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Kommentar Wachstum auf allen Ebenen

Die Eintracht hat an Format gewonnen. Nun gilt es, einen Trainer zu finden, der die Arbeit von Niko Kovac fortsetzt.

Schalke - Eintracht Frankfurt
Auf Schalke war alles wieder eitel Sonnenschein. Foto: Imago

Der Zeitpunkt, diesen Befreiungsschlag zu landen, hätte für Eintracht Frankfurt besser nicht gewählt sein können. Nach der großen Willensleistung am Mittwochabend im Ruhrpott und dem abermaligen Einzug ins DFB-Pokalfinale war die Erleichterung riesengroß, sie war mit Händen zu greifen. Für die Eintracht stand einiges auf dem Spiel, nicht weniger als die gesamte Saison. Durch die von Niko Kovac und seinem Wechsel zu den Bayern ausgelösten Turbulenzen drohte eine herausragend gute Spielzeit auf den letzten Metern den Bach herunterzugehen. Die Stimmung war kurz vorm Kippen, sie war fast schon feindselig und richtete sich gegen den eigenen Trainer, dem plötzlich ein veritables Glaubwürdigkeitsproblem am Hacken hing. Und nun? Ist wieder alles eitel Sonnenschein? 

Das sicher nicht. Kovac wirkt nach wie vor angeschlagen und nachdenklich, er fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Viel wichtiger aber ist, dass sich die Stimmung gedreht und die Mannschaft eine klare Botschaft gesendet hat, nämlich die, dass sie unabhängig davon, wer ihr vorsteht und wer ihr bald vorstehen und was von außen an sie herangetragen wird, zu außerordentlichen Leistungen fähig ist. Dieses Team hat Mentalität und Charakter. 

Es bleibt dabei: Die Außendarstellung rund um Kovacs Abschied war extrem unglücklich, das von Egoismus geprägte Auftreten des 46-Jährigen ebenso. Aber Kovac, und das hat nie jemand in Abrede gestellt, ist ein guter Trainer. Es ist für ihn eine Auszeichnung, dass die Bayern ihn – und sei es in Ermangelung an Alternativen – verpflichteten. Aber es ist genauso eine Auszeichnung für die Eintracht, dass ihr Coach für den in einer eigenen Liga spielenden Giganten interessant wurde. 

Denn natürlich ist dem Trainer in Frankfurt das Feld bestellt und der Boden bereitet worden, auf dem er sich verwirklichen konnte. Die Eintracht steht zum zweiten Mal binnen eines Jahres im Pokalfinale und klopft zum zweiten Mal nacheinander an die Tür zu Europa. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Arbeit des Trainers und der Mannschaft, aber auch dem klugen und innovativen Werken des Vorstandes. 

Und es ist eine Frage der Personalpolitik. Einen außergewöhnlichen Torjäger wie Luka Jovic, der in der zweiten Mannschaft von Benfica Lissabon in der Versenkung verschwunden war, muss man erst mal finden und für gut befinden. Auf diesem Sektor hat die Eintracht Quantensprünge gemacht. Und deshalb muss ihr nicht bang sein, wenn Kovac den Verein verlässt. Er ist zwar ein wichtiger Faktor, aber doch nur ein Baustein im großen Ganzen gewesen. Die Eintracht ist stabil, sie wächst auf allen Ebenen, wird im Sommer erneut für mehr als 20 Millionen Euro einkaufen können. Die jüngsten Erfolge werden dem Verein wieder einige Türen öffnen, das ist gut für das Selbstverständnis und das Renommee. Die Eintracht hat an Format gewonnen, sich zu einem respektierten und zuweilen bestaunten Fußballunternehmen gemausert, das sich in der Bundesliga an die Schwelle zur Spitzengruppe gearbeitet hat. 

Nun gilt es, einen Trainer zu finden, der die Arbeit Kovacs fortsetzt. Da brauchen die Verantwortlichen ein gutes Händchen. Er muss konsequent und ein Mann mit klarer Linie sein, der das Team fordert. Einen launigen Moderator kann man dieser willensstarken Mannschaft nicht vorsetzen. 

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