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Marco Fabian Der Azteke mit dem besonderen Etwas

Der Frankfurter Spielgestalter Marco Fabian hält 90 Minuten durch und dreht gleich am Schwungrad.

Eintracht Frankfurt vs SV Hamburg, Frankfurt Main, Germany - 18 Mar 2017
Nichts verlernt: Marco Fabian (rechts) gegen Gotoku Sakai. Foto: EPA

Hinterher war selbst Marco Fabian überrascht, 90 Minuten durchgespielt zu haben. Und wie: Er spulte erstaunliche 10,27 Kilometer ab, hatte die drittmeisten Ballkontakte, zog 24 Sprints an und war gleich mittendrin im Spiel, nur einen Torschuss brachte er nicht zuwege. „Jetzt bin ich ein bisschen müde.“

Man kann das verstehen. Fabian lag lange auf Eis, sehr lange, die Bandscheibe hatte auf den Ischiasnerv gedrückt, er konnte sich kaum bewegen, weshalb der Mexikaner beinahe zwei Monate lang nicht trainieren konnte und erst nach einer wahren Ärzte-Odyssee halbwegs hergestellt ist. Erst in der Woche vor dem Bayern-Spiel hatte der 27 Jahre alte Spielgestalter wieder trainingshalber an den Ball gedurft. Doch das hat schon ausgereicht, gleich ein Bundesligaspiel über die volle Distanz machen zu können.

Das verdeutlicht auf der anderen Seite aber auch, wie eng die Personaldecke bei Eintracht Frankfurt gewebt ist, wie groß die Not war und wie wichtig ein kreativer Spieler wie Fabian für die spielerisch doch inzwischen arg limitierte hessische Mannschaft geworden ist. „Abgesprochen war, dass ich so lange spielen sollte, wie die Füße tragen“, sagte Fabian, der jetzt die Länderspielpause nutzen will, körperliche Defizite aufzuarbeiten, um endlich 100-prozentig fit zu werden. Die Länderspiele mit Mexiko in dieser Woche hat er abgesagt, er wolle stattdessen in Frankfurt trainieren.

Immerhin hat der lädierte Rücken gehalten. Es hat in diesem zähen Spiel gegen den HSV ein paar harte Zweikämpfe gegeben, zudem Bodychecks und einige Fouls, doch Marco Fabian hat das gut wegstecken können. „Man muss so eine Verletzung auch ausblenden können“, sagte er. „Ich habe mich voll reingelegt.“ Schmerzen hat er keine verspürt. Das ist die gute Nachricht.

Denn ohne Marco Fabian, den 3,5 Millionen-Einkauf aus dem Winter 2016, geht nicht mehr viel bei Eintracht Frankfurt. In den 15 Spielen, in denen Fabian in dieser Runde gespielt hat, haben die Hessen 26 Punkte geholt, aus den zehn Spielen, in denen er fehlte, nur zehn Zähler, mit ihm erzielte das Team 20 Tore, ohne ihn nur sechs. Auch am Samstag gehörte Fabian gleich zu den Aktivposten, er versuchte jedenfalls, den Ball in die Tiefe zu spielen, gefährliche Situation zu kreieren. Und selbst in der allerletzten Aktion des  Spiels, als Danny Blum auf dem linken Flügel auf und davon zog, war es der Mexikaner, der noch mal bis in den Fünfmeterraum sprintete. Das Abspiel kam zu ungenau, ansonsten wäre Fabian sogar zum Mann des Tages geworden, denn er stand einschussbereit vor dem Tor. Besser wäre aber ohnehin gewesen, Blum hätte den Ball quer zu Taleb Tawatha gepasst, der blank vor dem Tor gestanden hätte.

Kovac indes war nicht überrascht, dass Fabian so lange hatte durchhalten können. „Marco ist ein Azteke, die können laufen ohne Ende“, sagte er schmunzelnd. Aber auch er fand es bemerkenswert, dass Fabian nach der langen Pause derart gut spielte. Aus diesem Holz sind Führungsspieler geschnitzt.

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