Lade Inhalte...

Marco Russ Einmal blanko durch den Fleischwolf

Marco Russ genießt, schweigt nicht und will weiter auf der Welle surfen.

Marco Russ
Immer noch zweikampfstark: Marco Russ (re.). Foto: Jan Hübner

Marco Russ hatte es sich gerade gemütlich gemacht auf der Ersatzbank in Augsburg, die Trainingsjacke hoch unters Kinn gezogen, es war kalt, und da half auch nicht der Freudensprung nach dem sehr frühen Tor nach 52 Sekunden. Marco Russ hatte sich kaum gesetzt, da wurde es ernst für ihn. David Abraham, der Kapitän, hatte signalisiert, nicht weiterspielen zu können, die Wade machte Probleme, also musste der alte Fahrensmann ran. Und zwar sofort. 

Die Wahrheit ist: Der 33 Jahre alte Haudegen war eigentlich gar nicht bereit dafür, völlig kalt, „blanko“, wie er selbst sagte, kam er ins Spiel. Das Warmmachen vor der Partie hatte er eher nachlässig gehandhabt, was ein bisschen verständlich ist. Normalerweise rechnet kein Ersatzspieler damit, schon nach drei Minuten gefordert zu sein. „Das war der erste Mal, dass mir das passiert ist“, sagte Russ, und er hat einiges erlebt bei mehr als 300 Bundesligaspielen.

Klug und mit Auge

Russ brauchte einige Zeit, ehe er sich in die Partie gefunden hatte, mit dem sehr agilen und spielstarken Brasilianer Caiuby hatte er seine liebe Mühe und Not. Auch wenn es nicht so schlimm war, wie er selbst urteilte: „Caiuby hat mich im ersten Abschnitt komplett durch den Fleischwolf gedreht.“ Dafür sah er noch ganz schön frisch aus, der Routinier. Er biss sich in die Partie und trug seinen Teil dazu bei, dass ein Gegentreffer erst in der Schlussminute fiel, als alles gelaufen war.

Vor allem war es Marco Russ, der das entscheidende 3:0 einleitete. Er war es, der mit einem feinen langen Ball den schnellen Danny da Costa auf die Reise geschickt hatte, und Russ ging, kaum war der Ball von Ante Rebic über die Linie gedrückt, jubelnd auf die Knie, die Fäuste geballt.

Hinterher bescheinigte ihm Trainer Adi Hütter, „eine ordentliche Partie“ gespielt zu haben. Klar, er ist nicht mehr der Schnellste, das war er nie, und er kann Abraham, was das Tempo angeht, sicher nicht das Wasser reichen. Aber er spielt sehr klug und mit Auge, er weiß, wie er sich zu verhalten hat.

Wann immer er gebraucht wurde, stand er seinen Mann, dreimal in der Liga, zweimal in der Europa League, und wann immer er gespielt hat in dieser Saison, hat sein Team gewonnen. Marco Russ ist kein Stammspieler mehr, das sind Abraham und der blutjunge Evan Ndicka, aber das nimmt der gebürtige Hanauer mittlerweile entspannt. Er hat das längst akzeptiert, genießt die Einsätze, die er bekommt, genießt den Moment und die Erfolgsserie mit der Eintracht. Es sei einfach nur „schön, in solch einer Situation zu sein“. Vermutlich wird Russ auch am Donnerstag gegen Olympique Marseille zum Einsatz kommen, es ist ja kaum noch ein Verteidiger da, Abraham dürfte seine Blessur auskurieren, dazu ist der andere Innenverteidiger, Carlos Salcedo, nicht für internationale Spiele gemeldet. Russ wird auch dieses Spiel in vollen Zügen genießen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen