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Mijat Gacinovic Auf der Lauer

Eintracht-Flügelspieler Mijat Gacinovic legt zu und wittert seine Chance. Der Serbe sammelt in der Vorbereitung auf die Rückrunde einige Pluspunkte.

Herausforderer aus der zweiten Reihe: Mijat Gacinovic. Foto: Heiko Rhode

Der junge Mann hat Manieren. Trotz Eiseskälte zieht Mijat Gacinovic zur Begrüßung die Handschuhe aus. Der Flügelspieler der Frankfurter Eintracht lächelt aufmerksam, gibt bereitwillig und umfassend Auskunft über seine Befindlichkeit, anfangs in deutscher Sprache, ehe er sich doch lieber ans Englische hält. Als das Gespräch vorüber ist, schüttelt er erneut die Hand und wünscht alles Gute. „Habt einen schönen Tag, bye-bye.“ Es gibt Fußballprofis, deutlich ältere, mit einem anderen Auftreten und anderer Kinderstube.

Mijat Gacinovic, 20 Jahre jung, ist ein gefragter Gesprächspartner in dieser Zeit, weil er einer dieser Spieler ist, die aus dem Schatten ins Licht getreten sind. Er ist der Beweis, dass man dranbleiben muss, dass man sich nicht entmutigen lassen darf, wenn es mal nicht so läuft und man vielleicht auch mal kurz davor ist, die Flinte ins Korn zu werfen.

Gacinovic ist in Frankfurt kein Senkrechtstarter, ganz im Gegenteil. Er hat mehr als ein Vierteljahr gar nicht gespielt, saß nicht mal auf der Ersatzbank, sondern schmorte auf der Tribüne. Eine schwere Zeit, an der andere fast zerbrechen. Und auch jetzt, als die Eintracht den vielzitierten Reset-Knopf gedrückt hat und einen Neustart wagen will, war von Gacinovic keine Rede. Da standen in erster Linie die Neuzugänge im Fokus. Einige sprachen von Verteidiger Kaan Ayhan aus Schalke, die meisten aber von Szabolcs Huszti, der aus China in die Bundesliga zurückkehrte, und vor allem von Marco Fabian aus Mexiko, den die Hessen für 3,5 Millionen Euro von Deportivo Guadalajara loseisten. Das waren die Hoffnungsträger. Gacinovic schien im neuen Offensivzirkel der Eintracht unterzugehen.

Doch der serbische Angreifer bewies zuletzt, dass er sehr wohl eine Alternative ist, im Training und in den Testspielen zeigte er mehr als gute Ansätze und heimste gar ein Sonderlob von Trainer Armin Veh ein, der gleichzeitig dem arrivierten Rechtsaußen Stefan Aigner einen Schuss vor den Bug versetzte: „Gacinovic war zehnmal agiler als Aigner“, sagte er nach dem Testspiel gegen Eintracht Braunschweig (3:3).

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Gacinovic, so etwas wie ein Dribbelfloh, spürt, dass er Boden gut gemacht hat. „Ich will jetzt so weitermachen“, sagt er. Er fühle sich sehr gut, komme immer besser auf Touren. „Ich bin glücklich, wie es zurzeit läuft.“

Die Anfangszeit sei schon nicht einfach gewesen, aber keinesfalls frustrierend oder deprimierend. „Ich wusste, dass ich zu Beginn nicht spielen werde.“ Zumal er körperlich auf dem Zahnfleisch ging, eine hartnäckige Krankheit habe ihn aus der Bahn geworfen. In dieser körperlichen Verfassung, das ahnte er, würde er keine Chance haben, im neuen, fremden Umfeld sofort eine prägende Rolle einzunehmen. „Ich brauchte Zeit, das war mir klar.“ Mittlerweile hat er aufgeholt, an Masse zugelegt. „Als ich kam, hatte ich 63 Kilo. Jetzt sind es 68“, sagt er. Die Muskeln, die er im Kraftraum aufbaut, sind ausgeprägter geworden. „Ich bin stärker und kräftiger geworden.“

Aha-Erlebnis gegen Mainz

Und mittlerweile ist er angekommen, in der Mannschaft und in der Stadt. „Ich kannte ja gar nichts von Deutschland“, befindet er. „Auch nicht außerhalb des Platzes. Jetzt fühle ich mich großartig.“ In Sachsenhausen hat er eine schöne Bleibe gefunden.

Für Gacinovic, für den die Eintracht immerhin 1,5 Millionen Euro an FK Vojvodina Novi Sad überwies und der zwischenzeitlich schon beinahe als Fehleinkauf abgestempelt wurde, gab es ein einschneidendes Erlebnis, sein Debüt in der Bundesliga in Mainz. Ende November beorderte ihn Trainer Veh quasi aus dem Nichts in die Startelf. Und der Flügelspieler, der am liebsten Linksaußen oder auf der Zehn spielt, zeigte eine gute Leistung, spielte frech drauflos. Das liegt ihm, er ist es, der für eine andere Note im schablonenhaften Eintracht-Spiel sorgt, weil er auch mal wagemutig ins Dribbling geht und neue Spielsituationen schafft. Für ihn war das Mainz-Spiel eine Art Aha-Erlebnis. „Von diesem Zeitpunkt fiel mir vieles leichter, weil ich gemerkt habe, dass der Unterschied nicht so groß ist und ich mithalten kann“, sagt er. „Das war ein wichtiges Spiel.“

Ob Gacinovic, dessen Vorbild der brasilianische Superstar Neymar ist, nun am Sonntag gegen Wolfsburg tatsächlich für Stefan Aigner auflaufen wird oder sich der Coach doch für die bewährte Variante entscheidet, ist noch offen. Doch Gacinovic, der zweimal in der Woche mit einem Lehrer Deutsch paukt, hat Pluspunkte gesammelt. Nicht zu wenige.

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