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Marc Stendera Stendera macht auf sich aufmerksam

Marc Stendera wird bei seinem Comeback von den Fans gefeiert – und der Mann aus dem eigenen Stall spielt so, als sei er nie weg gewesen.

Eintracht Frankfurt
Erzielte in dieser Szene fast noch ein Tor: Marc Stendera (links). Foto: Imago

Mit dem unschuldigen Wörtchen Neuanfang konnte Marc Stendera wenig bis gar nichts anfangen. „Dazu möchte ich nix sagen“, sagte der Mittelfeldspieler der Eintracht, der an diesem denkwürdigen Abend in Frankfurt beinahe wie Phönix aus der Asche emporgestiegen war.

Für den 22-Jährigen war diese glorreiche Nacht eine ganz besondere, eine, die er lange nicht vergessen wird. Denn Marc Stendera ist quasi aus dem Schatten hinausgetreten und direkt hinein ins Rampenlicht katapultiert worden. Er hat es genossen. „Das waren schöne Momente“, sagte der Akteur, der die vielleicht schwerste Zeit als Fußballprofi durchlebt. Oder durchlebt hat? Zumindest sieht der Mann aus dem eigenen Stall einen Silberstreif am Horizont, zuletzt fristete er doch ein Dasein im Trüben und Düsteren. 

Fans skandieren Stenderas Namen

Und dann wurde Stendera gegen Lazio im Europacup unter dem frenetischen Applaus der ohnehin völlig euphorisierten Zuschauer nach 87 Minuten eingewechselt, es war das erste Mal, dass er überhaupt im Kader stand, das erste Mal im neunten Pflichtspiel der Saison. Es dauerte nicht lange, ehe die Fans seinen Namen skandierten, explizit ihn abfeierten, ihm damit auch zu verstehen gaben, dass sie seine Loyalität und Treue zu schätzen wissen und ihn nicht vergessen haben.

Auch nach dem Abpfiff, als die Spieler den grandiosen 4:1-Erfolg vor der Fankurve zelebrierten, setzten nochmals Stendera-Sprechchöre ein. Dem Eigengewächs ging das alles runter wie Öl, er kostete es förmlich aus. „Das bedeutet mir sehr viel“, sagte er. Das ist nur zu verständlich. 

Stendera dreht mächtig auf

Das Besondere an Stenderas Kurzauftritt am Donnerstagabend: Obwohl er nicht mal zehn Minuten auf dem Feld stand, genügte ihm die Zeit, um nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. In der Schlussphase lief im Grunde jeder Angriff über den Kasselaner, er drehte mächtig auf. Nach einem Pass von Ante Rebic und einer feinen Körpertäuschung hätte er sogar fast noch einen Treffer erzielt, doch Lazio-Torwart Silvio Proto konnte seinen Schuss parieren. Und Sekunden vor dem Abpfiff leitete er das Tor zum 4:1-Endstand mit einem Dribbling und einem Zuspiel auf Taleb Tawatha ein.

Das Bemerkenswerte: Stendera spielte so, als sei er nie weg gewesen, mit Selbstvertrauen und Übersicht. „Es war auch ein optimales Spiel, um reinzukommen“, räumte er ein. Er habe diesem Moment entgegengefiebert, und er wusste, dass er etwas zeigen musste. „Wenn du die Chance bekommst, dann musst du versuchen, sie zu nutzen. Ich habe auf meine Chance gewartet und viel dafür getan. Ich habe mich gefreut, ein paar Minuten gespielt zu haben.“ 

Die Rückkehr des hochbegabten Technikers war deshalb speziell, weil er quasi schon aussortiert war – zumindest von der Sportlichen Leitung. Manager Bruno Hübner hatte ihm erst Anfang der Woche wenig charmante Worte mit auf den Weg gegeben. Stendera habe sich „ein Stück weit selbst verloren“, er sei „gar nicht mehr zu greifen“.

Trainer Adi Hütter bewertet das ein wenig anders. „Ich war nicht der, der davon gesprochen hat, dass ich mit diesen Spielern nicht mehr arbeiten möchte“, sagte er. „Sobald jemand das Gewand von Eintracht Frankfurt anzieht, behandele ich ihn entsprechend. Wenn ich das Gefühl habe, dass sie zum Einsatz kommen sollen, dann schmeiße ich sie rein. Das werde ich allein entscheiden.“ Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung für den scheinbar hoffnungslosen Fall Marc Stendera.

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