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Kommentar Eintracht Frankfurt Noch viel Arbeit am Main

Kurz vor dem Start in die Bundesligasaison hat Eintracht Frankfurt noch jede Menge offene Baustellen. Das merkt jetzt auch der neue Coach. Ein Kommentar.

German Super Cup - Eintracht Frankfurt v Bayern Munich
Hat noch einiges zu tun: Adi Hütter. Foto: rtr

Man müsse „dicke Bretter bohren in den nächsten Jahren, eigentlich schon ganze Platten“, hatte Eintracht Frankfurts Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing unlängst die Vertragsverlängerung der Vorstände Bobic und Hellmann gleich um fünf Jahre begründet: „Sie müssen noch viel bewegen in den nächsten Jahren“.

Das ist ohne Zweifel richtig. Aber Fußball ist, so die Binse, noch immer hauptsächlich Tagesgeschäft. Bevor also die nächsten Jahre in Angriff genommen werden, muss erst einmal an die unmittelbare Zukunft gedacht werden. Im sportlichen Bereich bedeutet dies: Es muss ein Kader für die kommende Saison gefunden werden. Eine Mannschaft, die in der Bundesliga mithalten kann, die sich in Europa nicht blamiert, und die im DFB-Pokal so weit wie möglich kommt.

Genau da gibt es aber im Moment, nur ein paar Tage vor dem ersten Pokalspiel und kurz nach der erschreckenden Vorstellung im Supercup gegen die Bayern, noch erhebliche Probleme . Adi Hütter, der Nachfolger von Niko Kovac, spricht zwar davon, dass er schon das Gefühl habe, man sei konkurrenzfähig, er sei sich aber darüber im Klaren, dass man am Main Substanz verloren habe.

Zwei Trainingsgruppen 

Diesen Substanzverlust, bedingt auch durch den Verlust eines Spielers wie Kevin-Prince Boateng,  dessen Abgang Adi Hütter offensichtlich nicht auf der Agenda hatte, hat Eintracht Frankfurt durch die bisherigen Neuverpflichtungen noch nicht ausgleichen können. Der Fußballlehrer hat wohl selbst seine Zweifel an der Tauglichkeit einiger Zugänge, wenn er davon spricht, dass etwa  der Portugiese Chico Geraldes zwar ein „ordentliches Niveau“ habe, aber er noch hart arbeiten müsse, um in der Bundesliga bestehen zu können. So etwas verwundert dann schon, wenn man davon ausgeht, dass gerade Leihspieler, für die man nicht mal eine Kaufoption besitzt, im einer Mannschaft sofort helfen sollten. Ein Versprechen für die Zukunft nur zu auszuleihen erscheint einigermaßen sinnlos.

Der Pokalsieger der vergangenen Saison präsentiert sich gut eine Woche vor dem Bundesligastart zumindest nach außen derzeit nicht besonders glücklich. Der aufgeblähte Kader wird in zwei Trainingsgruppen aufgeteilt, von denen die der Ausgemusterten jetzt auch noch mit Marco Fabian aufgefüllt wird, einem Spieler, der im Supercup noch in der Startelf stand, und den Adi Hütter in der jüngeren Vergangenheit noch in den höchsten Tönen gelobt hatte. WM-Teilnehmer Fabian könne sich einen neuen Verein suchen, wie auch Eigengewächs Marc Stendera und Stürmer Brane Hrgota, für die es am Main  keine Zukunft gibt. Ob es für die Spieler überhaupt Interessenten da sind, ist im Moment noch unklar. Es hapert also nicht nur daran, Abgänge durch mindestens gleichwertige Spieler zu ersetzen, von Qualitätsverbesserung redet man schon gar nicht mehr - Eintracht Frankfurt gelingt es auch nicht, durch Spielerverkäufe nennenswerte Beträge in die Kasse zu spülen.

Dass es bei den Anhängern nicht besonders gut ankommt, etablierte Kräfte wie Stendera oder Fabian eiskalt aufs Abstellgleis zu schieben, dass immer mehr Fans ein Problem damit haben, sich mit Spielern zu identifizieren, die nicht einmal  mehr zwölf Monate dem Verein verbunden sind, dass man Talente für die Zukunft verpflichtet, und ihnen nicht mal ein halbes Jahr Zeit gibt, sich zu entwickeln, dass Jugendspieler aus dem eigenen Verein mit Profiverträgen ausgestattet werden, nur um die Quote zu erfüllen  - dies alles ist sportlich zunächst mal nicht von Bedeutung. Zumindest so lange nicht, wie Erfolge den Verantwortlichen bescheinigen, nicht alles falsch gemacht zu haben. Wer den DFB-Pokal holt, wer in der Europa League spielt, muss sich nicht groß rechtfertigen. Und wer einen Kicker wie Ante Rebic halten kann, schon mal gar nicht – auch wenn man in Frankfurt vielleicht doch darauf spekuliert hatte, mit dem erwartenden Transfererlös für den Kroaten auf Einkaufstour gehen zu können.  

Sollte der Erfolg allerdings ausbleiben, der Start in die Saison in die Hose gehen, noch ein paar Verletzte hinzu kommen, dann könnte es ganz schnell ungemütlich werden in der Bankenstadt am Main. Noch sind gut zwei Wochen Zeit, Fehler in der Kaderplanung zu korrigieren und zumindest die Konkurrenzfähigkeit zu gewährleisten. Zeit, die man sinnvoll nutzen sollte. Die Verantwortlichen bei der Eintracht haben sich in der Vergangenheit einen Vertrauensvorschuss redlich erarbeitet. Den gilt es jetzt zu bestätigen. Dicke Bretter kann man danach immer noch bohren.

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