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Mijat Gacinovic Der Neue: Schmächtig, aber schnell

Mijat Gacinovic unterschreibt bei Eintracht Frankfurt einen Vierjahresvertrag und soll als Alternative zu Takashi Inui auf dem linken Flügel flitzen.

12.08.2015 17:00
Peter Lohrum
Den Dolmetscher an der Seite: Mijat Gacinovic (links) mit Landsmann Slobodan Medojevic. Foto: Jan Huebner

In den letzten Tagen war er im Grunde nur ein Phantom, der junge Serbe Mijat Gacinovic. Gefühlt war er schon Spieler der Frankfurter Eintracht, angekündigt seit Wochen, verpflichtet auch, aber gesehen hatte ihn am neuen Arbeitsplatz noch keiner. Noch am Dienstag hatte Trainer Armin Veh gewitzelt, „ob es den überhaupt gibt“. Seit Mittwoch haben Veh und alle anderen, die es mit der Eintracht halten, Gewissheit. Gacinovic hat nicht nur einen Vierjahresvertrag in Frankfurt unterschrieben, er hat nun auch zum ersten Mal mit der Mannschaft trainiert. Medienchef Markus Jestaedt hatte den noch etwas schüchternen jungen Mann um 11 Uhr persönlich von der Kabine hinunter zum Platz gebracht. Dort durften dann erste Fotos geschossen werden. Gacinovic wird die Nummer „11“ auf dem Trikot tragen.

Eineinhalb Stunden und eine Übungseinheit später stand der vorerst letzte Neuzugang den Medienvertretern zu einem ersten Interview zur Verfügung. Die letzten Tage seien „stressig“ gewesen, sagte er, weil er Fußball spielen wollte, aber noch nicht durfte. Papiere hatten gefehlt, die für Aufenthaltserlaubnis und Arbeitserlaubnis eines nicht EU-Bürgers in der EU notwendig waren.

Durch die Verzögerungen sei er im Moment „nicht in bester Form“, gab er zu, eine gute Woche habe er nicht richtig trainiert, nur für sich selbst geübt. In seiner serbischen Heimat Novi Sad hat er dies getan, zuletzt auch hier in Frankfurt. Den vertragstechnischen Umweg über den zypriotischen Klub Apollon Limassol konnte auch der Spieler selbst nicht erklären. Er habe jedenfalls nie in Limassol trainiert oder gespielt, ein „Investment-Fonds“ habe den Wechsel von Serbien über Zypern nach Frankfurt abgewickelt. Die Eintracht hat die angebliche 1,5 Millionen-Euro-Ablöse nach Zypern überwiesen.

Am Mittwoch waren sie nun alle froh, dass der Wechsel in trockenen Tüchern war. Gerade auch der Frankfurter Trainer, hat er doch nun sein Aufgebot zusammen. Gacinovic sei ein „Riesentalent“, lobte Armin Veh. „Er ist schnell und wendig.“ Und er könne auf allen drei Positionen im der Offensive spielen.

Geholt haben ihn die Frankfurter aber als Linksaußen. Dort besteht Bedarf, nachdem Takashi Inui trotz bester Anlagen keine Konstanz in seine Leistungen bringt. Gacinovic und Inui sind durchaus ähnliche Spieler. Beide sind ausgesprochene Leichtgewichte, beide haben ihre Stärken mit dem Ball am Fuß, beide können über Dribblings helfen, auch mal festgefahrene Spiele wieder aufzulösen.

Genau so einen Spieler hatte die Eintracht gesucht, als Konkurrenz zu Inui. Der erste Kandidat war der Schalker Sidney Sam gewesen, dessen Wechsel war nach einem nicht zufriedenstellend verlaufenen Medizincheck abgeblasen worden. Nun also statt eines deutschen Nationalspielers aus der Bundesliga ein serbisches Talent aus einer hierzulande wenig bekannten Liga. „Mijat hatten wir schon immer im Kopf“, versichert der Eintracht-Trainer, der sich auch beide Spieler, Gacinovic und Sam in seinem Kader hätte vorstellen können. Sam ist im Moment allerdings kein Thema mehr.

Die erste Kontaktaufnahme zwischen Trainer und Spieler fand auf Englisch statt. Deutsch spricht der 20 Jahre alte serbische U 20-Weltmeister noch nicht. „Doch das muss er schnell lernen“, fordert Veh. Bis dahin wird er die Anweisungen in Englisch geben oder in schwierigen Fällen auch auf die serbischen Kollegen Aleksandar Ignjovski oder Slobodan Medojevic als Dolmetscher zurückgreifen.

Die Landsleute hätten ihm schon viel erzählt vom Verein und würden ihm auch die „tolle Stadt“ zeigen, berichtete der Neue mit der auffallenden Frisur, die ein bisschen was von einem Irokesenschnitt hat. Angebote habe er viele gehabt aus Europa, das Frankfurter aber sei das beste gewesen. „Die Eintracht ist genau der richtige Klub für mich, um den nächsten Schritt zu tun“, glaubt er.

Der erste Trainingseindruck habe dies bestätigt. Schneller gehe es zu in der Bundesliga, vor allem aber robuster. Das könnte dem schmächtigen Gacinovic durchaus schwerfallen, entgegensetzen will er seine Schnelligkeit. „Ich bin nicht so stark, deshalb muss ich schnell sein“, lautet sein einfaches Motto. Die Ziele seines neuen Arbeitgebers hat er schnell verstanden. Vielleicht könne man „Europa“ erreichen, hofft er. Beim ersten Schritt am Sonntag in Wolfsburg wird er sicher nicht dabei sein.

Für das Auftaktspiel zeichnet sich auf der Position, die in Zukunft auch Gacinovic einnehmen könnte, eine kleine Überraschung ab. Beim Trainingsspielchen durfte sich am Mittwoch links Luca Waldschmidt in der Stammelf versuchen. Der Japaner Inui kickte bei den Reservisten. Er hat sich zuletzt wohl ein paar Fehlpässe zu viel geleistet.

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