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Marco Russ Bemerkenswert gut

Eintracht-Routinier Marco Russ präsentiert sich im Herbst seiner Karriere in Topform und sorgt für Torgefahr aus den hinteren Reihen.

Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln
Seriös und torgefährlich: Zopfträger Marco Russ. Foto: Stefan Krieger

Im Grunde sind Tore nach Standards das leichteste von der Welt. Zumindest wenn es nach Marco Russ geht. „Du brauchst mir nur auf den Kopf schießen“, habe der Verteidiger ihm mit auf den Weg gegeben, sagte Marius Wolf, der Mann bei Eintracht Frankfurt für die ruhenden Bälle. Gesagt, getan. 

Den in den Strafraum gechippten Ball verlängerte Marco Russ mit dem Hinterkopf, sanft senkte sich der Ball ins Netz zum 2:1, es war die prompte Antwort auf das zwischenzeitliche 1:1 der Kölner und der Auftakt zu acht furiosen Minuten. Marco Russ, in Abwesenheit von Alex Meier der dienstälteste Frankfurter Profi, hat damit seine ohnehin bärenstarke Vorstellung mit 88 Prozent gewonnenen Zweikämpfen und den meisten Ballkontakten (88) aller Frankfurter Spieler gekrönt. 

„Es freut mich riesig für Marco“, sagte   Sportvorstand Fredi Bobic. „Das wird ihm einen Schub geben.“ Russ hat ja eine lange Leidenszeit hinter sich bringen müssen, seit seiner Krebserkrankung vor mehr als eineinhalb Jahren gehört er nicht mehr zum Stammpersonal. In dieser Runde ist er bislang auf zehn Einsätze gekommen, die wenigsten von Anfang an. Nur im Pokalwettbewerb hat er alle Spiele gespielt.

Marco Russ trifft wie kein Zweiter

Mittlerweile ist der 32-Jährige auf dem besten Weg, an die Form vor seiner Erkrankung anzuknöpfen. Er hat nicht nur sein Leben gerettet, sondern sich mit unbändigem Willen zurückgekämpft. Er ist wieder auf dem Damm. Gegen Köln hatte er, bis auf einen kleinen Wackler, alles komplett im Griff, er lieferte eine sehr seriöse Partie ab, war immer auf der Höhe, auch sein Spielaufbau war erstaunlich gut.

Russ ist der einzige Verteidiger von Eintracht Frankfurt, der verlässlich bei seinen Vorstößen für eine gewisse Torgefahr sorgt. Russ, in Hanau geboren und bis auf ein eineinhalbjähriges Gastspiel beim VfL Wolfsburg immer bei der Eintracht am Ball, hat in 294 Bundesligaspielen stolze 24 Tore erzielt. Und es gibt seit vielen, vielen Jahren keinen Eintracht-Verteidiger, der ähnlich torgefährlich ist: Weder David Abraham, Carlos Salcedo, Michael Hector, Jesus Vallejo, Bamba Anderson, Carlos Zambrano, Heiko Butscher, Gordon Schildenfeld, um einige zu nennen, strahlten im gegnerischen Strafraum Torgefahr aus. Nur Maik Franz, der in der Saison 2009/2010 sechsmal traf, oder mit Abstrichen Alexander Madlung hatten stürmische Phasen.

Der Treffer gegen Köln war der erste nach der Krebserkrankung im Mai 2016. Zuvor hatte Russ am 24. April beim wichtigen 2:1-Erfolg über Mainz 05 getroffen. Und dann im Relegationsspiel gegen Nürnberg ins eigene Tor - einen Tag, nachdem er von seinem Krebs Kenntnis bekam. Im Augenblick gibt es keinen Grund, den Familienvater wieder aus der Mannschaft zu nehmen. Nun schielt er auf der Zielgerade seiner Karriere sogar noch mal nach Europa: „Je länger wir oben drin bleiben, umso größer wird die Chance“, sagte Zopfträger Russ.

Auch beim zweiten Treffer nach ruhendem Ball hatte Russ seinen Schädel im Spiel. Die Flanke von Wolf berührte er knapp, den Abpraller bugsierte Simon Falette zum 3:1 ins Tor. Es war der allererste Treffer des Franzosen für die Eintracht, entsprechend glücklich war er. „Es war nicht das schönste Tor, aber es zählt genauso. Es war an der Zeit, dass auch mal die Verteidiger dran sind und treffen“, sagte der Verteidiger, der 22 Spiele Anlauf bis zu seinem ersten Volltreffer benötigte. Dabei hätte der vom FC Metz gekommene Defensivmann mit Schwächen im Spielaufbau schon im allerersten Saisonspiel im August beim SC Freiburg zwingend treffen müssen. Da köpfte er eine Flanke mutterseelenallein vor dem leeren Tor daneben. 

„Meine maximale Anzahl an Toren in einer Saison liegt bei vier. Ich habe jetzt mein Konto eröffnet, ich hoffe, es geht so weiter“, sagte er. Seine Kernaufgabe ist dennoch, zunächst einmal die gegnerischen Stürmer an die Kette zu legen. Schon damit ist er ausgelastet genug.  

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