Lade Inhalte...

Kommentar: Bruchhagen und die Eintracht-Fans Ein absurder Gedanke

Höhere Dauerkarten-Preise wegen Problem-Anhängern? Eintracht-Boss Bruchhagen geht mit Fußballfans wie mit Achtklässlern um. Das könnte die Situation in der Kurve zur Eskalation bringen.

Fans beim Support ihrer Eintracht. Foto: E. Krieger

Höhere Dauerkarten-Preise wegen Problem-Anhängern? Eintracht-Boss Bruchhagen geht mit Fußballfans wie mit Achtklässlern um. Das könnte die Situation in der Kurve zur Eskalation bringen.

In der achten Klasse eines Frankfurter Gymnasiums mussten gestern alle Schüler eine halbe Stunde nachsitzen. Drei Jungs aus der Klasse hatten ohne Unterlass den Unterricht gestört. Der Sinn dieser pädagogischen Maßnahme erschließt sich schnell. Der Lehrer will den Schülern sagen: Ihr seid eine Klasse, wenn einer Mist baut, werden alle bestraft.

Heribert Bruchhagen hat fast zehn Jahre lang am Kreisgymnasium in Halle/Westfalen unterrichtet. Vielleicht ist der Vorstandsvorsitzende der Eintracht deshalb dem neuen Vorstoß im Umgang mit Problem-Fans zugeneigt. Dauerkarten in der Fankurve sollen teurer werden, weil die Bundesligisten Strafen für das Abbrennen von Pyrotechnik auf die gesamte Anhängerschaft umlegen.

Fußballfans sind keine Achtklässler, und wenn sich Profiklubs im Umgang mit den eigenen Anhängern nicht anders zu helfen wissen, als eine Kollektivschuld anzunehmen, ist das armselig. In Frankfurt etwa ist seit Jahren bekannt, dass Teile der Fanszene Probleme bereiten.

Die ganze Zeit über hat sich die Eintracht darum so gut wie gar nicht gekümmert, sie hat sogar zugelassen, dass Hooligan-Gruppen Transparente im Stadion anbrachten. Und nun sollen plötzlich alle Fans für das Fehlverhalten einiger Irrer bezahlen, die weder der Verein noch die Polizei in den Griff bekommt? Das ist ein völlig absurder Gedanke, der die Situation in mancher Kurve zur Eskalation bringen könnte.

Die Klubs müssen vielmehr den Dialog suchen und auch Zugeständnisse machen. Nicht gegenüber Gewalttätern, wohl aber gegenüber Fans, die für mehr Freiräume streiten. Vor einigen Monaten schien mit der mittlerweile an einem toten Punkt angelangten Diskussion um die Legalisierung von Pyrotechnik in bestimmten Bereichen des Stadions ein guter Ansatz gefunden zu sein. Dass dieser Weg offenbar nicht weitergegangen wird, ist bedauerlich.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum