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Kommentar Auf Normalmaß

Das Leistungsvermögen von Eintracht Frankfurt entspricht insgesamt einem Mittelfeldplatz. Das ist nach der schaurigen letzten Saison ein Erfolg.

Eintracht Frankfurt - Hamburger SV
Mehr geht wohl nicht: Eintracht-Coach Niko Kovac. Foto: Hasan Bratic (dpa)

Mit dem wild tobenden Kampf wider den Relegationsrang wird Eintracht Frankfurt, sollte kein erdrutschartiger Einbruch erfolgen (wovon nicht wirklich auszugehen ist), nichts zu tun haben. Das ist die gute Nachricht. Positiv ist aus Sicht des ins Trudeln geratenen hessischen Bundesligisten zudem, dass die Mannschaft in einem wahren Langholz-Festival gegen den HSV ihre Niederlagenserie gestoppt hat und auch mal wieder kein Gegentor schlucken musste. Eine Trendwende war diese graue Nullnummer jedoch nicht.

Es wird überdeutlich, dass die Frankfurter, wie fast traditionell in einer Bundesligarückserie, jedes einzelne Pünktchen mühsam werden einsammeln, sehr viel malochen und zerren müssen, bis sie diese Saison beendet haben. Wo die Hessen am 20. Mai einlaufen werden, lässt sich natürlich nicht vorhersagen, zurzeit spricht einiges dafür, dass es eher nicht Platz fünf, sechs oder sieben, sondern eher Rang neun, zehn oder elf sein wird.

Das mag vordergründig enttäuschend anmuten, weil die Eintracht fast die gesamte Saison über einen Europapokalrang belegte und nach 20 Spieltagen noch auf Platz drei stand. Doch wer das Potenzial der derzeitigen Mannschaft mit all ihren Sperren und Verletzten richtig einschätzt, kommt nun, da das Unbekümmerte und Selbstverständliche verflogen ist, nicht umhin zu konstatieren: Das Leistungsvermögen entspricht insgesamt einem Mittelfeldplatz. Das ist nach der schaurigen letzten Saison ein Erfolg.

Die Eintracht spielt nicht mehr so ungezwungen und angriffslustig, das ist derzeit aber auch nicht zu erwarten: Die Ausfälle von Leistungsträgern kann ein Team wie dieses nicht verkraften, zudem wirkt das Ensemble nicht mehr so spritzig und etwas ausgelaugt. Auch das Selbstvertrauen ist nach den vielen Niederlagen zuletzt leicht angeknackst. Alles normal.

Die Eintracht hat in den beiden zurückliegenden Begegnungen wieder in die Spur gefunden. Doch die Frankfurter hat das Spielglück verlassen: In der Hinrunde ist oft schon die erste Chance verwertet worden, jetzt reichen gleich drei, vier hochkarätige Gelegenheiten nicht zu einem Treffer. Das ist freilich auch eine Frage der (fehlenden) individuellen Klasse. Und: Die Frankfurter hatten in der Vorrunde das Momentum auf ihrer Seite, und sie hatten es vortrefflich genutzt. Sie spielten an ihrem Limit. Jetzt sind sie bei Normalmaß angelangt.

Niko Kovac wird das richtige Maß finden und die Leine auch mal etwas länger lassen müssen, sollte sein Team nicht überfrachten. Druck ist ohnehin schon auf dem Kessel. Und vielleicht klappt es ja doch noch mit Platz sechs oder sieben. Irgendwie. Und entgegen dem Trend.

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