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Lukas Hradecky Abschied von der Spinne

Torwart Lukas Hradecky hätte bei Eintracht Frankfurt zur Galionsfigur aufsteigen können, wenn er geblieben wäre. Den Finnen könnte es nach Leverkusen ziehen.

Fussball 1.Bundesliga, FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt
Wird demnächst wahrscheinlich für Bayern Leverkusen durch die Luft fliegen: Lukas Hradecky. Foto: Jan Huebner

Am vergangenen Samstag auf Schalke, in seinem allerletzten Bundesligaspiel für Eintracht Frankfurt, hat Lukas Hradecky noch einmal alle Facetten seines Wesens gezeigt. Im Spiel hielt der Schlussmann das, was es zu halten gab, gerade in den Duellen Stürmer gegen Torwart war er unbezwingbar; danach am Flatterband trug er sein Herz auf der Zunge und redete nach dem Verlust der Europa League meinungsstark Tacheles. Lukas Hradecky ist keiner, der schnell zu Schönfärberei oder floskelhaften Phrasen neigt. Wenn er was zu sagen hat, dann sagt er es, auch unbequeme Wahrheiten, und er tut das in seinem lustigen Deutsch und meist garniert er alles mit einem freundlichen Lächeln. Der Mann hat in den drei Jahren Bundesliga bei Eintracht Frankfurt nichts an Authentizität eingebüßt, er hat sich auch nicht verbiegen lassen. Und sich seinen eigenen Kopf bewahrt.

Nun steht der 28 Jahre alte Ballfänger vor seinem allerletzten Auftritt mit der Eintracht, es ist sein ganz persönliches Abschiedsspiel. Es ist ein würdiger Rahmen für den tadellosen, loyalen Sportsmann, das Pokalfinale am kommenden Samstag gegen den FC Bayern. Ohnehin ist der dünne Schlacks der beste Torwart dieser Pokalsaison, in fünf Spielen kassierte Hradecky lediglich ein einziges Gegentor, beim 2:1-Erfolg nach Verlängerung im Achtelfinale beim Zweitligisten 1.FC Heidenheim, allein Marc Schnatterer hatte den Schlussmann überwinden können, ansonsten blieb seine Weste weiß.

In Berlin wird es ein Spiel mit Wehmut sein, denn er hat sich pudelwohl gefühlt in der Stadt, im Klub, wo er hoch respektiert und ein prima Standing hat. Doch er wird weiterziehen, wahrscheinlich zu Bayer Leverkusen, dort wird er mehr verdienen als die drei Millionen Euro per annum, die ihm die Hessen für eine Vertragsverlängerung hatten bieten wollen. „Es wäre das Allergrößte, zum Schluss noch mal den Pott hochzuhalten“, hat er gesagt. An ihm soll es sicher nicht scheitern, auf ihn wird es ankommen. „Ich bin der letzte Mann mit der größten Verantwortung auf dem Platz“, hat er mal gesagt, aber gleich hinzugefügt: „Das macht mir keine Angst.“

Ganz früher, zu Beginn seiner Karriere noch im finnischen Turku, wo es so kalt war, dass er sich Zeitungspapier in die Torwarthandschuhe gesteckt hat, haben ihn Gegentore fast persönlich getroffen. Inzwischen geht er damit lockerer um, „wegen Ergebnissen schlafe ich nicht schlechter“, sagt er. Obwohl ihm sein folgenschwere Patzer im Spiel gegen Werder Bremen (1:2) Anfang April doch mehr mitgenommen hatte als ihm selbst lieb war. Ohnehin hat sich der Sympathieträger im Bundesligazirkus eine beeindruckende Ungezwungenheit und Lebensfreude bewahrt, eine ansteckende Fröhlichkeit und Offenheit, die man selten erlebt.

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