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Kommentar Logischer Schritt

Friedhelm Funkels Zeit bei der Eintracht ist abgelaufen. Er muss seine Zelte abbrechen. Nach fünf erfolgreichen, nach fünf schönen Jahren. Ein würdiger Abschied wird dem 55-Jährigen verwehrt. Den hätte er verdient gehabt.Von Ingo Durstewitz

Im Sommer wäre Friedhelm Funkel in sein sechstes Jahr auf der Kommandobrücke in Frankfurt gegangen. Er hätte Erich Ribbeck als Rekordhalter abgelöst. Doch der Konjunktiv verrät: Funkels Zeit bei der Eintracht ist abgelaufen. Er muss seine Zelte abbrechen. Nach fünf erfolgreichen, nach fünf schönen Jahren. Ein würdiger Abschied wird dem 55-Jährigen verwehrt. Den hätte er verdient gehabt.

Und doch ist die Trennung sinnvoll, logisch war sie sowieso. Das hat weniger mit sachlichen, stichhaltigen Argumenten zu tun, da geht es weniger um die Bewertung Funkels Arbeit als Fußballlehrer, sondern vielmehr um so genannte weiche Faktoren. Emotionen, Gefühle, Stimmungen. Und gerade die Stimmung war schlecht, hundsmiserabel gar. Funkel war der klassische Sündenbock, an ihm entlud sich des Volkes Zorn.

Natürlich kann man nun trefflich darüber streiten, ob Heribert Bruchhagen eingeknickt ist, ob er sich von der öffentlichen Meinung hat leiten lassen, ob er dem Druck nicht mehr standhielt. Oder ob er selbst zu dem Schluss kam, dass sich Trainer Funkel im Laufe der Jahre abgenutzt hatte.

Die Rückrunde verlief jedenfalls ziemlich desaströs, eine Entwicklung war nicht mehr zu erkennen, zumindest keine positive. Fußballerisch lieferte die Mannschaft biedere, magere Hausmannskost ab. Und die Fragen müssen gestellt werden: Wie lange wäre es gut gegangen mit einem Trainer namens Funkel, der bei den Fans und auch vielen Funktionären jeglichen Kredit verspielt hatte? Und: Kann man auf Dauer gegen seine eigenen Fans spielen?

Wohl eher nicht. Die Eintracht hätte einen schweren Rucksack mit in die neue Runde geschleppt. Mit der ersten Niederlage in der neuen Saison wäre das Theater wieder von vorne losgegangen, das konnte sich Eintracht Frankfurt nicht erlauben.

Nun wird ein neuer Trainer kommen, einer, der die Situation befrieden wird. Er wird womöglich eine Aufbruchstimmung erzeugen könne, er kommt unbeleckt, er hat den Kredit, den Funkel nicht mehr hatte. Das muss nicht schlecht sein.

Doch von einer Hoffnung sollten sich alle Fans verabschieden: Wer glaubt, die Eintracht wäre mit einem anderen Coach, sagen wir, Sechster oder Siebter geworden, der irrt sich gewaltig. Funkel hat aus der limitierten Mannschaft sehr viel herausgeholt. Funkel, dabei bleibt es, ist ein guter Trainer. Und er wird wieder einen Job finden. Sehr schnell.

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