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Kommentar Eintracht Frankfurt Frankfurter Schieflage

Alles, was bei der Frankfurter Eintracht zuletzt aufgebaut wurde, auch und gerade unter dem sehr fordernden Trainer Niko Kovac, droht einzustürzen. Der Kommentar.

SSV Ulm 1846 v Eintracht Frankfurt
Danny Blum am Boden: Gegen Ulm fliegt der Titelverteidiger Eintracht Frankfurt in der ersten Runde des DFB-Pokals raus. Foto: rtr

Natürlich kann man das blamable Ausscheiden im Pokal gegen einen Viertligisten so entspannt kommentieren wie Vorstand Fredi Bobic, der gesagt hatte, das könne jedem mal passieren. Man kann aber auch voller Sorge konstatieren, dass der Knockout im Schwäbischen angesichts einer nicht mehr nachzuvollziehenden Personalpolitik im Grunde nicht völlig überraschend kam. Diese Frankfurter Mannschaft ist knapp eine Woche vor dem Bundesligastart nicht konkurrenzfähig, diese Mannschaft ist, obwohl bisher runde 20 Millionen Euro in Beine investiert wurden, deutlich schwächer als in der vergangenen Saison. 

Eigentlich müssten den sportlich Verantwortlichen derzeit im Stadtwald die Ohren klingeln, so laut heulen die Alarmsirenen. Eintracht Frankfurt steckt, die Saison hat noch gar begonnen, bereits in einer veritablen Krise. Der Klub mag im Umfeld professioneller aufgestellt sein, wirtschaftlich solide geführt und neue Märkte erobert haben.

Die Weichen jenseits der Kreidemarkierungen sind gestellt, keine Frage, doch im Kerngeschäft hapert es. Sportlich hat sich die Eintracht ohne Not in eine gefährliche Schieflage manövriert. Da herauszukommen ist schwierig. Nach sechs Wochen Vorbereitung hat man nicht das Gefühl, dass auf dem Rasen ein Team zusammengewachsen ist, das Bundesligaansprüchen genügen könnte.

Just diese mannschaftliche Geschlossenheit war in der Vergangenheit trotz unterschiedlicher Herkunft eines der Pfunde, mit denen die Hessen wuchern konnten. Das mag sich wieder ändern, es mag noch der eine oder andere (gute) Spieler dazukommen. Aktuell aber ist das Gerüst sehr fragil.

Und es hat nur einen Sommer gedauert, bis die ganze Euphorie, die den Klub nach dem Berliner Pokaltriumph umweht hat, verflogen ist.

Die Begeisterung, die Freude, auch der Stolz ist größten Bedenken gewichen. Alles, was zuletzt aufgebaut wurde, auch und gerade unter dem sehr fordernden Niko Kovac, droht einzustürzen. Das muss man auch erst einmal schaffen.

Das fängt bei der Idee an, gestandene Leistungsträger durch womöglich talentierte Perspektivspieler ersetzen zu können, setzt sich fort mit einer wenig stilvollen und das Team insgesamt spaltenden Degradierung von gleich sieben Profis, die teilweise im vergangenen Jahr noch gut genug waren, und endet nicht damit, einen engagierten, hoch motivierten Trainer zu holen, der seine Philosophie mit ihm an die Hand gegebenen Spielern im Moment nicht verwirklichen kann. Das alles ist doch sehr bedenklich, fast schon gefährlich.

Es drängt sich geradezu die Parallele zum 1 FC Köln auf, der im vergangenen Jahr ebenfalls auf der europäischen Euphoriewelle surfte, Leistungsträger (etwa Modeste) trotz sprudelnder Millionen nicht adäquat ersetzte, binnen kürzester Zeit brutal abschmierte und nun in der zweiten Liga einen neuen Anlauf nimmt. Eigentlich wollte die Eintracht in diesem Jahr einen Schritt nach vorne tun; es stand ein Investitionsvolumen wie nie zur Verfügung, man wollte sich in vorderen Gefilden etablieren, an internationalen Plätzen schnuppern. Im Moment sollte der Blick eher in die andere Richtung gehen. 

Es ist dringend geboten, den Hebel umzulegen und umzusteuern. Wenn die beiden jüngsten Niederlagen etwas Gutes haben, dann, dass es so nicht weitergehen kann. Sage niemand, die Eintracht sei nicht gewarnt. Die Zeichen an der Wand sind eigentlich nicht zu übersehen.

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