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Kovac-Abgang Tiefe Risse

Die Freundschaft zwischen Fredi Bobic und Niko Kovac hat arg gelitten.

Fussball 1.Bundesliga, Bayer 04 Leverkusen - Eintracht Frankfurt
Das Verhältnis von Bobic (l.) und Kovac hat schon bessere Zeiten gesehen. Foto: Huebner/Ulrich (Jan Huebner)

Bevor Sportvorstand Fredi Bobic das Weite suchte und sich über die A3 auf den Weg zurück nach Frankfurt machte, versuchte er, Diskussionen um die nahe Zukunft seines Trainers im Keim zu ersticken. Hatte es doch einer gewagt zu fragen, ob Niko Kovac ganz sicher bis zum Saisonende auf dem Trainerstuhl sitze und die Spielzeit beenden werde. „Solche Fragen beantworte ich nicht“, blaffte der 46-Jährige. „Das ist absolut wirklich respektlos.“ Das ist wohl die Steigerung von einem einfachen respektlos.

Verständlich ist allemal, dass der Eintracht-Sportchef alles versucht, um seinen leitenden Angestellten zu schützen. Er kann es nicht zulassen, dass dessen Autorität untergraben oder der Coach generell beschädigt wird. Dafür steht im Endspurt der langen Saison zu viel auf dem Spiel – im Pokal und in der Liga. Die verbale Verteidigung des Trainers ist nur professionell.

Doch wie sieht es in Fredi Bobic aus? Klar ist, dass das Verhältnis der beiden Alphatiere gelitten hat, da sind tiefe Risse unverkennbar. Die Männerfreundschaft der beiden ist vielleicht noch nicht ganz zerbrochen, doch arg angespannt. Es wird viel Zeit und einige Gespräche brauchen, um die einst auf Vertrauen basierende Beziehung wieder zu kitten. Schon auf der Pressekonferenz am Freitag war die Distanz zwischen Bobic und Kovac spürbar, der Vorstand würdigte den Coach keines Blickes, und die Angriffe auf die Bayern waren auch eine notdürftig versteckte Anklage gegen den eigenen Trainer. „Dieser Verein ist viel, viel größer als die Personen, die hier auf dem Podium sitzen“, sagte Bobic etwa. Ein für gewöhnlich belangloser und plakativer Satz, dieses Mal aber bewusst so formuliert und an den Adressaten gerichtet, der nur zwei Meter weiter neben ihm saß.

 

Das Binnenverhältnis, sagte Bobic im Nachgang offiziell, sei „okay“, durch die Umstände des Wechsels ist es „jetzt vielleicht ein bisschen getrübt“. Oder auch ein bisschen mehr. Selbst Bayern-Allmacht Uli Hoeneß orakelte in einer seiner unnachahmlichen Wutreden via Sky: „Bis gestern war Niko ja ein guter Freund von Bobic – so wie sich Bobic verhält, ist das jetzt wohl nicht mehr so.“ Es herrscht keine Eiszeit zwischen den beiden, das wäre in der jetzigen Phase auch fatal, und dazu sind sie auch zu lange im Geschäft und zu sehr im Profitum verhaftet. Aber klar ist, dass da einiges kaputt gegangen ist.

Es krachte schon mal

Nach außen hin galten Bobic und Kovac stets als starkes Duo, zwischen das kaum ein Blatt Papier passte. Das liegt nicht nur, aber auch an der Vergangenheit: Beide spielten von 2003 bis 2005 bei Hertha BSC, teilten sich bei Auswärtsspielen sogar ein Hotelzimmer. Beide waren zudem die Anführer bei der damaligen Opposition gegen den Berliner Manager Dieter Hoeneß. Beide schätzen sich, aber es herrschte nicht immer Friede, Freude Eierkuchen. Beide sind impulsiv, gerieten in Frankfurt das eine oder andere Mal aneinander. „Wir waren auch in mancher Personalie nicht immer einer Meinung“, sagte Bobic jetzt. Es krachte schon mal, aber es wurde nie persönlich, sondern es ging um die Sache.

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