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Marcel Daum Der Analyst

Marcel Daum, einst in Diensten der Frankfurter Eintracht, liefert nun in Leverkusen die Daten ab.

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Adlerauge: Marcel Daum. Foto: imago

Eigentlich, sagt Marcel Daum und da spricht der Fußballästhet aus ihm und nicht der Analyst, eigentlich könnte dieses Spiel am Sonntag Abend „auch 5:5 ausgehen“. Auf beiden Seiten, sowohl bei Eintracht Frankfurt als auch bei Bayer Leverkusen, balle sich förmlich gewaltige Angriffswucht. „Die offensive Qualität auf beiden Seiten ist massiv“, sagt Daum.

Und wenn das einer beurteilen kann, dann er. Marcel Daum war sieben Jahre, von 2011 bis zum Sommer 2018, Analyst bei den Hessen, und in dieser Funktion ist er das jetzt bei Bayer. Er kennt beide Mannschaften aus dem Effeff, kennt das Potenzial von Haller, Rebic, Jovic genauso gut wie das von Volland, Bellarabi, Alario, und deshalb könnte es ein wirkliches Offensivspektakel werden, wenn beide Teams ins Rollen kommen. „Ich freue mich auf dieses Spiel.“ Dabei, und das ist das Kuriose, ist Marcel Daum ein 1:0 allemal lieber als ein 4:3, „da bin ich eher auf der Seite von Niko“. Niko ist Niko Kovac, der alte Trainer der Eintracht, der, anders als Nachfolger Adi Hütter, dann doch eher vorsichtig und zurückhaltend agiert hat. Mittlerweile, sagt Daum, spielt die Eintracht „Männerfußball gepaart mit einer ordentlichen Portion Offensivgeist.“

Aus dem Schatten des Vaters getreten

Es ist das erste Mal, dass Daum Junior im Dress von Bayer 04 im Frankfurter Stadion ist, es ist natürlich kein kreuznormales Spiel für ihn, auch wenn der 32-Jährige nicht, wie er selbst sagt, „der Überemotionale“ ist. Ohnehin hat Bayer am Donnerstag noch in Nikosia gespielt, auch diese Begegnung auf Zypern hatte, wie jene der Eintracht in Rom, keine sportliche Bewandtnis mehr, ab Freitag aber begann das leichte Kribbeln. Er hat sich ja ausgesprochen wohl gefühlt in Frankfurt, zudem ist einer seiner beiden Söhne im Bürgerhospital zur Welt gekommen. Marcel Daum hat Spuren hinterlassen bei der Eintracht, er hat auf dem Feld der analytischen Spiel- und Gegnervorbereitung neue Wege beschritten, hat die Professionalisierung auf diesem Gebiet vorangetrieben. „Und ein bisschen hat unsere Arbeit auch dazu geführt, dass wir im Mai den goldenen Pokal in den Händen halten durften.“

In Frankfurt ist Marcel Daum auch aus dem Schatten seines zuweilen übermächtigen Vaters Christoph getreten. Er war schon dabei, als der erfolgreiche Trainer bei Fenerbahce Istanbul arbeitete. In Frankfurt aber hat er sich freigeschwommen, hat sich bei der Eintracht einen eigenen Beritt geschaffen, hat sich emanzipiert von seinem Vater. Mit ihm kam Marcel im März 2011 zur Eintracht, als es dem Klub richtig dreckig ging. Daum Senior hat der Eintracht ein paar legendäre Bonmots hinterlassen, „Denkgefängnis“ zum Beispiel, oder „das dritte Bein“, aber er konnte den Verein nach „der Rückrunde der Schande“ (Präsident Peter Fischer) nicht vor dem Abstieg bewahren. Danach ging Christoph, Marcel aber blieb. Und arbeitete als Analyst den Trainern Armin Veh, Thomas Schaaf, erneut Veh und schließlich Niko Kovac zu. Viele tausend Gigabyte an Daten und Fakten von Gegnern hat Marcel Daum, der einst Unternehmensberatung studiert hat, ehe er zum „Sportlab“ des 1, FC Köln ging, auf seiner Festplatte gespeichert, ein wahrer Schatz, auf den er zurückgreifen kann. 

In Leverkusen ist seine Aufgabe noch ein Stückchen „verantwortungsvoller“ geworden, sagt er, der mittlerweile auf der Bayer-Ersatzbank Platz nimmt, „um noch schneller und direkter Einfluss nehmen zu können“. Die Arbeit ist im Kern gleich geblieben, „alle Trainer erwarten von uns Input“. Also liefert der Chefanalyst Anschauungsmaterial vom Training, von speziellen Spielsituationen, von Angriffsvariationen oder Standards und alles zum Gegner. Inzwischen hat die Werkself die kleine Krise überwunden, in die sich die Eintracht gerade hineinmanövriert, was aber nicht heißt, dass Bayer als hoher Favorit in diese Partie geht. „Die Entwicklung der Eintracht ist sehr positiv“, sagt Daum und lehnt sich dennoch aus dem Fenster: „Bayer gewinnt.“ Sein Tipp: 1:2. 

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