hätten Sie auch professioneller Musiker werden können.

Ja, es wes war mal kurz angedacht, auf eine Musikschule zu gehen. Aber ich denke, ich habe mich richtig entschieden.

Auf welche Musik stehen Sie?

Es müssen Gitarren dabei sein, ich bin schon der Rocker, es geht in die Punkrichtung. Foo Fighters sind da sehr angesagt.

Haben Sie Vorbilder? Lars Ulrich, den Schlagzeuger von Metallica etwa?

Ja, absolut. Metallica und sein Schlagzeugspiel waren prägend für mich. Es hört sich relativ einfach an, ist aber unheimlich schwer zu spielen.

AC/DC ist Ihnen zu simpel, zu banal?

Ist nicht mein Fall. Habe auch schlechte Erinnerungen daran, auf St. Pauli läuft doch immer Hell’s Bells ? da habe ich schon zwei, dreimal 5:0 verloren. Das kann ich nicht mehr hören, das Lied. Ich freue mich auch deshalb in Frankfurt zu sein, weil meine Frau und ich jetzt auch mal auf Konzerte gehen können. Im Sommer kommt doch Bruce Springsteen hier zu uns ins Stadion. Da freue ich mich jetzt schon drauf.

Gehen Sie nach einem verlorenen Spiel in den Keller und lassen am Schlagzeug Dampf ab?

Absolut. Wenn ich früher aus der Schule kam und direkt in den Keller bin, wusste meine Mutter ungefähr, welche Note ich mit nach Hause gebracht hatte. Man kann Aggressionen rauslassen, das hilft mir auch heute noch. Das ist einfach Ablenkung, da denkst du an nichts mehr.

Herr Butscher, kommen wir dann doch mal zum Sport. Sie werden mit Martin Amedick die neue Innenverteidigung bilden.

Ist das so? Vielleicht spiele ich ja auch links.

Kann sein. Können Sie wirklich links spielen? Sie sind doch Rechtsfuß.

Ich würde sagen, ich war mal Rechtsfuß. Ich hatte mir beim Skateboard fahren den rechten Fuß verletzt. Und mir wurde auch gesagt, ich solle den linken trainieren, da hätte ich im Profifußball mehr Chancen. Das habe ich gemacht, und heute ist der linke mein stärkerer Fuß, die langen Bälle etwa spiele ich mit links. Und wenn ich meine Profizeit mal Revue passieren lasse: Die Hälfte meiner Spiele habe ich sicher auf der linken Seite gemacht.

Sie sind ? genauso wie Amedick ? als Führungsspieler geholt worden. Sehen Sie sich selbst so?

Ich habe mit dem Begriff so meine Schwierigkeiten. Was ist ein Führungsspieler? Ich denke, es ist einer, der konstant seine Leistung bringt. Ich finde es problematisch, wenn jetzt über mich gesagt wird, dass da einer kommt, der die Mannschaft mitreißt. Ich kann ja nicht hier herkommen und alles einreißen. Das geht doch nicht, was wäre ich da für ein Typ? Das geht nicht in zwei, drei Wochen. Aber ich denke, dass ich zwei, drei Attribute habe, die ich einbringen möchte. Vielleicht gerade in Situationen, wenn es mal nicht so läuft und man mal im Rückstand liegt oder so. Dann ist es wichtig, dass man positiv vorangeht, marschiert oder die Kameraden auch mal verbal mitreißt. Das kann einer alleine nicht. Da braucht man drei, vier Spieler. Man braucht aber keine elf Lautsprecher. Das funktioniert auch nicht.

Wie ist das denn genau in Freiburg abgelaufen. Weshalb wurden Sie aussortiert?

Wenn ich genau wüsste, wie es abgelaufen ist, würde ich es sagen. Der Verein hat am letzten Trainingstag die Entscheidung getroffen und gesagt, er plane nicht mehr mit mir. Ich hatte nicht damit gerechnet. Es ist ja so: Man freut sich auf zwei Wochen Urlaub, auf Weihnachten, die Familie , und auf einmal saß ich Auto ? und es war vorbei. Das hat mich sehr getroffen, daran hatte ich zwei, drei Wochen zu knabbern, da habe ich mich abgeschottet. Aber irgendwann war klar, dass es weitergehen muss ? und da kam der Anruf von Armin Veh zum perfekten Zeitpunkt. Jetzt freue ich mich riesig auf die Eintracht. Potenzial steckt in der Mannschaft, und doch glaube ich: Man kann noch was rauskitzeln.

Das Gespräch führten Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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