Lade Inhalte...

Marco Fabian Die Suche nach den Laufwegen

Eintracht Frankfurts neuer Mexikaner Marco Fabian muss seinen Platz im Team noch finden. Die Eintracht lässt dem Mann mit den Jugendsünden eine Intensivbetreuung zukommen.

Will sich nur noch auf Bälle konzentrieren: Marco Fabian. Foto: Heiko Rhode

Marco Jhonfai Fabian de la Mora, der neue Stürmer von Eintracht Frankfurt, ist momentan jener Spieler des hessischen Bundesligisten, der von allen am meisten beobachtet wird. Trainer, Kiebitze, Journalisten, vermutlich auch seine Mitspieler, gucken im Trainingscamp in Abu Dhabi schon sehr genau hin, was das für einer ist, der da im mitspielt. Was kann er denn, der neue Mann aus Mexiko? Haris Seferovic, der mit dem Neuen auf Spanisch parlieren kann, hat ihn schon als „lockeren Typen“ ausgemacht. Alexander Meier, der Kapitän der Mannschaft, hat eine erste, vorsichtige Einschätzung gegeben, wonach Fabian „ein Super-Fußballer“ sei, der „fußballerisch keine Probleme“ habe, mitzuhalten. „Mit ihm und Szabolcs Huszti haben wir zwei Spieler dazubekommen, die Tore schießen und neue Spielsituation kreieren können.“ Meier hat also schon mal den Daumen gehoben.

Ein abschließendes Urteil über Marco Fabian, den mit 3,5 Millionen Euro teuersten Einkauf der vergangenen Jahre, kann man sich natürlich nach einer ersten Trainingswoche nicht bilden, auch das gestrige Testspiel gegen Al-Ahli Dschidda aus Saudi-Arabien hat noch keine wesentlichen Aufschlüsse gegeben. Der 26 Jahre alte mexikanische Nationalspieler, bis 2019 gebunden, braucht Zeit, um sich umzustellen, sich an das fraglos höhere Tempo zu gewöhnen. Das hat schon Trainer Armin Veh gesagt: „Es wird dauern, bis Marco weiß, wie wir spielen.“

Es ist auch noch nicht ganz heraus, wo Fabian genau spielen soll. Er wurde geholt für den vakanten Posten auf dem (seit Takashi Inuis Weggang) verwaisten linken Flügel, aber in den Trainingseinheiten hat der Mittelamerikaner da nur ab und an gespielt. Klar, Veh probiert im Moment eine Menge aus, schiebt mal Huszti auf den Flügel, aber Fabian kommt ganz gerne durch die Mitte. Viele seiner in der Tat schönen Tore hat er aus zentraler Position heraus erzielt, er gilt zudem als Vorbereiter, als einer der hinter oder neben dem Stürmer agiert. Ihn kann man auch anspielen, wenn er gedeckt ist; auch unter Druck, sagt Veh, könne er den Ball behaupten. Er sei einer, ergänzt Sportdirektor Bruno Hübner, „der ballsicher ist und den Ball schnell in die Spitze spielen kann“.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Im Training hat Fabian noch so seine Schwierigkeiten. Er ist nicht oft am Ball, spielt ein bisschen schlampig ab, weiß noch nicht so genau, wo die genauen Laufwege hingehen sollen. Aber das sind die ganz normalen Anpassungsschwierigkeiten, aber wie gesagt: Der Mann ist gerade mal eine Woche dabei. Seine Schusstechnik ist wirklich gut. In Mexiko hat er in 263 Pflichtspielen für Deportivo „Chivas“ Guadalaraja und CD Cruz Azul 60 Tore erzielt und 38 vorbereitet. Dazu war Fabian bei der WM in Brasilien in allen Spielen der Mexikaner zum Einsatz gekommen, er wurde 2011 Sieger beim Gold-Cup und 2012 Olympiasieger in London. Der Mann kann also kicken, die Frage ist nur: Wie schnell findet er sich in der Fremde zurecht? Den Fehler, ihn, wie im Fall des Brasilianers Caio, allein zu lassen, wird die Eintracht dieses Mal sicherlich nicht mehr machen. „Er bekommt eine Intensivbetreuung“, sagt Hübner, zudem kümmern sich des Spanisch mächtige Spieler wie David Abraham, Carlos Zambrano oder Seferovic um den Neuen.

Veh wird Fabian Zeit geben. Er schätzt die Einstellung mexikanischer Spieler, sie seien diszipliniert und arbeiteten hart, sagte der Coach kürzlich, der beim VfB Stuttgart gute Erfahrungen mit Pavel Pardo und Ricardo Osorio gemacht hat, zwei Mexikaner, mit denen er seinerzeit Deutscher Meister wurde. Auch Marco Fabian, dessen Vater Marco Antonio Fabia Vazquez ebenfalls Fußballprofi in Mexiko war und als Trainer arbeitete, sagt, er wolle sich unbedingt in Europa durchsetzen. „Europa war mein Traum.“ Dass er in Frankfurt gleich die – von Vaclav Kadlec abgelegte – Nummer zehn bekommen hatte, erfülle ihn ebenfalls mit Ehrfurcht. Er wolle diesen Erwartungen gerecht werden. „Ich weiß, dass ich in Deutschland viel arbeiten muss“, sagt er. Informationen über die Bundesliga, die er beim letzten Hinrundenspiel gegen Werder Bremen schon als Zuschauer im Stadtwald genießen konnte, und seinen neuen Klub hat er sich von seinem Landsmann Javier „Chicharito“ Hernandez besorgt, der momentan bei Bayer Leverkusen für Furore sorgt. „Chicharito ist einer meiner besten Freunde“, sagt Fabian, seit der Jugend habe man gemeinsam bei Chivas gespielt. „Er hat mir viel erzählt.“ Zudem laufe die Bundesliga häufig im Fernsehen in Mexiko, erzählt Fabian.

Und natürlich sind auch seine Eskapaden hierzulande ein Thema. Fabian eilt der Ruf voraus, gerne auf Partys zu feiern und bisweilen auch über die Stränge zu schlagen, es gab verbandsinterne Sperren. Auch sein seltsamer Jubel – er deutete eine Erschießung an – war gewöhnungsbedürftig. Er tauchte nicht nur auf den Sportseiten, sondern auch in den Klatschspalten auf. Er habe daraus gelernt, sagt Hübner, in den Vorgesprächen habe sich Fabian als seriöser, pünktlicher, gewissenhafter Mann gezeigt. „Alles alte Geschichten“, sagte Fabian bei seiner Vorstellung, als er in weißem Hemd und mit Krawatte erschien. Fünf, sechs Jahre sei das her, Jugendsünden sozusagen. Mittlerweile sei er erwachsener geworden, reifer. „Ich will zeigen“, ließ er übersetzen, „dass ich professionell arbeiten kann.“ Hübner sagt noch, dass Eskapaden außerhalb des Spielfeldes seinerzeit auch bei Haris Seferovic ein Thema gewesen seien. Das habe man „prima in den Griff bekommen.“ Und Hübner hofft, dass Fabian die gleiche Rolle spielen wird wie Seferovic.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Kontakt
  • Wir über uns
  • Impressum