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Kommentar Eintracht Frankfurt Mutig, aber gut

Eintracht Frankfurt überrascht mit der Verpflichtung des neuen Trainers. Adi Hütter ist ganz gewiss kein Niko Kovac 2.0 – und das ist sehr gut so. Ein Kommentar.

13 05 2018 Stade de Suisse SCHWEIZ Saison 2017 2018 Herren Fussball Super League BSC Young Boys
Fordert fast bedingungslosen Offensivfußball von seinen Teams: Adi Hütter, neuer Eintracht-Trainer. Foto: imago

Adi Hütter also. Kein unbeschriebenes Blatt, aber im großen Fußballgeschäft trotzdem eher unbekannt und Insidern ein Begriff. Kein No-Name im klassischen Sinne, aber kein klangvoller Name, der automatisch auf jeder noch so einfallslosen Liste der üblichen Verdächtigen auftaucht. Keine Frage, da ist Fredi Bobic ein ziemlicher Coup gelungen. Es ist eine mutige Entscheidung, für die der Eintracht-Sportvorstand aber ausdrücklich zu loben ist.

Natürlich weiß niemand, ob der 48 Jahre alte Österreicher die sicher nicht einfach zu führende und mit sehr unterschiedlichen Charakteren gespickte Frankfurter Mannschaft tatsächlich in den Griff bekommen und erfolgreich sein wird. Diese Frage hätte man aber auch bei keinem anderen der gehandelten Kandidaten vorher seriös beantworten können. Es ist daher allemal eine gute Idee, die ausgetrampelten Pfade zu verlassen und einen ausgewiesenen Fachmann zu holen, der auf der hell ausgeleuchteten Fußballbühne bisher nicht wirklich auffällig geworden ist, aber auf den zweiten Blick betrachtet schon eine ganze Menge erreicht hat.

Adi Hütter hatte Erfolg in Grödig (Aufstieg und Platz drei), in Salzburg (Double-Gewinn) und nun in Bern (Meister und vielleicht auch noch Pokalsieger). Gerade seine Leistung in der Schweiz wird von Fachleuten extrem hoch bewertet, weil Hütter seiner Mannschaft ein Profil gegeben, eine klare Philosophie eingebimst und es geschafft hat, dem FC Bayern der Schweiz, dem FC Basel, in dieser Saison den Rang abzulaufen. Das ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Klar, die deutsche Bundesliga ist noch mal eine andere Nummer als die Eliteklassen in der Schweiz und in Österreich, aber Hütter ist kein Novize, er verfolgt einen klaren Karriereplan, hat seine Erfahrungen gesammelt und sah nun den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Verein, um den nächsten Schritt zu gehen. Das ist alles sehr plausibel.

Adi Hütter ist ganz gewiss kein Niko Kovac 2.0 – und das ist sehr gut so. Der noch aktuelle Eintracht-Coach, den übrigens damals als Nachfolger von Armin Veh ebenfalls kaum einer auf der Liste hatte, von Sportdirektor Bruno Hübner nur gegen Widerstände durchgeboxt werden und letztlich durch harte, akribische Arbeit überzeugen konnte, hat den Verein in gut zwei Jahren geprägt und hervorragend repräsentiert, er war das Gesicht und die Zugmaschine, aber er hat sich irgendwann auch verschlissen und abgenutzt, die Mannschaft durch seine stets fordernde Art und seinen autoritären Führungsstil förmlich ausgepresst.

Es ist wichtig, nun einen neuen Impuls zu bekommen, einen anderen Wind, eine andere Herangehensweise. Das heißt nicht, dass es unter Adi Hütter lockerer werden muss, aber vielleicht etwas weniger straff und verkrampft. Das wäre fürs Team schon hilfreich.

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