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Kommentar Eintracht Frankfurt Sehenden Auges

Mönchengladbach ist das beste Beispiel dafür, dass in der Liga eben nicht alles zementiert ist. In Frankfurt dagegen ist das Strohfeuer längst erloschen. Ein Kommentar.

Borussia Mönchengladbach gewann seine Zweitrundenpartie bei Eintracht Frankfurt mit 2:1 (1:0). Foto: dpa

Der Tag, an dem sich die Wege von Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach trennten, lässt sich terminieren: 14. Mai 2011, ein Samstag. Seinerzeit stieg die Eintracht nach einem 1:3 bei Borussia Dortmund in die zweite Liga ab, die Gladbacher schafften Platz 16 und in der Relegation den Klasenerhalt. Es war eine märchenhafte Rettung: Nach der Hinrunde hatte die Eintracht 26 Punkte, Gladbach ganze zehn. Lucien Favre war im Februar geholt worden, um nach dem scheinbar sicheren Abstieg einen Neuaufbau zu bewerkstelligen. Unvergessen die Worte des Frankfurter Klubchefs Bruchhagen in der Winterpause, jeder jetzt investierte Euro fehle Gladbach dann in der zweiten Liga. Wie man sich täuschen kann.

Mittlerweile ist Borussia Mönchengladbach der Eintracht, wie man spätestens nach der Vorführung im Pokal sehen kann, meilenweit enteilt. Der Abstand zwischen beiden Klubs klafft weit auseinander, obwohl beide sich vor ein paar Jahren auf Augenhöhe begegneten. Auch die Gladbacher stiegen ab, 2007 war das, 2011 hielten sie haarscharf die Klasse. Seitdem geht es am Niederrhein langsam, aber stetig bergauf. Dank kluger, unaufgeregter Vereinspolitik und gelungener Personalentscheidungen – selbst die Verluste von Dante und Marco Reus wurde kompensiert – sind die Gladbacher dran, sich zur zweiten Kraft hinter den Bayern zu mausern. Kontinuierlich wurde der Kader verstärkt, das in der Europa League eingenommene Geld sinnvoll investiert. Und wenn jetzt die Champions League dazukäme, dürfte der Weg noch nicht zu Ende sein.

Mönchengladbach ist das beste Beispiel dafür, dass in der Liga eben nicht alles zementiert ist.

In Frankfurt dagegen ist das Strohfeuer, das nach dem Aufstieg und dem Erreichen des internationalen Wettbewerbs aufflackerte, längst erloschen. Ein paar Monate hat es nur gedauert, und nichts ist mehr so, wie es einmal war. Eine bleierne Schwere liegt über dem Klub; viele spüren, dass es in die falsche Richtung läuft. Sportlich hakt es gewaltig, da ist kein System erkennbar, keine Struktur, fußballerisch ist das Team limitiert, die halbwegs positiven Ergebnisse täuschen über die wahre Leistungsstärke hinweg. Hinter den Kulissen rumort es gehörig, es gibt Unruhe zwischen dem Aufsichtsratschef und dem Sportdirektor, es knirscht vor der Präsidenten-Wahl. Das klingt nicht gut. Man kann den Abgrund förmlich sehen, auf den die Eintracht zurast. War die Stimmung vor dem letzten Abstieg nicht ähnlich? Es ist noch nicht zu spät, das Ruder muss aber dringend herumgerissen werden. Nur wie?

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