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Kommentar Mit sehr viel Rückenwind

Eintracht Frankfurt hat sich neu aufgestellt, sich ein Stück weit neu erfunden. Die neue Strategie ist richtig - und doch hängt noch vieles, ganz schnöde, an Punkten und Toren. Unser Kommentar.

Niko Kovac
Ist längst das Gesicht der Eintracht geworden: Trainer Nico Kovac. Foto: dpa

Nach dem letzten Hinrundenspiel in 2017 ist der Frankfurter Vorstand Axel Hellmann trotz des kleinen Stimmungskillers in der 95. Minute frohgemut vor die Presse getreten. Das macht der 46-Jährige sonst eher selten, das sportliche Feld überlässt er anderen, aber dieses Mal wollte das Frankfurter Funktionärs-Urgestein ein paar Botschaften verkünden. „Der Klub ist auf dem Vormarsch“, hob der Marketingvorstand an. Auf allen Ebenen: Sponsoring, Merchandising, Hospitality, Zuschaueraufkommen, Mitgliederzahlen – die Eintracht pulverisiert ihre eigenen Bestmarken. „Solch eine Vorrunde haben wir noch nie erlebt“, sagte Hellmann. „Diesen Rückenwind nehmen wir mit ins Jahr 2018.“ 

Eintracht Frankfurt hat sich neu aufgestellt, sich ein Stück weit neu erfunden. Der Verein ist seit dem Abgang von Vorstandschef Heribert Bruchhagen und der Amtsübernahme von Fredi Bobic vor eineinhalb Jahren ständig in Bewegung, er pulsiert, viele Projekte werden aus der Taufe gehoben, erst kürzlich in den USA. Die Eintracht expandiert in die halbe Welt, als Zielmärkte hat sie China, USA, Korea, Japan und den Mittleren Osten ins Auge gefasst. „Wir bauen unseren Eintracht-Nukleus auf“, sagt Hellmann. Schon jetzt erlöst der Klub dort Summen im zweistelligen Millionenbereich. Das ist nicht schlecht. Die Strategie ist richtig. Der Klub muss sich öffnen, ohne seine starke regionale Verwurzelung aufzugeben. 

Und er ist mittlerweile in der Lage, sich zukunftsorientiert in Szene zu setzen und wettbewerbsfähig im mittleren Segment zu sein: Eine Investorengruppe will 15 Millionen Euro in die AG stecken, auch im Sommer wird die Eintracht wieder für gut 20 Millionen Euro shoppen gehen können, selbst ein Zukauf im Winter ist – entgegen öffentlicher Verlautbarungen – nicht ausgeschlossen. Richtig so, denn mit einer sauberen Rückrunde können sich die Hessen zumindest die Möglichkeit erhalten, an die europäischen Startplätze heranzurobben. Den Fans dürstet danach. Pflicht ist der Europacup nicht. Das wäre blanker Unfug. 

Fredi Bobic hat den Apparat aufgepustet und nach seinen Vorstellungen umgebaut. Das ist notwendig gewesen. Er will den Verein so aufstellen, dass er immer auf alle Eventualitäten vorbereitet und gewappnet ist. Selbst ein Abstieg dürfe einen Klub wie die Eintracht nicht in seinen Grundfesten erschüttern. 

Und doch hängt vieles, ganz schnöde, an Toren und Punkten. Der reflektierte und souveräne Trainer Niko Kovac, längst das Gesicht des Klubs, leistet ganze Arbeit, er hat eine Mannschaft geformt, die einen eisenharten Malocherfußball anbietet. Der ist – gemessen an den wirtschaftlichen Möglichkeiten – nicht schön, aber erfolgreich. Die gute Vorrunde kann der ärgerliche Ausgleichstreffer der Schalker nicht trüben. Doch die Klinge, liebe einträchtige Fußballarbeiter, darf ruhig etwas feiner sein. 

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